Nachrichten

_

Notenbank-Chef: Bernanke hält Konjunkturmaßnahmen für richtig

Ben Bernanke hat die Konjunkturmaßnahmen der US-Notenbank gerechtfertigt. Die Fed müsse die Kreditzinsen nach unten treiben, sagte Bernanke. Auf diese Weise könne das Haushaltsdefizit der USA reduziert werden.

Fed-Chef Benanke will mit niedrigen Zinsen Wachstum ankurbeln. Quelle: dapd
Fed-Chef Benanke will mit niedrigen Zinsen Wachstum ankurbeln. Quelle: dapd

Washington/IndianapolisFed-Chef Ben Bernanke hat das umstrittene Anleihenkaufprogramm der Notenbank gegen Kritik vor allem aus den Reihen der Republikaner verteidigt. Die Fed müsse die Kreditzinsen nach unten treiben, da die Konjunktur nicht schnell genug wachse, um die hohe Arbeitslosigkeit zu reduzieren, sagte der US-Notenbankchef am Montag bei einer Ansprache im US-Staat Indiana.

Anzeige

Niedrigere Zinsen könnten das Haushaltsdefizit reduzieren, indem die Kosten der Kapitalaufnahme für die Regierung verringert und durch das größere Wachstum gleichzeitig ein höherer Steuerumsatz generiert würde. Dabei habe die Notenbank auch nicht ihr anderes Ziel aus den Augen verloren, nämlich die Wahrung der Preisstabilität.

US-Konjunktur

Bernanke erklärte, die Fed erwarte keine Rezession. Das gegenwärtige Wachstum falle aber zu gering aus, um die Arbeitslosigkeit von derzeit rund acht Prozent zu senken. "Das bereitet mir Sorgen", fügte er hinzu. Die Arbeitslosigkeit und die Konjunkturentwicklung gehören zu den wichtigsten Themen im US-Präsidentenwahlkampf. Vor allem die oppositionellen Republikaner haben das Anleihenkaufprogramm der Fed mit dem Argument kritisiert, dass es langfristig die Inflation erhöhe.

Mit Blick auf die Schuldenkrise in Europa lobte Bernanke die jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank als "sehr konstruktiv", um die Märkte wieder zu stabilisieren. Allerdings müssten nun auch die Regierungen der Euro-Länder gemeinsam an einer Lösung der Schuldenkrise arbeiten. Die EZB hatte vor kurzem beschlossen, unter bestimmten Bedingungen notfalls unbegrenzt Staatsanleihen strauchelnder Euro-Staaten aufzukaufen.

Bernanke warnte den US-Kongress außerdem vor einer Gesetzesänderung, die es den Abgeordneten erlauben würde, die Diskussionen der Fed über ihre Leitzinspolitik zu prüfen. Ein solcher Schritt würde auf unangemessene Weise politischen Druck erzeugen und Entscheidungen der Fed möglicherweise verhindern.

Mitte September hatte die US-Notenbank angekündigt, unbefristet Hypothekenpfandbriefe aufzukaufen, um den Immobilienmarkt zu stützen sowie die Zinsen für kurzfristige Kredite bis Mitte 2015 auf dem gegenwärtigen Rekordtief zu halten.

  • 03.10.2012, 14:03 UhrG.N.

    Genau so ist es.
    Und das alles ist GEWOLLT!

  • 01.10.2012, 22:40 UhrDagmarK

    "Die Fed müsse die Kreditzinsen nach unten treiben, sagte Bernanke. Auf diese Weise könne das Haushaltsdefizit der USA reduziert werden."

    Öhm, mal in kleinen Zahlen: Wenn ich auf 1 Million Schulden 10% Zinsen zahlen muss, ist das mehr als wenn ich auf 10 Millionen 5% Zinsen zahle? Wie soll das dem Staatshaushalt helfen? 10% - 1 Million = 100000; 5% - 10 Millionen = 500000.

    So rechnen Kleinkinder im Vorschulalter!

  • 01.10.2012, 21:55 UhrHotSix

    Das Program was Bernanke hier durchzieht hat, wie in der Geschichte mehrfach gezeigt, IMMER dazu geführt, dass aus einer Währungskrise ein total Zusammenbruch der Wirtschaft wurde. Auch in der Weimarer Republik wurde die vernichtende Kombination von 'Geld in die Banken pumpen' und 'harten Sparmassnahmen' durchgezogen, mit dem Resultat, dass kurz darauf der Zusammenbruch der noch gut positionierten Wirtschaft erfolgt.
    Wer unserer Finanzsystem versteht, erkennt auch unmittelbar warum das so ist. Zur Zeit werden große Geldmengen in die Finanzmärkte gepumpt, was die Inflation erheblich erhöht, gleichzeitig werden Ausgaben vermindert, was Stagnation der Binnennachfrage zur Folge hat. Beide Effekte werden mehr und mehr deutlich - steigende Arbeitslosenzahlen und Geldentwertung.
    In der Geschichte erfolgte danach der Weltkrieg und genau darauf bewegen uns diese Herren jetzt wieder zu.

  • Die aktuellen Top-Themen
Geldpolitik der FED: „Bernanke wird kein Öl ins Feuer gießen“

„Bernanke wird kein Öl ins Feuer gießen“

Seit zwei Tagen beraten der Chef der US-Zentralbank und seine Experten über die Zukunft von Zinssatz und Anleihekäufe. Die Fachleute fragen sich, wann er die expansive Geldpolitik endlich beenden wird.

Reserven sind aufgebraucht: Türkischer Polizei geht das Tränengas aus

Türkischer Polizei geht das Tränengas aus

In der Türkei schlagen die Minister harte Töne an und lassen sich keine Kritik aus der EU gefallen. Trotzdem bringen immer mehr Türken ihren Protest zum Ausdruck – während die Polizei neues Tränengas bestellt.

Ökonomen vs. Krisenpolitik: „Platzt der Euro, droht Deutschland der Bankrott“

„Platzt der Euro, droht Deutschland der Bankrott“

Thilo Sarrazin ist wieder da. Aber nicht als Euro-Kritiker. Als Moderator einer hochkarätig besetzten Diskussionsrunde lässt er diesmal andere die Politik der Euro-Retter zerpflücken - mit interessanten Einsichten.

Spezialblog Warum Brüderle das Denken sein lassen sollte

Es gibt ein Forum, das nennt sich Trainertalk. Dort können sich verzweifelte Übungsleiter mit Fragen wie "Was mache ich, wenn mein Stürmer nicht mehr trifft?" an die Kollegen wenden. Auch die FDP hat eine Sturmspitze, die in den Strafräumen... Von Stefan Kaufmann. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International