
HB BERLIN. Deutsche Arbeitgeber mussten im Krisenjahr 2009 eine deutliche Verteuerung der Lohnkosten hinnehmen. Der Anstieg war etwa doppelt so hoch wie im gesamten Euroraum. Deutschland hat damit erheblich an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Je Stunde mussten Arbeitgeber im Schnitt mit 30,90 Euro 4,1 Prozent mehr zahlen als vor Jahresfrist, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte.
Im gesamten Euro-Gebiet lag der Kostenanstieg dagegen lediglich bei 2,7 Prozent. Deutschland liegt bei den Kosten damit an achter Stelle, deutlich hinter den teuersten Ländern Dänemark und Belgien, aber weit vor den Euro-Sorgenländern Griechenland, Spanien und Portugal. Die Arbeitnehmer in Deutschland profitieren von dem Kostenanstieg jedoch nicht: Sie mussten 2009 erneut Reallohnverluste hinnehmen.
Eine noch stärkere Teuerung mussten die Arbeitgeber im Verarbeitenden Gewerbe hinnehmen: Hier lag der Kostenanstieg je Arbeitsstunde bei 5,1 Prozent auf 35,60 Euro. Nur in Belgien mit 38,50 Euro und Dänemark mit 35,90 Euro liegen die Kosten noch höher. In Griechenland müssen dagegen Arbeitgeber nur 13,80 Euro je Arbeitsstunde in der Industrie zahlen, in Portugal sind es gerade einmal 10,10 Euro. Am billigsten ist Arbeit in Bulgarien, wo im Verarbeitenden Gewerbe 2,40 Euro und in der gesamten Privatwirtschaft 2,90 Euro gezahlt werden. Allerdings ist hier der Kostenanstieg mit 12,2 beziehungsweise 13,4 Prozent besonders groß.
Grund für den Anstieg der Arbeitskosten in Deutschland ist der starke Rückgang der Arbeitszeiten: Viele Unternehmen versuchten, durch den Abbau von Überstunden oder den Einsatz der Kurzarbeit Entlassungen zu vermeiden. In der gesamten EU verbilligte sich Arbeit dagegen um 0,6 Prozent. Dabei spielte nach Angaben der Statistiker eine Rolle, dass in vielen Ländern, die nicht dem Euro-Raum angehören, die Währungen zum Teil massiv abgewertet wurden.
Die Branche mit den höchsten Arbeitskosten in Deutschland war im Jahr 2009 die Energieversorgung (50,30 Euro). Die niedrigsten Arbeitskosten zahlten die Arbeitgeber im Gastgewerbe mit 16,10 Euro.
In den vergangenen Jahren hatte Deutschlands Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit massiv verbessert, das kommt vor allem der Exportwirtschaft zugute. Zuletzt hatte Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde Deutschlands Exportüberschüsse für Ungleichgewichte in der Euro-Zone verantwortlich gemacht und eine Stärkung der Binnenwirtschaft gefordert.
Auch der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht die deutsche Exportstärke in Verbindung mit dem seit Jahren vor sich hindümpelnden Privatkonsum kritisch: „Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Deutschland die Schieflage in der Währungsunion mit verursacht hat.“ Die Deutschen konsumierten in etwa so viel wie vor zehn Jahren, zugleich habe das Land im selben Zeitraum den Export um die Hälfte gesteigert. Dieses Modell sei für die anderen Eurozonen-Staaten kein Vorbild, sondern wirke kontraproduktiv: „Es ist daher absurd, Deutschland als Wachstumslokomotive zu bezeichnen.
Hier werden wieder Äpfel mit birnen verglichen. bulgarien 2,40 Euro / Stunde. bei uns kostet der Quadrameter Miete knapp 11,- Euro kalt, Strom im Jahr 800,- Euro, Medikamente 350 % wie in bulgarien. Man sollte die Relationen beachten, wenn man so etwas schreibt.
Für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind nicht die Löhne, sondern die Lohnstückkosten (die natürlich von den Löhnen maßgeblich mitbestimmt werden). Trotzdem: Aus der Lohnhöhe direkt auf die Wettbewerbsfähigkeit zu schließen, ist falsch.
Vor allem wenn der Effekt auf einen nicht nachhaltigen Einflussfaktor wie die Kurzarbeit (die ja nicht unendlich verlängerbar ist) zurückgeht.
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