Konjunktursorgen
BIZ-Chef warnt vor Negativspirale

Mehrfach hat in diesem Jahr bereits China die Märkte geschockt. Doch es könnte noch schlimmer werden. Der Direktor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich warnt vor ausufernder Verschuldung in Schwellenländern.

ZürichSeit Jahren tritt sie als Mahner auf: Während die Notenbanken bis vor kurzem die Geldschleusen immer nur weiter öffneten, hörte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nicht auf, vor dem Folgen einer ausufernden Verschuldung zu warnen. In einer Rede sieht sich BIZ-Chef Jaime Caruana durch die jüngsten Turbulenzen bestätigt.

Denn der BIZ-Direktor sieht erste Anzeichen dafür, dass der Kredit-Zyklus in den Schwellenländern seinen Höhepunkt nun überschritten hat. Laut den Daten der BIZ summierten sich die Dollar-Schulden von Nicht-Banken in Schwellenländern wie Brasilien oder China im dritten Quartal 2015 auf 3,3 Billionen Dollar – das Volumen ist seit Ende Juni unverändert. „Das ist das erste Mal seit 2009, das dieser Wert nicht weiter anwächst“, erklärte Caruana in einer Rede vor der London School of Economics. Die grenzüberschreitende Kreditvergabe in Dollar an die fünf größten Ökonomien von Schwellenländern war im dritten Quartal sogar bereits rückläufig; und zwar um 38 Milliarden Dollar und erreichte 824 Milliarden Dollar.

Im Klartext: Der Kreditboom ist zu Ende, nun droht eine Negativ-Spirale. Denn in Erwartung steigender Zinsen in den USA hat der Dollar zuletzt gegenüber den meisten Währung aufgewertet. Das ist ein Riesenproblem für Unternehmen aus Schwellenländern, die das Niedrigzins-Niveau im Dollarraum weidlich genutzt haben, um sich billig mit Krediten einzudecken. Schließlich wächst durch den steigenden Dollar der Wert der Schulden gerechnet in der Heimatrechnung.

Entsprechend bauen die Unternehmen Schulden ab, kürzen Investitionen und verkaufen Vermögenswerte – alles Faktoren, die auf dem Wachstum lasten. Das geringere Wachstum, etwa in China, bremst die Nachfrage nach Rohstoffen und drückt den Wert der Schwellenländer-Währungen weiter. „Dieser Rückkoppelungs-Effekt zwischen Schuldenabbau und der Abwertung der Währungen von Schwellenländern stellt eine Herausforderung dar und sollte nicht unterschätzt werden“, warnt Caruana.

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„Gelpolitik wurde schon zu lange überlastet“

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