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Konjunkturausblick: Die Deflationsangst geht um

Die Alarmzeichen sind unübersehbar: Nachdem die Verbraucherpreise in den USA im März auf Jahressicht erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten gesunken sind, warnt nun auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, vor der Gefahr einer Deflation. Was in den USA bereits Realität geworden ist, dürfte Deutschland demnächst einholen.

Der Preisverfall, der aus Kundensicht zunächst attraktiv wirkt, zählt zu den größten volkswirtschaftlichen Risiken. Quelle: dpa
Der Preisverfall, der aus Kundensicht zunächst attraktiv wirkt, zählt zu den größten volkswirtschaftlichen Risiken. Quelle: dpa

FRANKFURT. "Wir haben heute das Problem der Deflation. Und die Konsequenzen der Deflation können fürchterlich für das Wachstum sein", sagte er dem Handelsblatt.

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Was in den USA bereits Realität geworden ist, dürfte Deutschland demnächst einholen: Auch hier werden die Verbraucherpreise voraussichtlich sinken. Die Großhandelspreise jedenfalls, die sich zumeist verzögert auf das Niveau der Verbraucherpreise auswirken, lagen im März bereits um acht Prozent unter dem Vorjahresmonat und fielen damit so stark wie seit 1987 nicht.

Dieser Preisverfall, der aus Kundensicht zunächst attraktiv wirkt, zählt zu den größten volkswirtschaftlichen Risiken. Unter Deflation verstehen Ökonomen einen anhaltenden Sturz des Preisniveaus, der zu einem Ausfall der Nachfrage führt: Denn die Verbraucher erwarten, dass Waren noch günstiger werden - und schieben geplante Käufe deshalb auf. Der Wert von Schulden steigt, Firmen nehmen kaum Kredite auf und investieren nicht mehr. Im schlimmsten Fall dämpft das die wirtschaftliche Aktivität derart, dass aus der Rezession eine Depression wird.

In der Europäischen Zentralbank (EZB) herrscht Uneinigkeit, ob dieses Szenario tatsächlich bevorsteht. Nach ihrer Inflationsprognose vom März erwartet die EZB im Jahresdurchschnitt 2009 eine Teuerung von 0,4 Prozent. Das schließe aber nicht aus, das möglicherweise zur Jahresmitte vorübergehend negative Werte erreicht werden, schreibt die Zentralbank. So unscharf diese Aussage ist, so zerstritten ist der EZB-Rat in der Frage nach den bevorzugten Mitteln zur Bekämpfung der Krise: "Ich fürchte, der Rat wird durch seine internen Querelen nach unten gezogen", sagte Ken Wattret, Spezialist für den Euro-Raum bei BNP Paribas in London. Da bahne sich ein Kampf zwischen den Aktivisten und den eher Konservativen an.

Die Trennlinie in dem 22-köpfigen Gremium verläuft zwischen den dienstälteren Ratsmitgliedern und den Neuzugängen. Bundesbankpräsident Axel Weber hat als langjähriges Mitglied wiederholt erklärt, er sehe nicht die Gefahr einer Deflationsspirale. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich der Gouverneur der griechischen Zentralbank, George Provopoulos, und der Präsident der Zentralbank von Zypern, Athanasios Orphanides. Beide gehören dem Rat erst seit 2008 an. Beide wollen die Tür für weitere Zinssenkungen und den Ankauf von Vermögenstiteln am Markt offen halten, um dem Deflationsrisiko begegnen zu können.

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