HB WASHINGTON/BERLIN. Der IWF hat China gute Noten für seine Krisenbekämpfung gegeben und sieht das Land weiter als eine zentrale Wachstumslokomotive der Welt. "Der Aufschwung hat sich durchgesetzt und das Wachstum sollte in diesem Jahr wieder zweistellig ausfallen", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Länderbericht des IWF. In diesem Jahr erwarten die IWF-Experten in China ein Wachstum von 10,5 Prozent nach 9,1 Prozent im vergangenen Jahr.
Im nächsten Jahr werde der Zuwachs moderat auf 9,6 Prozent zurückfallen. "Die politische Antwort der Regierung auf die globale Finanzkrise war vorausschauend, schnell und entschieden", urteilte der IWF. Die finanzpolitischen Impulse und die expansive Geldpolitik hätten dazu geführt, das China den weltweiten Aufschwung anführte.
Das größte Risiko für Chinas Wachstumsentwicklung ist dem IWF zufolge die Möglichkeit einer erneute Abschwächung der Weltwirtschaft. Auch zunehmende Probleme aus Kreditvergaben, insbesondere auf der Ebene lokaler Administrationen, könnten einen Gefahrenpunkt für Chinas Wirtschaftsentwicklung bilden. Zudem warnt der IWF vor Fehlern der Regierung in Hinblick auf teils massive Preissteigerungen am chinesischen Immobilienmarkt.
Die Gefahr einer Überhitzung der chinesischen Konjunktur mit massiver Inflation sieht der Fonds derzeit nicht, obwohl die Teuerung aktuell auf rund drei Prozent gestiegen sei. Die Verbraucherpreisentwicklung sollten schon zur Jahresmitte ihren Höhepunkt erreicht haben und in der zweiten Jahreshälfte 2010 wieder abflachen. Für eine gefährliche Blasenbildung auf dem chinesischen Immobilienmarkt auf breiter Ebene sieht der Fonds keine Anzeichen. Allerdings gäben die Preissteigerungen in diesem Bereich in einigen großen Städten Anlass zur Sorge gebe. "Chinas Aufschwung hat erhebliche positive Übersprungeffekte auf die Region und die Weltwirtschaft gehabt", lobte der Fonds.
Zudem hielt der Fonds dem Land zugute, auch in einigen wichtigen Bereichen strukturelle Verbesserungen und damit eine bessere Ausbalancierung mehr zugunsten der Binnennachfrage eingeleitet zu haben. Die chinesische Krisenbekämpfung basierte danach auf einem umfangreichen konjunkturellen Anreizprogramm in Höhe von zwei bis drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts, einer massiven außerordentliche Kreditexpansion und der Orientierung der chinesischen Währung am US-Dollar, die inzwischen gelockert wurde. Mit dieser Politik sei es China gelungen, die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise aus das Land zu begrenzen.
Ungeachtet seines positiven Gesamturteile sieht der Fonds China aktuell vor wichtigen Herausforderungen. Das betreffe etwa den für 2011 gebotene schrittweisen Rückzug aus den expansiven staatlichen Ausgabenprogrammen und die weitere Reduzierung der geldpolitischen Stimuli. Hohe Aufmerksamkeit sei hinsichtlich der Kreditqualitäten geboten, gerade auf der Ebene der lokalen Verwaltungen bedürfe es mehr Transparenz im Finanzbereich. Die größere Flexibilität des Wechselkurses müsse genutzt werden, um eine reale Aufwertung der chinesischen Währung zuzulassen. China müsse einen Finanzbereich weiterentwickeln und mehr Kraft in die Stärkung der Binnenkräfte aufwenden. Im Bereiche der Sozial-, Renten-, Gesundheits- und Bildungspolitik gebe es viel zu tun.