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Mehr Anleihenkäufe: Schäuble nimmt EZB in Schutz – und bekommt Kontra

Die Euro-Skeptiker bekommen weiter Zulauf. Speziell die Anleihenentscheidung der EZB sorgt für Zündstoff. Finanzminister Schäuble ist genervt und weist Bundesbank-Präsident Weidmann zurecht – nicht ohne ein Echo.

Wirtschaftsminister Schäuble: „Die Bevölkerung ist tief verunsichert“ Quelle: dpa
Wirtschaftsminister Schäuble: „Die Bevölkerung ist tief verunsichert“ Quelle: dpa

BerlinIn der Euro-Krise werden weiter parteiübergreifend Sorgen über eine zu starke Rolle der Europäischen Zentralbank laut. Euro-Skeptiker Peter Gauweiler (CSU) und die Linke riefen zu einer Klage gegen die EZB wegen möglicherweise unbegrenzter Anleihekäufe auf. Die SPD forderte mehr politische Kontrolle der Bank. Unterstützung für die EZB kam aus der CDU.

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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies den Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann für dessen Kritik an der Euro-Rettungspolitk EZB zurecht. „Ich bin mir nicht sicher, ob es zur Stärkung des Vertrauens in die Notenbank beiträgt, wenn diese Debatte halböffentlich geführt wird“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Die Bevölkerung sei tief verunsichert. „Und die Notenbanken sind eine der Institutionen, denen die Bürger grundsätzlich Vertrauen entgegenbringen“, erklärte Schäuble weiter.

Finanzminister-Treffen Euro-Bankenaufsicht ab 2013 unwahrscheinlich

Das Hauptproblem: Alle EU-Staaten müssen dem Vorschlag erst einmal zustimmen.

Weidmann hatte sich von der grundsätzlichen Entscheidung der EZB und ihres Präsidenten Mario Draghi zum unbegrenzten Ankauf weiterer Staatsanleihen europäischer Krisenländer distanziert. Bei der Abstimmung darüber im EZB-Rat stimmte der Chef der deutschen Notenbank als einziger dagegen. Schon vorher hatte Weidmann aus seiner Ablehnung keinen Hehl gemacht. Er sieht in den Anleihekäufen eine unerlaubte Staatsfinanzierung.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, wies die Kritik an Weidmann mit scharfen Worten zurück und äußerte zugleich harte Kritik am Krisenkurs der EZB. Ihn wundere es sehr, dass Jörg Asmussen als Vertreter Deutschlands im EZB-Direktorium die Beschlüsse für neue Anleihekäufe mitgetragen habe. „Das ist ein Verrat an der geldpolitischen Tradition dieses Landes.“

In Richtung Schäuble sagte Schäffler: Der Finanzminister solle Weidmann „nicht im Regen stehen lassen, sondern ihn gegen die Bloßstellung“ von EZB-Präsident Mario Draghi verteidigen. „Stattdessen macht sich der Finanzminister einen schlanken Fuß.“ Die Beschlüsse des EZB-Rates führten zur Staatsfinanzierung durch die Druckerpresse und am Ende zur Vernichtung des Sparvermögens der Bürger durch Inflation, unterstrich das FDP-Bundesvorstandsmitglied. „Es gilt in dieser historischen Situation ganz andere zu kritisieren.

EZB-Anleihe-Programm zur Lösung der Euro-Krise

  • Mehr Transparenz

    Die EZB hatte im Mai 2010 nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten für Griechenland spontan ein Anleihekaufprogramm beschlossen. Die Konditionen des „Securities Market Programme (SMP)“ blieben weitgehend im Dunkeln. Die EZB gab lediglich im Nachhinein wöchentlich bekannt, welche Summen an Staatspapieren aus dem Markt genommen wurden, ohne dabei die Länder zu nennen. Zu beobachten war im Handel aber, dass die Zentralbank zunächst Griechenland und dann Irland und Portugal stützte, die unter den Rettungsschirm EFSF geschlüpft waren. Im Sommer 2011 folgten Spanien und Italien. Das Interventionsvolumen von SMP beläuft sich auf 209 Milliarden Euro.

  • Verzicht auf Limits

    So wie unter dem alten Programm nennt die EZB unter dem neuen Plan namens OMT („Outright Monetary Transactions“) vorab keine Summe über mögliche Anleihekäufe. Mit dem Verzicht auf ein Limit signalisiert die Zentralbank, dass sie einen langen Atem hat. Die Notenbank will sich bei den Laufzeiten der betroffenen Staatspapiere auf eine Spanne von einem Jahr bis drei Jahren beschränken. Begründet wird das mit dem Ziel des Programms: Der EZB geht es nicht darum, die Anleihezinsen zu drücken, um den Regierungen die Staatsfinanzierung zu verbilligen.

  • Niedrige Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

    Sie begründet ihr Eingreifen damit, dass die hohen Zinsen auf Staatspapiere indirekt die Kreditzinsen für die Verbraucher nach oben treiben. Der rekordtiefe Leitzins der Notenbank von 0,75 Prozent komme bei den Bankkunden nicht an. Die Übertragung der auf stabile Preise zielenden Geldpolitik sei damit gestört. Als Zeitraum für das Durchwirken der Leitzinsen auf die Marktzinsen veranschlagt die Zentralbank etwa drei Jahre.

  • Keine Hilfe ohne Spar- und Reformprogramm

    Als Lehre aus der Hilfsaktion für Italien will die EZB in Zukunft nur den Ländern unter die Arme greifen, die den Rettungsfonds EFSF und seinen Nachfolger ESM um Hilfe bitten. Es kann sich dabei um ein umfangreiches Hilfsprogramm zu Staatsfinanzierung handeln oder um vorbeugende Kreditlinien bei ersten Finanzierungsengpässen. Die Regierungen müssen sich als Gegenleistung zu einem strikten Spar- und Reformprogramm verpflichten. Im vergangenen Jahr hatte die italienische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Reformbemühungen gedrosselt, als die Zinsen dank EZB-Anleihekäufen sanken. Die EZB wird künftig im Nachhinein bekanntgeben, von welchen Ländern sie Staatsanleihen gekauft hat.

  • EZB verzichtet auf Privilegien

    Bisher genoss die EZB einen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit würde die Notenbank bei einem Ausfall von Anleihen entschädigt, während viele Privatanleger Verluste hinnehmen müssen. Das wirkt abschreckend auf private Anleihekäufer und erschwert die angestrebte Entspannung bei den Zinsen. Die EZB will deshalb künftig auf das Privileg verzichten. Sie muss deshalb so wie die beteiligten nationalen Notenbanken im Pleitefall Verluste hinnehmen.

  • Inflationsbremse bleibt angezogen

    Wie bisher will die EZB verhindern, dass durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Geldmenge wächst, weil den bisherigen Besitzern der Anleihen frisches Geld zufließt. Die Notenbank erreicht das, indem sie die Anleihekäufe neutralisiert. Über ihre Geldmarktgeschäfte entzieht die EZB den Banken das Geld, das sie zuvor für Staatsanleihen neu geschaffen hat.

Westerwelle sieht Hoffnungsschimmer

Auf eine grundsätzliche Wende hin zum Besseren hofft inzwischen Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Man könne mit der Lage nicht zufrieden sein, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Erstmals sehe ich aber einen Silberstreif am Horizont.“ Der September könne im Rückblick zum Wendemonat bei der Überwindung der Staatsschuldenkrise werden.

Westerwelle nannte als Gründe den Erfolg der Euro-Befürworter bei den Wahlen in den Niederlanden, die Billigung des Rettungsschirms ESM durch die Verfassungsrichter in Karlsruhe und die Entscheidung der EZB zum Anleihekauf. Die EZB habe keinen unkonditionierten Ankauf von Staatsanleihen beschlossen. „Es wird klare Bedingungen geben“, sagte Westerwelle.

295 Kommentare

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  • 18.09.2012, 20:09 Uhrotto936

    "„Und die Notenbanken sind eine der Institutionen, denen die Bürger grundsätzlich Vertrauen entgegenbringen“, erklärte Schäuble weiter.

    Der doppelzüngige Winkeladvokat hat wieder geschickt formuliert - NotenbankEN statt Notenbank, sprich Bundesbank.
    Es ist nämlich mitnichten so daß die Bevölkerung der EZB Vertrauen entgegenbringt, im Gegenteil.
    Schäuble ist gefährlich, er nutzt seine große Intelligenz um das Volk über seine wahren Absichten zu täuschen, er spricht immer die Halbwahrheit, lässt die entscheidenden Worte aus oder formuliert so daß seine Aussagen zweideutig sind.
    Der Mann muß weg; schnell.

  • 18.09.2012, 18:02 UhrHaPeTe

    Hier der Gesamtkontext. Auf die Absicht der EZB kommt es nicht an. Auch gut gemeint ist schlecht gemacht:

    "Auch eine Hinterlegung von Staatsanleihen durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus bei der Europäischen Zentralbank als Sicherheit für Kredite würde gegen das Verbot unmittelbaren Erwerbs von Schuldtiteln öffentlicher Stellen verstoßen. Dabei kann offen bleiben, ob hierin eine Übernahme von Schuldtiteln direkt vom öffentlichen Emittenten am Primärmarkt läge oder nach dem Zwischenerwerb durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus einem Erwerb am Sekundärmarkt entsprechen würde. Denn ein Erwerb von Staatsanleihen am Sekundärmarkt durch die Europäische Zentralbank, der auf von den Kapitalmärkten unabhängige Finanzierung der Haushalte der Mitgliedstaaten zielte, ist als Umgehung des Verbotes monetärer Haushaltsfinanzierung ebenfalls untersagt .. . ."

    Ich habe allerdings Zweifel, ob "Shit-Storm"-Rechner das liest geschweige denn versteht.

  • 18.09.2012, 15:54 UhrRechner

    'Rettungswahnsinn' sagt
    ---------------------------
    @Rechner
    Der Unterschied des Modells des 2000 Jahre währenden Goldstandards und des von Ihnen besagten Euros als „Goldstandard ohne Gold“ ist:

    Die Länder hatten eigenes Geld, z. B: Forint, Taler, Gulden. Die „Devisenkurse“ dieser Währungen wurden durch ihren Goldgehalt bestimmt. Die Länder konnten auf- bzw. abwerten, indem sie neue Münzen herausgaben, und/oder den Goldgehalt ihrer Münzen veränderten. Jedes Land konnte über seine Münzen selbst bestimmen.
    Nochmals:
    Die Auf- und Abwertungsmöglichkeit der einzelnen Länder muss gewährleistet sein.
    ---------------------------

    LOL!

    Man kann bei einer Goldwährung nur Münzen prägen, wenn man das Gold auch hat.

    Wenn man den Goldgehalt ändert, hat man im Effekt nur neue Nünzen ausgegeben - z.B. 1 "neuer" Gulden = 0,8 "alter" Gulden.

    Wenn das Prägedatum nicht einfach sichtbar ist, werden die alten Gulden einfach eingeschmolzen, und solange keine nuen in Zahlung genommen. Die Preise/Löhne in Gulden gerechnet steigen im gleichen Verhältnis in dem die Münzen "verwässert" wurden.

    Denn jeder weiß, daß der Wert der Münzen nur im Goldgehalt besteht.

    "Aufwertung/Abwertung" sind bei einem Goldstandard effektiv NICHT möglich.

    +++

    'Rettungswahnsinn' sagt
    ---------------------------
    Zudem wurden die Länder nicht in Haftung genommen für die Schulden der anderen Länder. Keine Währungsunion.
    ---------------------------

    Sie verwechseln Währungsunion mit Haftungsunion. Alle Länder mit goldbasierten Währungen sind defakto in einer Währungsunion. Mit Barrick Gold als EZB.

    Weder beim Euro noch bei einer Goldwährung gibt es eine Haftungsunion.

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