Konjunktur-Prognose der Wirtschaftsweisen
Der Boom geht weiter

Der Aufschwung wird sich fortsetzen: Die Wirtschaftsweisen erwarten einen Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt von 1,4 Prozent. US-Kritik am starken deutschen Export weisen die Berater der Bundesregierung zurück.
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Frankfurt/BerlinDie deutsche Wirtschaft bleibt trotz politischer Unsicherheiten rund um den Globus nach Einschätzung der „Wirtschaftsweisen“ auf Wachstumskurs. Für dieses Jahr korrigierten die Top-Wirtschaftsberater der Bundesregierung ihre Prognose am Montag leicht nach oben: „Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Frühjahr 2017 im Aufschwung.“ Die Experten trauen Europas größter Volkswirtschaft nun ein Wachstum von 1,4 Prozent zu.

Zuletzt war der Sachverständigenrat in seinem Jahresgutachten von einem Plus von 1,3 Prozent ausgegangen. Im kommenden Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt dann um 1,6 Prozent steigen.

2016 war die deutsche Wirtschaft um 1,9 Prozent gewachsen, allerdings gab es auch mehr Arbeitstage als 2017. Bereinigt um diesen Effekt sagen die Experten ein Plus von 1,7 Prozent für dieses Jahr voraus. Getragen wird der Aufschwung unter anderem von der weiterhin guten Lage am Arbeitsmarkt und der erwarteten Beschleunigung der Weltwirtschaft, von der die exportorientierte deutsche Industrie profitieren dürfte.

Sorgen bereiten den Experten allerdings die von US-Präsident Donald Trump geforderten protektionistischen Maßnahmen. „Sie bilden eine Gefahr für das globale Handelssystem und ein Risiko für die Weltwirtschaft“, mahnten die Wirtschaftsweisen in Frankfurt.

Die auch von den USA verstärkt geäußerte Kritik am deutschen Leistungsbilanzüberschuss wiesen die Ökonomen zurück. Der sei zwar hoch, doch signalisiere er kein gesamtwirtschaftliches „Ungleichgewicht“, sagt der Vorsitzende des Expertengremiums, Christoph Schmidt. Die Kritik sei „nicht stichhaltig“.

Die deutschen Exporte in die USA übertrafen 2016 die Importe von dort um 49 Milliarden Euro. Der Vorwurf der US-Regierung lautet, dass Deutschland etwa den niedrigen Euro-Kurs ausnutzt und dadurch mehr Waren in den USA absetzen kann als die USA etwa in Deutschland. Die Bundesregierung verweist dagegen auf die Zuständigkeit der EU für den Handel und der EZB für den Wechselkurs.

Der Wirtschaftsberater von US-Präsident Trump, Peter Navarro, bezeichnete den deutschen Handelsüberschuss jüngst als „ernste Sache“. Er sei eines der schwierigsten Probleme im Handel, mit denen sein Land konfrontiert sei. Es gelte, mit Deutschland über Wege zu sprechen, wie diese Überschüsse reduziert werden könnten.

Der Wirtschaftsweise Schmidt forderte zugleich die Bundesregierung auf, Investitionen in Deutschland zu fördern und so dazu beizutragen, dass sich der Differenzbetrag zurückbildet. In die Leistungsbilanz fließen neben dem Warenhandel auch alle anderen Transfers mit dem Ausland ein – von Dienstleistungen bis zur Entwicklungshilfe.

Die anziehenden Preise und der Aufschwung in der Euro-Zone machen nach Ansicht der Wirtschaftsweisen eine baldige Abkehr vom EZB-Kurs des billigen Geldes nötig. „Diese Geldpolitik ist nach wie vor zu expansiv. Und die daraus erwachsenden Risiken, etwa für die Finanzstabilität, nehmen weiter zu“, heißt es in der am Montag vorgelegten aktualisierten Konjunkturprognose der deutschen Top-Ökonomen. Die Europäische Zentralbank (EZB) solle die Beendigung ihres Ankaufprogramms „so bald wie möglich“ einleiten.

Die Notenbank will die umstrittenen Anleihenkäufe jedoch bis mindestens Ende 2017 fortsetzen, wie EZB-Chef Mario Draghi nach der jüngsten Zinssitzung betonte. Der Leitzins für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Die Währungshüter wollen mit der lockeren Geldpolitik die Wirtschaft ankurbeln und die Inflationsrate im Euroraum wieder an ihre Zielmarke von knapp unter zwei Prozent heranführen – ein Wert, der jüngst bereits übertroffen wurde.

Die Wirtschaftsweisen sagen für Deutschland in diesem Jahr bereits ein deutliches Überschreiten der von der EZB als Idealwert angepeilten Marke voraus. Demnach werden die Preise um 2,2 Prozent steigen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Boom der Wirtschafts- und Finanzeliten einer globlaben ach so liberalen-multilateralen Eliten Politik...die den eigenen Profit und Macht als Ziel hat aber nicht das WOHL der Deutschen Bevölkerung/Arbeiter/Leistungserbringer.
    Mehr Wirtschaft aber weniger Netto vom Brutto...mehr Wirtschaft aber auch mehr Steuer und Abgabenlast....mehr Wirtschaft aber weniger Freiheit durch mehr Bevormundung...mehr Wirtschaft für ein Deutsches Volk das für seine Leistungen immer weniger an Wohlstand bekommt aber dafür mehr Mangel und Armut als Wohlstandsaussicht von der Politik versprochen bekommt.
    Wer als Deutscher Arbeitnehmer und Steuer bzw. Abgabenzahler jetzt noch die Abzocker und Unterdrücker einer Wirtschafts- und Finanzfreundlichen Parteienlandschaft von CDU, CSU, SPD, Grüne und LInke seine Stimme gibt, der ist selbst schuld...die nächsten Steuer und Abgabenerhöhungen kommen...zu 100% nach den Wahlen.
    Mut zur Wahrheit...Mut zur Veränderung...Mut zu seiner eigenen Leistung...Mut zu Deutschland und seinen freien Bürger....AfD wählen! Danke!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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