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Konjunktur: ZEW gibt „winziges Erholungszeichen“

Die Zuversicht unter Finanzexperten über die Konjunkturentwicklung wächst. Nach einer Befragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung haben sich die Konjunkturerwartungen im Januar abermals erholt. Sie seien um 14,2 Punkte gestiegen und lägen nun bei minus 31 Punkten, erklärte das Institut in Mannheim.

Auch das zweite Konjunkturpaket der Regierung dürfte positiv auf die Aussichten gewirkt haben. Foto. dpa Quelle: dpa
Auch das zweite Konjunkturpaket der Regierung dürfte positiv auf die Aussichten gewirkt haben. Foto. dpa Quelle: dpa

HB BERLIN. Die Konjunkturerwartungen der Börsenexperten für Deutschland haben sich im Januar überraschend deutlich aufgehellt. Das ZEW-Barometer verbesserte sich um 14,2 Punkte auf minus 31,0 Punkten von minus 45,2 Zählern im Vormonat, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten im Schnitt mit minus 44 Punkten gerechnet. „Die Finanzanalysten teilen den Optimismus neuerer Konjunkturprognosen, dass sich ab Mitte dieses Jahres die Konjunkturperspektiven wieder aufzuhellen beginnen“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

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Trotz der Aufhellung liegen die Konjunkturerwartungen weiterhin unter ihrem historischen Mittelwert von 26,5 Punkten. Die Bewertung der aktuellen Lage trübte sich unterdessen erneut ein. Sie sank im Januar um 12,6 Punkte auf minus 77,1 Punkte. Volkswirte hatten eine moderatere Eintrübung auf lediglich minus 73,0 Punkte erwartet.

Die deutliche Verbesserung der Konjunkturerwartungen ist laut ZEW zum einen auf das zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung zurückzuführen, zum anderen aber auch auf die Zinssenkungspolitik der EZB. Die Notenbank hat den Leitzins seit Herbst 2008 im Zuge der Finanzkrise um insgesamt 2,25 Punkte auf aktuell 2,0 Prozent nach unten geschraubt.

Die Entwicklung in der Eurozone stellte sich im Januar ähnlich wie in Deutschland dar. Während die Konjunkturerwartungen um 15,3 Punkte auf minus 30,8 Punkte zulegten, sank der Indikator für die aktuelle Lage um 13,5 Punkte auf minus 84,7 Punkte. An der Umfrage des ZEW haben sich im Januar 312 Analysten und institutionelle Anleger beteiligt. Sie wurden nach ihren mittelfristigen Erwartungen über die Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung befragt. Die Umfrage fand vom 5. bis 19. Januar statt.

Die deutschen Anleihen bauten nach der Veröffentlichung der ZEW-Daten zur Konjunkturlage und Erwartungen in der Eurozone ihre Verluste aus und fielen auf ein Tagestief. Der richtungweisende Euro-Bund-Future fiel nach der überraschend aufgehellten Lagebeurteilung und den ebenfalls unerwartet aufgehellten Konjunkturerwartungen auf 124,83 Punkte. Vor den Zahlen hatte der Future noch bei rund 125 Punkten notiert.

Mit Skepsis reagierten Volkswirte auf die ZEW-Einschätzungen. Sebastian Wanke von der DekaBank sprach von einem „winzigen Erholungszeichen", weil es der dritte Anstieg der ZEW-Konjunktur-Erwartungen in Folge war. "Es ist aber mit etwas Vorsicht zu genießen, weil die Lage momentan einfach katastrophal ist", sagte der Finanzexperte. Ausgehend von einer solchen Situation sei es das Wahrscheinlichste, dass es in einem halben Jahr etwas besser aussehen werde, weil Geld- und Fiskalpolitik extrem expansiv sind.

Zurückhaltend äußerte sich der Unicredit-Experte Andreas Rees. Die ZEW-Einschätzung für die zweite Jahreshälfte beruhe auf dem "Prinzip Hoffnung", sagte er. "Keiner weiß, ob dann das Stimulierungspaket auch tatsächlich nach der Sommerpause greift", so Rees. Er rechne damit, dass die Rezession erst einmal in den nächsten Monaten weitergehen werde. "Wir erwarten, dass die harten Zahlen noch einmal kräftig nachgeben werden." Von einem Aufwärtsgehen 2009 würde er daher erst einmal nicht sprechen wollen.

Auch Gerd Hassel von der BHF-Bank sprach von einerm „Hoffnungswert" des ZEW. Noch sei der Indikator klar im negativen Bereich. Das ändere bisher "absolut nichts" an der Rezession 2009. Die aktuelle Lage-Beurteilung habe sich ja überdies nochmal verschlechtert. "Das niedrige Niveau könnte in den kommenden Monaten sogar noch weiter nach unten gehen", sagte Hassel weiter.

Für 2009 erwarten Ökonomen die schärfste Rezession in Deutschland seit Bestehen der Bundesrepublik. Wirtschaftsminister Michael Glos bekräftigte die Prognose der Bundesregierung, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 2,0 bis 2,5 Prozent schrumpfen wird.

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