Konjunkturprognose der EU-Kommission: Goldene Zeiten für die Euro-Zone

Konjunkturprognose der EU-Kommission
Goldene Zeiten für die Euro-Zone

Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone gewinnt der EU-Kommission zufolge an Fahrt. Dadurch sollen auch die Arbeitslosenzahlen sowie die Schulden sinken. Nur bei der Entwicklung Griechenlands ist man sich nicht sicher.
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BrüsselMehr Wachstum, weniger Arbeitslose, geringere Schulden: Die EU-Kommission sagt der Euro-Zone in diesem und im kommenden Jahr eine positive Entwicklung voraus. Sie erhöhte am Donnerstag ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes 2017 von 1,6 auf 1,7 Prozent. Für das kommende Jahr wird weiter 1,8 Prozent erwartet. „Das Wachstum gewinnt an Fahrt“, sagte Kommissions-Vize Valdis Dombrovskis. „Es ist erfreulich, dass die große Unsicherheit, die wir in den letzten zwölf Monaten erlebt haben, langsam zu schwinden scheint“, ergänzte EU-Währungskommissar Pierre Moscovici.

„Die wirtschaftliche Erholung in Europa geht in das fünfte Jahr und hat nun alle EU-Mitgliedsstaaten erreicht“, heißt es weiter in der Einschätzung der Brüsseler Behörde. Dieses und nächstes Jahr werde der Trend konstant bleiben. Es blieben aber Risiken wie die amerikanische Wirtschafts- und Handelspolitik oder die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien.

Für Deutschland erwartet die EU-Kommission dieses Jahr 1,6 Prozent und nächstes Jahr 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum und sieht die Lage damit rosiger als die Bundesregierung. Diese geht von 1,5 Prozent für 2017 und 1,6 Prozent für 2018 aus. Frankreich wird sich laut der Prognose beim Wirtschaftswachstum Deutschland annähern. Laut der Prognose erreicht Frankreich 2017 ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,4 Prozent. Im vorigen Jahr war Deutschland mit 1,9 Prozent noch weit stärker gewachsen als der westliche Nachbar (1,2 Prozent), an dessen Staatsspitze künftig der links-liberale Emmanuel Macron stehen wird.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat diesen zu einer Sanierung des Haushalts aufgefordert. Das Land, das unter hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Strukturproblemen leidet, reißt seit Jahren die EU-Latte beim Haushaltsdefizit. Laut Prognose der Kommission wird dieses Jahr die vorgegebene Obergrenze zwar mit 3,0 Prozent gerade so eingehalten, doch 2018 wird das Budget-Defizit demnach mit 3,2 Prozent wieder deutlich darüber liegen. Deutschland dürfte sich hingegen in dieser Hinsicht wieder als Musterknabe erweisen und einen Überschuss ausweisen. Die Kommission erwartet für 2017 ein Plus von 0,5 Prozent und für 2018 von 0,3 Prozent.

In Griechenland hängt die Erholung der griechischen Wirtschaft der EU-Kommission zufolge vom Ende des Reformstreits zwischen der Athener Regierung und den Euro-Geldgebern ab. Unter der Annahme, dass die zweite Programmüberprüfung im ersten Halbjahr abgeschlossen werden könne, werde sich das Geschäftsklima verbessern und Investoren würden zurückkehren, erklärte die Brüsseler Behörde. Sie revidierte ihre Wachstumsprognose für 2017 wie erwartet auf 2,1 von zuvor 2,7 Prozent nach unten und begründete dies mit der schlechten Entwicklung der griechischen Wirtschaft im Schlussquartal 2016 sowie der Unsicherheit rund um das Reformpaket. Bei der Arbeitslosenrate sieht die EU-Kommission leichte Verbesserungen von 22,8 auf 21,6 Prozent 2018. Auch die Schuldenquote dürfte zurückgehen: Von 179 Prozent 2016 auf 174,6 Prozent im kommenden Jahr.

Im Sommer 2018 endet das dritte, bis zu 86 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm der Euro-Geldgeber für Griechenland. Dann wollen die Euro-Staaten entscheiden, ob sie dem Land weitere Schuldenerleichterungen gewähren. Der Internationale Währungsfonds (IWF), dessen Beteiligung an dem Programm für die Bundesregierung unabdingbar ist, macht seine finanzielle Teilnahme von der Tragfähigkeit der griechischen Schulden abhängig. Die Euro-Finanzminister beraten am 22. Mai darüber, ob die aktuelle Reformüberprüfung abgeschlossen werden kann und Griechenland damit weitere Mittel aus dem Hilfspaket erhält.

Für die gesamte Euro-Zone sagt die EU-Kommission stärkere Exporte als im vergangenen Jahr voraus. Auch der private Konsum dürfte ungeachtet der höheren Inflation zunehmen, wenn auch nicht mehr so stark wie zuvor. „Die Investitionstätigkeit wird zwar weiterhin durch die geringen Wachstumsaussichten und den notwendigen Schuldenabbau in einigen Sektoren gebremst, dürfte sich aber dennoch recht beständig ausweiten.“

Der Aufschwung soll die Arbeitslosigkeit drücken. In diesem Jahr wird eine Erwerbslosenquote von 9,4 Prozent erwartet, im kommenden Jahr dann von 8,9 Prozent – das wäre der niedrigste Wert seit Anfang 2009. In vielen Ländern bleibe die Arbeitslosigkeit aber trotz des positiven Trends „viel zu hoch“.

Auch die Staatsfinanzen dürften sich der Frühjahrsprognose zufolge verbessern. Die Neuverschuldung soll in diesem Jahr auf 1,4 und im kommenden Jahr auf 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken. 2016 waren es noch 1,5 Prozent. „Aufgrund niedrigerer Zinszahlungen und einer moderaten Lohnentwicklung im öffentlichen Sektor dürften die Haushaltsdefizite weiter zurückgehen“, so die Kommission. Der Schuldenstand in der Euro-Zone soll bis zum kommenden Jahr auf 89 Prozent des Bruttoinlandsproduktes sinken, nachdem es 2016 noch 91,3 Prozent waren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konjunkturprognose der EU-Kommission: Goldene Zeiten für die Euro-Zone"

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  • Diese Meldung ist bis zur Wahl richtig, dann aber wird sich das Bild wieder verdunkeln. Bei jeder Wahl diese Meldung, wie gut, daß es so viele demente Leute gibt.

  • Nach die Regierungsbildungen in die Niederlanden, Frankreich und Deutschland wird man bis Ende dieses Jahr sehen wie es in die EU weitergeht.
    Wenn Angela Merkel wieder Kanzlerin wird (... was nun ziemlich wahrscheinlich ist), wenn Herr Macron eine Mehrheit im Parlament bekommen hat (... was schwierig, aber nicht unmöglich ist) und wenn die breite Koalition in die Niederlanden ihre Regierungsbildung abgeschlossen hat (... was kaum zu bezweifeln ist), dann steht die Kern der EU-Länder wieder stabil.

  • "Goldene Zeiten für die Euro-Zone"

    Das hört sich in etwa genauso an wie die DDR, als sie schon fast Geschichte war:

    Das heißt:

    Es gibt Hoffnung für Europa, daß die EU verschwindet

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