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Kritik an Josef Ackermann: "Das Fukushima des deutschen Finanzmarktes"

Erst hatte der IWF kein gutes Bild von den europäischen Banken gezeichnet, jetzt legen Ökonomen nach. Sie sehen angesichts einer laschen Regulierung der Branche selbst Institute wie die Deutsche Bank anfällig für Krisen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Quelle: Reuters
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Quelle: Reuters

"Eine Krise der Deutschen Bank könnte sich zu einem Fukushima des deutschen Finanzmarktes entwickeln", sagte der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, Handelsblatt Online. Der Grund sei nicht die Größe des Instituts. "Der Grund ist ihre Vernetzung mit dem Investment Banking und den damit verbundenen hohen Risiken." Diese Risiken gehörten nicht in eine Bank, die wesentlich für die Stabilität des Finanzsektors sei und die daher letztlich vom Steuerzahler gestützt werden müsste. "Diese Risiken gehören in den Investment-Bankbereich, der im Notfall ausdrücklich nicht vom Steuerzahler gestützt wird, sondern wo die Haftung ausschließlich privat ist". Die Politik müsse daher den Mut aufbringen, eine solche Regulierung durchzusetzen.

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Horn reagierte damit auf Äußerungen von Ex-IWF-Chefökonom Simon Johnson, der in einem Interview mit der "taz" ungewöhnlich deutlich die Krisenfestigkeit der Deutschen Bank in Zweifel gezogen hatte. „Der deutsche Finanzsektor ist sehr problematisch, und die Deutsche Bank ist besonders gefährdet, sich selbst in die Luft zu jagen", sagte Johnson. „Ihr Chef Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Bankmanager der Welt, weil er darauf besteht, eine Eigenkapitalrendite von 20 bis 25 Prozent zu erzielen." Ein so hoher Gewinn sei nur möglich, weil er genau wisse, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstelle und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht.

Johnson forderte deshalb, die Eigenkapitalrichtlinien des Bankenabkommens Basel III deutlich zu verschärfen. "Wenn das Finanzsystem sicher sein soll, muss das Eigenkapital bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen. Momentan kommt die Deutsche Bank nur auf 4 Prozent", so Johnson. Auch der internationale Währungsfonds (IWF) hatte in seinem am Mittwoch veröffentlichten Globalen Finanzstabilitätsbericht (GFSR) kein sonderlich gutes Bild von den europäischen Banken gezeichnet und gefordert, die Institute sollten generell über mehr und härteres Eigenkapital verfügen. Die Quote sollte möglichst weit über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, so der IWF.

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Der renommierte Krisenökonom Max Otte teilt die Kritik des Ex-IWF-Chefökonoms. "Teils verbreitet Simon Johnson die übliche angelsächsische Miesmacherei gegenüber dem in weiten Teilen überlegenen deutschen Finanzsektor, teils hat er reicht", sagte Otte Handelsblatt Online. In Summe sei der deutsche Finanzsektor, getragen durch ausreichend kapitalisierte Volks- und Raiffeisenbanken wie auch Sparkassen, erheblich stabiler und besser, als alles, was England und die USA aufzubieten hätten. Doch, fügte Otte hinzu: "In Bezug auf die Deutsche Bank hat Johnson allerdings recht, wobei die Deutsche Bank auch nicht toxischer als zum Beispiel Goldman Sachs agiert."

Dagegen nahm der frühere Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, die Deutsche Bank gegen Kritik in Schutz. "Mit Forderungen nach utopischen Eigenkapitalquoten kann man auch das Finanzsystem kaputt reden, auch wenn die Ausweitung der Eigenkapitalanforderungen notwendig ist", sagte Zimmermann Handelsblatt Online. Mindestens genauso wichtig sei aber die Globalisierung der Bankenaufsicht, die Zertifizierung von Risikoprodukten und die regelmäßigen Stresstests der Banken. "Lehman Brothers war im übrigen nur ein Symptom, nicht der Kern der Finanzkrise."

  • 14.04.2011, 18:20 UhrAnonymer Benutzer: Buerger

    Solange die Banken mit Wetten zu Lasten anderer (z.B. Steuerzahler,Länder,.. ) ihre Ergebnisse verbessern wollen ,laufen wir in hohe Risiken. Die sind keine nachhaltig erwirtschaftete Gewinne , sondern Bereicherung auf Kosten anderer ,wenn es klappt , wenn nicht blutet der Steuerzahler.Jeder Bürger wird verklagt, wenn er Schulden durch Wetten macht, warum nicht die Vorstände der Banken ?

  • 14.04.2011, 18:14 UhrAnonymer Benutzer: Kronecker

    Gemach, gemach, Herr Eichner. So weit hergeholt ist das mit Fukushima nun wieder nicht. Ich kann mich noch sehr gut an 2008 erinnern, als zum Beispiel unser Herr Verkehrsminster Ramsauer von der "Kernschmelze des Finanzsystems" metapherte. Warum also nicht einmal andersherum.

  • 14.04.2011, 16:41 Uhrwonderland666

    Lieber Herr Horn,

    Eine Eigenkapitalquote von 45% ist lächerlich. Das würde im Zahlungsverkehr zu seltsame Konstellationen führen, wenn eine Bank die ein oder andere Millionenüberweisung für ihre Kunden nicht mehr annehmen dürfte, weil sie nicht über das EK verfügt. Damit könnte man sogar via Blitzüberweisung dann geziehlt den Zahlungsverkehr sprengen. Eine grosse Überweisung an eine Bank und alle weiteren Kleinen Überweisungen dieser Bank dürfen nicht mehr ausgeführt werden ????
    In ihrer Sprache: Damit würden sie den Grundstein für ein 9/11 für die Banken legen, dass dann - nach ihrere Eigen Aussage - zu einem Fukushima werden würde.

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