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Lehren aus der Schuldenkrise: Der 10-Punkte-Plan zur Rettung des Euros

exklusivDer Schuldenvirus erfasste erst Griechenland, dann folgte Irland. Nun bangt die Euro-Zone auch um Portugal und Spanien. Es ist Zeit für eine Währungsunion 2.0. Das Handelsblatt legt ein Konzept vor, wie die Europäer die Schuldenkrise in den Griff bekommen und den Euro langfristig auf ein solides Fundament stellen können.

Euro-Installation vor der EZB: Die verschuldeten europäischen Staaten brauchen einen Sanierungsplan. Quelle: dpa
Euro-Installation vor der EZB: Die verschuldeten europäischen Staaten brauchen einen Sanierungsplan. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Die Botschaft, die EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gestern an die Finanzmärkte und an die Politiker sandte, war klar: Wir unterstützen die Politik bei der Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise, aber wir nehmen ihr nicht die Arbeit ab. Mit der Fortsetzung der unbegrenzten Liquiditätszufuhr an die europäischen Banken gibt die Zentralbank den Aufsichtsbehörden Zeit, die Probleme der nationalen Bankensysteme zu bewältigen. Und mit dem fortgesetzten Kauf von Staatsanleihen behält sie ein wichtiges Instrument in der Hand, um panikartige Verkäufe zu kontern. Doch sie denkt nicht daran, wie die US-Notenbank in großem Stil Staatsanleihen aufzukaufen.

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Damit liegt der Ball wieder im Spielfeld der Politik. Die Finanzmärkte haben ihr deutlich signalisiert, dass sie mit dem am vergangenen Wochenende vereinbarten Europäischen Stabilisierungsmechanismus als Nachfolger des Rettungsschirms ab 2013 nicht zufrieden sind. Es reicht nicht mehr, mit vielen Milliarden Euro Zeit zu kaufen, ohne eine überzeugende dauerhafte Lösung vorzulegen. Die Minister müssen an den Verhandlungstisch zurück und über eine umfassende Reform der Währungsunion reden.

Die Handelsblatt-Redaktion hat deshalb nach intensiven Debatten einen Zehn-Punkte-Plan zur Bewältigung der Schuldenkrise und zur Reform der Währungsunion entwickelt. In den Plan eingeflossen sind unter anderem Beiträge führender deutscher Ökonomen wie des Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Wolfgang Franz, des Präsidenten des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, des Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower, des Wissenschaftlichen Direktors des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, und des ehemaligen Vorsitzenden des Sachverständigenrats, Bert Rürup. Die Redaktion hat außerdem mit internationalen Ökonomen wie dem US-amerikanischen Europa-Experten Barry Eichengreen, dem Leuvener Wirtschaftsprofessor Paul de Grauwe und den führenden europäischen Chefvolkswirten aus dem EZB-Schattenrat diskutiert.

Der Plan greift bestehende Vorschläge auf, kombiniert sie und ergänzt sie mit neuen Ideen. Das Ziel ist die Rettung der Europäischen Währungsunion. Denn bei einem Auseinanderbrechen der Union gäbe es nur Verlierer - abgesehen von ein paar Spekulanten. Das Ende des Euros könnte eine weltweite Schockwelle wie die Pleite der Lehman-Bank im September 2008 auslösen. Nach den vielen Billionen Euro, die seither in die Wiederbelebung der Weltwirtschaft geflossen sind, wäre es fahrlässig, dieses Risiko einzugehen.

1. Den Euro- Rettungsschirm aufstocken


2. EZB-Anleihekäufe und Liquiditätsversorgung für Banken beibehalten


3. Wachstum, Wachstum, Wachstum


4. Mehr Zeit für die Haushaltssanierung geben


5. Nationale Schuldenregeln und Schuldenkommissionen etablieren


6. Harte Stresstests und Sanierung der Banken


7. Gemeinsame Euro-Anleihen einführen


8. Eine Wirtschafts- regierung für die Euro-Zone einrichten


9. Gründung eines Europäischen Währungsfonds


10. Neuer EU-Vertrag mit Austrittsklausel für die Währungsunion

  • 03.12.2010, 13:09 UhrThomas Melber, Stuttgart

    Es ist doch ganz einfach:

    Punkt 1:
    Deutschland zahlt für alle und für alles.

    Punkte 2 bis 10:
    siehe Punkt 1.

  • 03.12.2010, 13:19 UhrManilensis

    Wenn Sie behaupten, bei einem Auseinanderbrechen gäbe es nur Verlierer, irren Sie. Auf längere Sicht wäre D. ein Gewinner, denn die Unterstützungszahlungen zu den PiiGS und den künftigen Euromitgliedern (von Polen über Ungarn bis nach bulgarien - künftig auch noch die Türkei)entfielen.

    Aus diesem Grunde sollte Punkt 10 ihrer Aufstellung auf den ersten Platz gesetzt werden. Austritt D's. aus der Währungsunion - der Rest interessiert nicht mehr.

  • 03.12.2010, 13:22 UhrOndoron

    Ein solches Europa will ich nicht. ich arbeite für mich und meine Kinder. Und nicht für die Frührentner in GR. Hört sich populistisch an, repräsentiert aber genau dieses Europa: Es ist nicht mehr als ein Selbstbedieunungsladen, in dem vom vermeintlich Stärksten Solidarität mit den ach so armen anderen EU-Mitgliedern verlangt wird. Das ist das Moral Hazard Problem. So ein Europa kann nicht funktionieren auf Dauer. Und gefragt wurden die Deutschen sowieso NiE!

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