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Konjunkturbarometer stürzt ab: Warum der Baltic Dry Index diesmal lügt

Der Transportkostenindex Baltic Dry gilt als aussagekräftiges Signal für die Entwicklung der Weltwirtschaft. In den vergangenen Wochen ist er um 60 Prozent eingebrochen. Experten warnen jedoch vor Panik.

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Ein Containerschiff im Hafen von Wismar. Quelle: AP
Ein Containerschiff im Hafen von Wismar. Quelle: AP

DüsseldorfIn Finanzkreisen sorgt seit einigen Wochen ein Index für großes Aufsehen, der eigentlich als Vorbote für die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft gilt. Der Baltic Dry Index gibt die Verschiffungskosten für Rohstoffe - in erster Linie für Eisenerz und Kohle - wieder. Da beide Rohstoffe der Grundstoff für sämtliche Stahlprodukte sind, vom Auto bis zur Maschine, gilt der Index als guter Frühindikator für die Weltwirtschaft.

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Nun ist der Baltic Dry Index (BDI) in den vergangenen Wochen dramatisch eingebrochen: Seit Mitte Dezember hat er über 60 Prozent seines Wertes verloren. Noch Mitte Dezember lag er bei fast 2000 Punkten - jetzt steht er bei 662 Punkten. Damit liegt er unter dem Tiefstand 2009 von 670 Punkten auf dem niedrigsten Stand in diesem Jahrzehnt.

Während sich das Angebot an Schiffsraum auf kurze Sicht kaum ändert, schlagen Schwankungen der Nachfrage sofort auf den Preis durch. In der Finanzkrise brach der Index zum Beispiel von über 11000 Punkten im Mai 2008 auf 670 Punkte im Dezember ein. Einige Beobachter sehen die derzeitige Entwicklung nun mit großer Sorge. Auf Blogs und über den Kurznachrichtendienst Twitter warnen sie vor einem Absturz der Weltwirtschaft.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten "gut" und "schlecht".

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Experten sehen die Entwicklung allerdings gelassener. Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seewirtschaft und Logistik (ISL) führt die kurzfristigen Schwankungen vor allem auf das Verhalten chinesischer Produzenten zurück. „Bis Dezember hat es einen Sondereffekt gegeben,  weil die Chinesen vor allem ihre Eisenerz-Lager aufgefüllt haben,“ sagt er. „Dieses antizyklische Verhalten hat dazu geführt, dass die Preise für Frachtraten bis Dezember 2011 überraschend gestiegen sind. Seit Januar ist dieser Zwischenboom zu Ende,“ sagt er.

Der Effekt ist vor allem bei großen so genannten Capesize-Schiffen zu spüren - mit einem Ladevolumen von über 80.000 Tonnen. Gerade in diesem Segment hat sich der Baltic Dry Index im Jahresverlauf 2011 überraschend positiv entwickelt. Die schlechtere Stimmung durch die Verschärfung der Euro-Krise machte sich hingegen bis Dezember nicht bemerkbar.

Für Lemper kommt der abrupte Absturz des Index nicht überraschend. „Es war absehbar, dass der Baltic Dry Index fallen würde. Die Angebotsseite macht im Moment den Markt kaputt. Durch den starken Zubau von Tonnage gibt es massive Überkapazitäten im Markt,“ sagt er. Neue Schiffe lassen sich nicht in wenigen Monaten bauen. Oft liegen zwischen dem Auftrag und der Auslieferung eines Schiffs Jahre. Wenn eine Reederei wegen voller Auftragsbücher ein neues Schiff bestellt, kann die Wirtschaftslage zum Zeitpunkt der Auslieferung schon wieder ganz anders aussehen - und dies bringt dann den Markt durcheinander. Allein 2012 sollen 20 Prozent zusätzliche Schiffraumkapazitäten hinzu kommen. Demgegenüber steht ein geschätztes Wachstum der Nachfrage nach Frachtraum von drei bis fünf Prozent.

Damit stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Aussagekraft des Baltic Dry Index als Frühindikator für die Weltwirtschaft. Lemper sieht dies im Moment kritisch: „Der Baltic Dry Index funktioniert als Frühindikator für die Weltkonjunktur nur dann, wenn sich der Markt einigermaßen im Gleichgewicht befindet. Im Moment ist das nicht der Fall.“ Auch Eric Heymann von der Deutschen Bank Research kommt zu einem ähnlichen Fazit.„Auf kurze Sicht ist der Baltic Dry Index viel zu volatil um daraus Aussagen über die Weltkonjunktur abzuleiten. Auf lange Sicht folgt er aber ungefähr dem Trend,“ sagt der Analyst.

19 Kommentare

  • 06.02.2012, 15:18 UhrAnonymer Benutzer: zematt

    Jetzt mal völlig unabhängig von jeglicher Spekulation und reich werden.

    Der Index sagt uns unzweifelhaft, daß die Nachfrage von den Experten überschätzt wurde.

    Das wird ja gerne als Missmanagement an den Pranger gestellt.

    Das Problem der Wirtschaftskrise ist aber, daß man jegliche Bedenken niedermetzelt und am Ende keine Verantwortung übernehmen kann.

    Weniger Schuldenfinanzierung bedeutet weniger oder negatives Wirtschaftswachstum.
    Alles Lüge oder was?

  • 02.02.2012, 10:38 UhrKeepCool

    Gratulation. Um Sie mache ich mir keine Sorgen.

  • 02.02.2012, 06:04 UhrAnonymer Benutzer: bolle

    Wieso? Denke ich nicht:

    2006: + 21,3%
    2007: + 31,6%
    2008: + 28,1%
    2009: + 17,2%
    2010: + 42,3%
    2011: + 6,7%
    2012: + 9,9%

    Sieht also nicht danach aus ...

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