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Konjunkturausblick: China: Zurück in die Zukunft

China setzt in der Krise auf die alte Staatslenkung - Staatsbanken geben im Auftrag der Regierung Kredite an Staatsbetriebe, die wiederum große staatliche Projekte vorantreiben. Die neue, alte Politik droht den Keim der Marktwirtschaft zu ersticken und auch der Umweltschutz könnte auf der Strecke bleiben.

von Andreas Hoffbauer
In der Krise setzt China auf massive staatliche Investitionen und Großprojekte. Kaum ein Volkswirt geht von einem Wirtschaftswachstum unter sieben Prozent aus. Quelle: ap
In der Krise setzt China auf massive staatliche Investitionen und Großprojekte. Kaum ein Volkswirt geht von einem Wirtschaftswachstum unter sieben Prozent aus. Quelle: ap

PEKING. "Darf?s ein bisschen mehr sein?" Die Frage aus der Schlachterei passt momentan eher zu den jüngsten China-Prognosen der Großbanken. Goldman Sachs, UBS, Morgan Stanley, Royal Bank of Scotland, Barclays Capital - reihenweise haben die Experten jüngst ihre Vorhersagen für Chinas Wachstum angehoben. Besonders optimistisch sind die "Goldmänner" - sie erhöhten die Prognose für 2009 von sechs auf 8,3 Prozent. Im nächsten Jahr erwartet die Bank mit 10,9 Prozent sogar wieder einen zweistelligen Zuwachs. Fast wie in alten Zeiten.

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Sind die dramatischen Einbrüche bei Chinas Exporten also wieder vergessen? Immerhin haben laut offiziellen Angaben dadurch bereits 30 Millionen Wanderarbeiter ihre Jobs verloren. Konnten Hilfsprogramme und Verkaufsgutscheine der Regierung die in die Volksrepublik schwappende globale Krise so schnell austrocknen? Folgt man den Volkswirten, dann scheint dies der Fall zu sein. Kaum ein Institut geht von einem Wirtschaftswachstum für dieses Jahr in China unter sieben Prozent aus. Viele halten zudem das vor der Krise von Peking ausgegebene Ziel von acht Prozent für realistisch. Der befürchtete Zuwachs an "faulen" Krediten durch die Kreditschwemme oder eine drohende Inflation werden diskutiert, gelten aber nicht als echtes Problem.

Selbst ausländische Konzerne kommen derzeit ins Schwärmen. Pekings Ausgaben für neue Infrastruktur seien wesentlich größer und effektiver als in den Vereinigten Staaten, lobte Finanzvorstand Dave Burritt vom Baggerbauer Caterpillar beim Blick nach China: "Wir sehen die Trendwende." Und auch deutsche Autobauer konnten im März Rekordverkäufe im Reich der Mitte melden. Dank steuerlicher Förderung gingen Kleinwagen weg wie warme Semmeln.

Das fördert nicht nur den eigenen Standort, sondern auch das Image der Pekinger Führung in aller Welt. Denn die Regierung ist der Krise erstaunlich schnell, flexibel und entschlossen entgegengetreten. Die alten Parteistrukturen arbeiten sonst eher langsam und schwerfällig. Doch diesmal wurde schnell in die Hände gespuckt. Schon nach kurzer Zeit starteten Großprojekte, die lange in der Schwebe waren. Und auf "Wunsch" Pekings vergaben die Banken in den vergangenen Monaten so viele Kredite wie nie zuvor.

China habe genug Ressourcen, um in den nächsten Jahren das Wachstum hoch zu halten, sind Analysten optimistisch. Doch genau das birgt auch Gefahren. Denn der Rettungspakt funktioniert so: Die Staatsbanken geben im Auftrag der Regierung Kredite an Staatsbetriebe, die an großen staatlichen Projekten beteiligt sind. Dabei gelten weniger marktwirtschaftliche Überlegungen als vielmehr politische Vorgaben.

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