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Konjunktur: Schwellenländer werden neue Zugmaschinen

Mit atemberaubenden Wachstumsraten ziehen die großen Emerging Markets den Industriestaaten davon. Erstmals beschleunigt eine globale Krise den Aufholprozess – mit einer Ausnahme.

China ist der unumstrittene Wachstumsstar auf dem Globus. Quelle: Thies Schwarz
China ist der unumstrittene Wachstumsstar auf dem Globus. Quelle: Thies Schwarz

jmü/and/huh/abu/tom DÜSSELDORF. „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.“ Gleich in zweifacher Hinsicht trifft dieses Bonmot auf die Einschätzung der ökonomischen Perspektiven der großen Schwellenländer, den sogenannten Bric-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China, zu.

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Als die Finanzkrise im Spätsommer vergangenen Jahres vor ihrem Höhepunkt stand, hieß es, die großen Schwellenländer würden, wie stets in globalen Krisen, stärker in Mitleidenschaft gezogen als die Industriestaaten. Als die Krise schließlich Anfang des Jahres ihren Höhepunkt hinter sich gelassen hatte und erste Lichtblicke zu erkennen waren, hieß es: Die exportorientierten Schwellenländer bräuchten länger als etwa die G7-Staaten, um sich von dem Schwächeanfall zu erholen. Erst wenn sich die Industriegiganten wieder fangen, können auch die Schwellenländer an ihr altes Wachstumstempo anknüpfen.

Zwei Jahre nach Ausbruch der Krise kann man feststellen: Mit beiden Einschätzungen lagen die Experten daneben. Erstens zeigte die Königsklasse der Emerging Markets bis auf Russland eine erstaunliche Widerstandskraft angesichts der Schwere der Krise. Zweitens starten vor allem China und Indien in der globalen Erholungsphase schon voll durch, während einige G7-Staaten sich an den ersten Miniwachstumsraten im zweiten Quartal erfreuen. Aber auch diese Lichtblicke werden nicht verhindern, dass die G7-Staaten am Ende des Jahres nach Schätzung von Experten um 3,9 Prozent schrumpfen werden. Bei den Bric-Staaten wird trotz des Schwächeanfalls von Russland eine positive Sechs vor dem Komma stehen.

Wenn es also eine gesicherte Erkenntnis aus der Krise gibt, dann die: Erstmals trug eine große Krise dazu bei, die Gewichte zugunsten der großen Schwellenländer zu verschieben. „In früheren Krisen traf es die großen Schwellenländer meistens besonders hart – vor allem die Lateinamerikas. Das ist jetzt anders: Insbesondere China und Indien, aber auch Brasilien zeigen eine bemerkenswerte Resistenz“, sagt der Emerging-Markets-Experte der Allianz, Gregor Eder.

Es gibt sie also doch, die Abkopplung, die viel beschworen, aber immer wieder ins Reich der Märchen verbannt wurde. „Das summierte BIP der Bric-Staaten wird in 20 Jahren das der G7-Staaten überholt haben, vielleicht schon im Jahr 2027“, sagt Jim O’Neil, Chefvolkswirt von Goldman Sachs. Vor der Krise ging die führende US-Investmentbank noch davon aus, dass dieser Aufholprozess zehn Jahre länger dauern würde.

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