Konjunktur Unsicherheit durch Trump – Gefahr einer Rezession in Deutschland steigt

Die deutsche Wirtschaft boomt – doch wie lange noch? Ein Konjunkturindikator zeigt, dass die Unsicherheit steigt – vor allem wegen Trumps Handelspolitik.
Update: 16.04.2018 - 10:57 Uhr 9 Kommentare
Laut Berechnungen des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession gestiegen. Quelle: dpa
Wirtschaftsentwicklung

Laut Berechnungen des Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession gestiegen.

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BerlinDie Gefahr einer Rezession in Deutschland hat sich dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) zufolge wegen der US-Handelspolitik merklich erhöht. Für den Zeitraum von April bis Ende Juni weise das Frühwarninstrument – das die aktuellsten Daten über die Wirtschaftslage bündelt – eine mittlere Rezessionswahrscheinlichkeit von 32,4 Prozent aus, erklärte das IMK am Montag.

Im März lag das Rezessionsrisiko bei lediglich 6,8 Prozent. Der nach dem Ampelsystem arbeitende Indikator springt dadurch von „grün“ auf „gelb“ und signalisiert eine erhöhte Unsicherheit.

Auch die Bundesbank sieht in dem drohenden Handelskrieg eine Gefahr für die Wirtschaft. Er beobachte den zunehmenden Protektionismus mit Sorge, erklärte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Montag.

„Auch wenn die Globalisierung unerwünschte Verteilungswirkungen für einzelne haben kann, so würden in einem Handelskrieg alle Seiten verlieren“, sagte Dombret. Eine Abkehr vom Multilateralismus hätte gravierende Folgen für Handel und Investitionen.

Den Anstieg des Risikos erklären die IMK-Forscher mit einem Rückgang der Industrieproduktion. Doch in erster Linie sei der Konfrontationskurs von US-Präsident Donald Trump in der Handels- und Zollpolitik dafür verantwortlich.

„Präsident Trumps Flirt mit dem Protektionismus sendet Schockwellen aus, die über die Finanzmärkte auch die deutsche Wirtschaft treffen“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. „Noch bevor klar ist, ob die amerikanischen Strafzölle auch auf europäische Waren ausgedehnt werden, breitet sich starke Verunsicherung aus.“

Auch die zunehmenden Schwankungen an den Börsen in diesem Monat, trügen zu Wahrscheinlichkeit einer Rezession bei. Zusammengenommen mit einer verschlechterten Stimmung und der gedämpften Produktion sei das eine typische Konstellation für die Endphase eines Wirtschaftszyklus, bei der eine von den Finanzmärkten ausgehende Unsicherheit allmählich auf die Realwirtschaft drückt.

Ob eine solche Abwärtsspirale allerdings schon begonnen hat, können die Forscher noch nicht sagen. Ihre Wachstumsprognosen für 2018 und 2019 von 2,4 und 2,2 Prozent wollen sie noch nicht reduzieren.

„Unsere Bedenken wachsen, aber noch gehen wir von einem anhaltenden Aufschwung aus, der im Kern von der Binnenwirtschaft getragen wird“, begründete Horn. „Sollte sich die Negativtendenz aber in den kommenden Monaten verfestigen, müssten wir die Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigieren.“

Doch auch die Exportwirtschaft bleibt bedingt optimistisch: 31 Prozent der vom arbeitgebernahen IW-Institut befragten Firmen erwarten für 2018 ein Plus im Exportgeschäft. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Montag weiter mitteilte, rechnen nur knapp zehn Prozent mit einem Rückgang.

Laut der Studie auf Basis von mehr als 2800 befragten Unternehmen erwarten mehr als die Hälfte der Firmen ein Produktionsplus. 45 Prozent stellen sich auf höhere Investitionen ein, 46 Prozent wollen auch ihr Personal weiter aufstocken. Das IW prognostiziert, dass die Wirtschaftsleistung hierzulande angesichts voller Auftragsbücher und einer rund laufenden globalen Konjunktur 2018 und auch 2019 um jeweils zwei Prozent zulegen wird.

Doch wie das IMK warnt auch das IW: „Eine Eskalation der aktuellen Handelsauseinandersetzungen mit weitergehenden globalen negativen Auswirkungen kann jedoch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen und das Wachstum im kommenden Jahr nahezu halbieren“, sagte IW-Direktor Michael Hüther in Berlin.

„Die mäandernde Rhetorik“ des US-Präsidenten verstöre immer mehr und verunsichere Investoren. Dies könne weitere Problemlagen wie eine Finanzmarktkrise in China oder in Europa nach sich ziehen.

Das derzeitige Tempo der globalen Wirtschaftsentwicklung werde sich 2019 nicht ganz halten lassen. In ihrer Prognose gehen die Forscher allerdings davon aus, dass der Protektionismus den Welthandel in diesem und im nächsten Jahr nicht ernsthaft beeinträchtigen wird.

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9 Kommentare zu "Konjunktur: Unsicherheit durch Trump – Gefahr einer Rezession in Deutschland steigt"

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  • Herr Santos, was ist Ihre persoenliche Option - Beruhigungsmittel oder aus Europa
    auswandern?

  • Herr Dr. Norbert Leineweber
    16.04.2018, 14:04 Uhr

    ....

    Mehr als 3% Lohnerhöhung würgen das Wachstum ab, was alle Gutachten des Sachverständigenrates seit 50 Jahren belegen. Am besten erstreikt man sich höhere Löhne, wenn auch noch der Euro stark wird, was allein schon das Realeinkommen erhöht. Hält man sich nicht an den Verteilungsspielraum entsteht die lohnsatzbedingte- Gewerkschafts-Arbeitslosigkeitt, die Deutschland vor Harzt IV einst an den Abgrund getrieben hatte, über eine permanent steigende Sockelarbeitslosigkeit.

    ======================================

    Wir müssen langsam akzeptieren daß der MENSCH NICHT MEHR ZÄHLT sondern LOBBYISMUS, FALSCHES KAPITALISMUS und dazu dann nur für die Oberen WOHLSTAND UND SICHERHEIT gewährleistet sein müssen.

    FÜR UNS DAS NORMALER BEVÖLKERUNG SETZT SICH NIEMANDEN WIRKLICH EIN !

    Wer noch andere Illusionen besitzt sollte entweder Beruhigungsmitteln nehmen ODER DANN AUS EUROPA AUSWANDERN !!!

  • Es ist schon recht fragwürdig, wenn ausgerechnet ultra-linke "Ökonomen" eine Plattform bekommen, um vom eigentlichen Problem abzulenken. Horn ist damals zusammen mit seinem Kollegen Flassbeck hochkant beim DIW hinausgeflogen. Vollkommen zurecht. Das echte Problem liegt in überzogenen Lohnforderungen und Streiks, wie von VERDI angekündigt. Mehr als 3% Lohnerhöhung würgen das Wachstum ab, was alle Gutachten des Sachverständigenrates seit 50 Jahren belegen. Am besten erstreikt man sich höhere Löhne, wenn auch noch der Euro stark wird, was allein schon das Realeinkommen erhöht. Hält man sich nicht an den Verteilungsspielraum entsteht die lohnsatzbedingte- Gewerkschafts-Arbeitslosigkeitt, die Deutschland vor Harzt IV einst an den Abgrund getrieben hatte, über eine permanent steigende Sockelarbeitslosigkeit.
    Der Handelskonflikt ist eher marginal, die Lohnkosteninflation aber essentiell. Ideologen wie Horn müssen das natürlich abstreiten.

  • Zum Thema "Unsicherheit" hier noch die letzten beiden Absätze aus dem heutigen HB-Artikel (auf S. 6/7) über den Streit um die Digitalsteuer, Titel: „Transatlantischer Stressfaktor“:

    "„Die Frage ist ohnehin, ob der EU-Vorschlag nicht inzwischen überholt ist. Trumps Steuerreform macht Steuertricksereien auch für Apple und Co. schwieriger. Zudem mussten die Konzerne rückwirkend bis 1986 eine Mindeststeuer an den US-Fiskus zurückzahlen, allein für Apple waren das 38 Milliarden Dollar. „Die EU würde mit einer Digitalsteuer eine Krankheit kruieren, die es gar nicht mehr gibt“, sagt Steuerexperte Geberth. Doch erst einmal steht die Steuer als Drohung weiter im Raum. Die EU-Finanzminister werden sich in zwei Wochen bei ihrer informellen Tagung in Sofia damit beschäftigen.“

    Entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer jeden politischen Maßnahme (bzw. deren Wirksamkeit oder - andernfalls - Schädlichkeit) ist nicht nur ein sorgfältiges Abwägen aller möglichen "Risiken und Nebenwirkungen".

    Und zwar VORAB, auch wenn das derzeit nicht nur aufgrund der heute noch lückenhaften Datengrundlagen, sondern insbesondere auch wegen des Kompetenzwirrwars unter den Parteien und Politikern sowie deren divergierender Einschätzungen ein und desselben Sachverhalts etwas schwierig sein dürfte (um es mal vorsichtig auszudrücken).

    Sondern nicht zuletzt das richtige „Timing“. Da sieht’s leider nicht nur in der EU-Politik ziemlich mau aus.

    *(zu diesem Thema siehe auch: handelsblatt.com/my/politik/international/irischer-finanzminister-paschal-donohoe-eu-sollte-keine-steuerprojekte-angehen-die-die-beziehungen-zu-den-usa-weiter-belasten/21172436.html, handelsblatt.com/my/politik/international/streit-um-digitalsteuer-trump-bekaempft-sonderabgabe-fuer-digitalkonzerne-schadet-die-eu-sich-selbst/21172444.html und handelsblatt.com/my/politik/deutschland/eu-plaene-bundeslaender-befuerchten-einnahmeausfaelle-durch-digitalsteuer/21146188.html – letzterer Artikel ist übrigens schon vom 05.04.2018)

  • KONJUNKTUR
    Unsicherheit durch Trump – Gefahr einer Rezession in Deutschland steigt
    Die deutsche Wirtschaft boomt – doch wie lange noch? Ein Konjunkturindikator zeigt, dass die Unsicherheit steigt – vor allem wegen Trumps Handelspolitik.

    .........................................

    DEUTSCHLAND LEHNT SICH AUGENBLICKLICH ZU SEHR ZURÜCK UND GENIESST ZU LANGE SEINE EXPORT-ERFOLGE !!!

    Doch die zeit bleibt nicht stehen und bald werden auch andere mit NEUE PRODUKTE an die Märkte heran gehen.

    HOFFENTLICH FRAGT SICH NICHT SCHON BALD DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT :

    " Wir sind nicht mehr oben auf, wie konnte das Geschehen , was haben wir übersehen ? "

    DIE ANTWORT :

    " ZU BEQUEM GEWESEN UND ZU VIEL AUS CHINA IMPORTIERT ! "

  • nachdem man die Zinsen schon auf Null gesetzt hat und es auch keinerlei Anleihen mehr zu kaufen gibt, muss jetzt eben Trump als Ausrede herhalten. wer das nicht durchschaut, will es nicht sehen ...


  • https://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/vw-umbruch-im-news-ticker-volkswagen-laut-ex-chef-mueller-bereit-fuer-wandel-wenig-wird-bleiben-wie-es-war_id_8760984.html

    +++ VW-Umbruch im News-Ticker +++
    Spitzel-Affäre bei VW: Autokonzern ließ unliebsamen Zulieferer ausspionieren
    …....................
    Wie war das nochmal ? - WIRTSCHAFTSSPIONAGE IST STRAFBAR ?

    Wie war das nochmal ? -WER DEN AUFTRAG AN DEM TÄTER ERTEILT WIRD HÄRTER BESTRAFT ALS DER TÄTER SELBST ?

    WO SIND JETZT DEUTSCHE RICHTER, DEUTSCHE GESETZE UND WANN BEKOMMT VW DAFÜR „ IM NAMEN DES VOLKES „ SEINE BESTRAFFUNG ?

    Oder gelten da die deutsche Gesetze nicht weil der deutscher Staat selbst 20 % DER AKTIEN und somit der SCHULD hat ?????

    ( MIT ) EIGENTUM VERPFLICHTET ( AUCH ) !!!
    MIT GEGANGEN, MIT GEFANGEN !!!

  • Genau so isses, Frau Kah. Prognosen sind immer sehr unsicher, wenn sie sich auf die
    Zukunft beziehen. Aber diese hochbezahlten Leute muessen ja irgendwas publizieren.

  • Es ist oft und bis zum Überdruß gesagt worden, dass Wankelmütigkeit eine der hervorstechendsten Eigenschaften des amerikanischen Präsidenten ist. Darum lassen sich seine Entscheidungen zu den Themen "Protektionismus" und "Handelskrieg" beim besten Willen nicht voraussagen. Auch nicht von den Forschern des IMK. Sie sollten aufhören, über Rezessionswahrscheinlichkeiten zu schwadronieren.

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