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Leitzins: „Zins ist nicht angemessen“

Experten fordern mehrheitlich eine weitere Leitzinssenkung durch die EZB. Die Entscheidung fällt am Donnerstag. Sicher ist, dass die Notenbank Pfandbriefe im Wert von 60 Milliarden Euro aufkaufen wird. Diese Maßnahme soll helfen, einen für die Refinanzierung der Banken wichtigen Finanzmarkt neu zu beleben.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Angemessener Leitzins im Euro-Raum. Quelle: Reuters
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet: Angemessener Leitzins im Euro-Raum. Quelle: Reuters

FRANKFURT. Namhafte europäische Volkswirte teilen mehrheitlich nicht die Einschätzung der Notenbanker, dass der Leitzins im Euro-Raum angemessen sei. Diese Formulierung hatten in den letzten Wochen mehrere Vertreter des geldpolitischen Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) gebraucht, darunter EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und Bundesbankpräsident Axel Weber. Damit signalisierten sie, dass von der nächsten Ratssitzung am Donnerstag keine weitere Zinssenkung zu erwarten ist. Seit Oktober hat die EZB ihren Leitzins von 4,25 auf derzeit noch ein Prozent gesenkt.

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Zwei Drittel der Mitglieder des EZB-Schattenrats halten diesen Leitzins in Anbetracht der extrem schlechten Wirtschaftsentwicklung und der sehr geringen Inflation für zu hoch. Dem Schattenrat, der 2002 auf Initiative des Handelsblatts gegründet wurde, gehören 15 internationale Fachleute aus Finanzinstituten, Hochschulen und Forschungsinstituten an. Wie das europäische Statistikamt am Freitag bekanntgab, sank die Inflationsrate im Mai auf null Prozent. Die EZB strebt an, die Inflationsrate mittelfristig "unter aber nahe bei" zwei Prozent zu halten. Die Mitglieder des EZB-Schattenrats erwarten demgegenüber nur eine Rate von 0,3 Prozent für dieses und 1,2 Prozent für das nächste Jahr. Eine Rückkehr zu Raten nahe zwei Prozent bis Ende des kommenden Jahres sieht keiner der Prognostiker. Einige warnen dagegen vor der Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Deflation mit nachhaltig rückläufigen Preisen abrutschen könnte.

Die Wirtschaftsleistung wird der durchschnittlichen Prognose zufolge in diesem Jahr um mehr als vier Prozent schrumpfen und auch im kommenden Jahr nur schwaches Wachstum aufweisen.

"Für eine derart schwere Rezession ist ein Leitzins von einem Prozent nicht angemessen", sagte Jacques Cailloux, Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland.

Für die Sitzung am Donnerstag hat EZB-Präsident Trichet Details zu den Plänen der Notenbank angekündigt, Pfandbriefe im Volumen von rund 60 Mrd. Euro aufzukaufen. Dazu hatte der EZB-Rat Anfang Mai einen Grundsatzbeschluss gefasst. Die große Mehrheit der Experten im EZB-Schattenrat begrüßte diesen Schritt, der Trichet zufolge dazu dienen soll, einen für die Refinanzierung der Banken wichtigen Finanzmarkt neu zu beleben. Allein schon die Ankündigung hat die Marktbedingungen deutlich verbessert, waren sich die Schattenräte einig.

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