Neue Kapitalregeln: Fed verschärft Auflagen für Auslandsbanken

Neue Kapitalregeln
Fed verschärft Auflagen für Auslandsbanken

Die Fed hat strengere Kapitalregeln für Auslandsbanken festgelegt. Nun sollen auch ausländische Banken, die in den USA Geschäfte machen, strengere Regeln einhalten. Die Deutsche Bank muss mit großen Belastungen rechnen.
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WashingtonFünfeinhalb Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers ziehen die USA die Zügel auch für ausländische Großbanken an. Die Notenbank Fed verabschiedete am Dienstag strengere Regeln für das Eigenkapital, die Liquidität und das Risikomanagement. Die neuen Auflagen gelten unter anderem für die Deutsche Bank, die zu den großen Akteuren an der Wall Street gehört.

Im Kern werden die US-Tochterfirmen ausländischer Banken von den amerikanischen Regulierungsbehörden nun ähnlich behandelt wie einheimische Institute. So soll sichergestellt werden, dass im Falle einer neuerlichen Krise ein ausreichender finanzieller Puffer in den Vereinigten Staaten zur Verfügung steht. Bislang reichte es, wenn die im Ausland sitzende Konzernmutter genügend Kapital nachweisen konnte.

Im Vorfeld hatte es international Streit um die neuen Regeln gegeben. Denn lange herrschte Einigkeit darüber, dass die Aufsichtsbehörden in den jeweiligen Heimatländern für die Bankenregulierung zuständig seien. Seit den Erfahrungen der Finanzkrise hat sich diese Sichtweise in den USA jedoch geändert. Die Europäer drohten ihrerseits bereits mit härteren Regeln für US-Banken, die hierzulande Geschäfte machen.

„Wie die Krise gezeigt hat, gab es im althergebrachten System der Aufsicht und Regulierung großer Finanzfirman sowie bei der Beurteilung von Risiken deutliche Schwächen“, verteidigte Fed-Chefin Janet Yellen das Vorgehen. So profitierten auch ausländische Banken von den Rettungsmilliarden der US-Regierung in der Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009.

Der Vorschlag zur Verschärfung der Regeln wurde bei der Ratssitzung in Washington einstimmig angenommen. Als Folge der Diskussionen treten die Auflagen allerdings erst zum 1. Juli 2016 und damit ein Jahr später als ursprünglich geplant in Kraft. Zudem betreffen bestimmte Punkte nur noch Auslandsbanken mit einer US-Bilanzsumme von 50 Milliarden Dollar aufwärts statt 10 Milliarden.

Die neuen Regeln können das Geschäft für ausländische Banken in den USA verteuern, wenn sie etwa mehr Kapital vorhalten oder regelmäßig Stresstests durchführen müssen. Nach einer Fed-Aufstellung zählt die Landestochter der Deutschen Bank zu den 50 größten Finanzkonzernen in den Vereinigten Staaten.

Die Deutsche Bank allein müsse als Folge davon 200 Millionen bis 650 Millionen Euro mehr Zinsen im Jahr zahlen, hatte Morgan-Stanley-Analyst Huw van Steenis vor der endgültigen Entscheidung der Fed veranschlagt. Sie müsse ihre US-Tochter voraussichtlich mit sieben bis acht Milliarden Dollar mehr Kapital ausstatten.

Die Frage war allerdings, ob sie dazu hartes Kernkapital verwenden muss oder ob andere, billigere Kapitalinstrumente ausreichen. Zugleich werde sie ihre Bilanz in den USA deutlich verkleinern müssen, schrieb van Steenis. Das sei wohl auch ein Grund dafür, dass die Deutsche Bank im kapitalintensiven Anleihehandel in den USA zuletzt Marktanteile verloren habe. Die Deutsche Bank selbst hatte sich zu den Änderungen gelassen gezeigt.

Die US-Abschottungspolitik steht in der Kritik. Europäische Notenbanker wie die seit kurzem in die EZB eingezogene Sabine Lautenschläger hatten den USA unverhohlen mit einer Retourkutsche gedroht. Dann müssten auch US-Banken in Europa mit Sondervorschriften überwacht werden.

Vor dem Start der Europäischen Bankenunion sind aber auch nationale Behörden in Europa darauf bedacht, vornehmlich ihr Bankensystem zu schützen. So pocht die deutsche Finanzaufsicht BaFin darauf, dass die HypoVereinsbank ihre überschüssige Liquidität nicht komplett bei der italienischen Muttergesellschaft UniCredit parkt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Als Aktionär der Deutschen Bank kann ich nur hoffen dass die DB sich jetzt endlich aus Amerika verabschiedet, hat sowieso unter dem Strich über die Jahre nur Verluste/Gehaltsexesse/Rechtsstreitigkeiten und Abschreibungen gebracht.

  • wenn es noch eines einzigen beweises bedurft haette,wie die usa mit freunden und verbuendeten umgeht,so ist dieser beweis hier erbracht.es wird hoechste zeit amerika weltweit zu isolieren,auf allen ebenen.dann koennen sich die nachkommen der europaeischen strafkolonisten selbst abschiessen wie die tontauben.kauft nicht mehr beim ami!!!

  • Die Taktik ist ganz klar. Banken, die der Fed nahestehen, werden begünstigt und die Konkurrenzbanken werden benachteiligt. Dass geschieht unter dem
    Deckmantel als "Währungshüter". Dass es die FED ist, die den US-Dollar zerstört hat, und weltweit dafür sorgt, dass andere von ihr abhängige Nationalbanken wie die japanische und schweizerische Nationalbank ihre eigenen
    Währungen zerstören, ist die Taktik der FED-Eigentümer.

    Vor 2 Tagen hat der japanische "Währungshüter" verkündet, man werde in den nächsten 2 Jahren je 520 bis 600 Milliarden für den Aufkauf von Staatsanleihen verwenden. Mit der Hütung von Währung hat das nichts zu tun, es ist das Gegenteil, die Zerstörung.

    Die Schweizerische Nationalbank hat durch den Mindest-Eurokurs gleichzeitg den Franken-Maximalkurs festgelegt, mit 83,3 Eurocent pro Franken. Niemals soll der Wert eines Frankens UEBER 83,3 Cent betragen. Wenn der Euro abdriftet und den Wert verliert, wird der Franken zwangsweise auch abdriften, durch die Garantie der SNB betreffend "Maximalkurs".

    Mit der endlosen Vergrösserung der Geldmenge werden die Währungen zerstört, irgendwann wird die Inflation einsetzen. 1923 kostete ein Brot in Berlin auch
    bloss eine Billion Mark (eintausend Milliarden).

    Buchempfehlung des aufrichtigen US-Senators Ron Paul: End the fed, DEUTSCH: Befreit die Welt von der US-Notenbank.

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