Markit-Umfrage
Firmen in Euro-Zone blenden Risiken aus und schaffen Jobs

Die Geschäfte im Euro-Raum ziehen einer Markit-Studie zufolge an. Deshalb stellen viele Unternehmen neues Personal ein – besonders die Industrie kann ihr Wachstum beschleunigen. Die Service-Branche stagniert hingegen.
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BerlinBeflügelt von anziehenden Geschäften stocken die Unternehmen im Euro-Raum ihr Personal derzeit kräftig auf. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Markit-Umfrage unter rund 4000 Firmen für Januar hervor. „Der Stellenaufbau fiel dank der optimistischeren Geschäftsaussichten binnen Jahresfrist so kräftig aus wie seit neun Jahren nicht mehr“, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. „Die Erwartungen der Unternehmen sind momentan so positiv wie zuletzt vor viereinhalb Jahren, was verdeutlicht, dass die Firmen die politischen Risiken weitgehend ausblenden.“ Sie konzentrierten sich vielmehr darauf, den Umsatz anzukurbeln.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex, der Dienstleister und Industrie zusammenfasst, fiel zwar minimal um 0,1 auf 54,3 Punkte. Das Barometer blieb aber weiter deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. „Die Euro-Zone hat einen starken Jahresauftakt hingelegt“, sagte Williamson. Während das Wachstum der Service-Branche weitgehend stagnierte, beschleunigte es sich in der Industrie zum Vormonat so stark wie seit rund sechs Jahren nicht mehr.

„Die Industrie ist derzeit nicht zu bremsen“, betonte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Sie profitiere wohl von der zuletzt guten Weltkonjunktur. Ein Index des Essener RWI-Instituts signalisierte derweil, „dass der Welthandel gegen Jahresende 2016 deutlich Fahrt aufgenommen hat“. Die Forscher untersuchen den Containerumschlag in 81 internationalen Häfen, die für 60 Prozent des globalen Containerumschlags aufkommen. Das RWI-Barometer erreichte im Dezember einen Rekordwert.

Allerdings sehen Ökonomen wie BayernLB-Experte Stefan Kipar „ein großes Risiko für die Konjunktur-Euphorie der Industrie-Unternehmen“, wenn sich die Überzeugung durchsetze, dass etwa die Politik von US-Präsident Donald Trump den Freihandel begrenzen dürfte. Auch Markit-Ökonom Williamson warnte, es sei „nicht alles eitel Sonnenschein“. Demnach steigen die Kosten wegen der Verteuerung von Rohstoffen und des schwachen Euro weiter kräftig. Die Unternehmen könnten ihre Verkaufspreise allerdings nur gering erhöhen – „womit die Gewinnmargen so stark unter Druck geraten wie seit über fünf Jahren nicht mehr.“

Auch die deutsche Industrie startete mit Schwung ins neue Jahr. Hier stieg der Einkaufsmanagerindex um 0,9 auf 56,5 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit Anfang 2014. Das Barometer für die Dienstleister sank unerwartet um 1,1 auf 53,2 Punkte. Markit nannte dies aber „nicht weiter besorgniserregend“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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