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Notenbank: EZB macht großen Gewinn mit Krisenländer-Anleihen

Das Programm war umstritten – doch es zahlt sich bislang aus. Mit dem Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten hat die EZB Druck aus den Märkten genommen. Ganz nebenbei verdiente die Notenbank kräftig.

Die Euro-Skulptur leuchtet vor der Zentrale der EZB in Frankfurt. Quelle: dpa
Die Euro-Skulptur leuchtet vor der Zentrale der EZB in Frankfurt. Quelle: dpa

FrankfurtDer umstrittene Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten hat der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr als eine Milliarde Euro in die Kassen gespült. Die Zinseinnahmen aus dem ersten Anleihekaufprogramm (SMP) beliefen sich im vergangenen Jahr auf 1,1 Milliarden Euro, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Allein griechische Anleihen brachten 555 Millionen Euro ein. Insgesamt steigerte die Notenbank ihren Gewinn im Vergleich zum Vorjahr von 1,89 Milliarden Euro auf 2,16 Milliarden Euro. Der Netto-Profit kletterte von 728 Millionen auf 998 Millionen Euro.

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Zum Jahresende hielten die Notenbanken der Eurozone den Angaben zufolge noch Staatsanleihen von Euro-Krisenländern im Wert von 208,7 Milliarden Euro (Nominalwert: 218 Milliarden Euro). Davon entfallen 99 Milliarden Euro auf italienische Papiere und 43,7 Milliarden Euro auf spanische. Griechische Anleihen machen 30,8 Milliarden Euro aus und portugiesische 21,6 Milliarden Euro. Zudem zählt Irland mit 13,6 Milliarden Euro noch zu den Schuldnern des Eurosystems. Die Bonds haben eine durchschnittliche Restlaufzeit von 4,3 Jahren.

EZB-Anleihe-Programm zur Lösung der Euro-Krise

  • Mehr Transparenz

    Die EZB hatte im Mai 2010 nach einem Wochenende hektischer Rettungsaktionen der Euro-Staaten für Griechenland spontan ein Anleihekaufprogramm beschlossen. Die Konditionen des „Securities Market Programme (SMP)“ blieben weitgehend im Dunkeln. Die EZB gab lediglich im Nachhinein wöchentlich bekannt, welche Summen an Staatspapieren aus dem Markt genommen wurden, ohne dabei die Länder zu nennen. Zu beobachten war im Handel aber, dass die Zentralbank zunächst Griechenland und dann Irland und Portugal stützte, die unter den Rettungsschirm EFSF geschlüpft waren. Im Sommer 2011 folgten Spanien und Italien. Das Interventionsvolumen von SMP beläuft sich auf 209 Milliarden Euro.

  • Verzicht auf Limits

    So wie unter dem alten Programm nennt die EZB unter dem neuen Plan namens OMT („Outright Monetary Transactions“) vorab keine Summe über mögliche Anleihekäufe. Mit dem Verzicht auf ein Limit signalisiert die Zentralbank, dass sie einen langen Atem hat. Die Notenbank will sich bei den Laufzeiten der betroffenen Staatspapiere auf eine Spanne von einem Jahr bis drei Jahren beschränken. Begründet wird das mit dem Ziel des Programms: Der EZB geht es nicht darum, die Anleihezinsen zu drücken, um den Regierungen die Staatsfinanzierung zu verbilligen.

  • Niedrige Zinsen kommen nicht beim Verbraucher an

    Sie begründet ihr Eingreifen damit, dass die hohen Zinsen auf Staatspapiere indirekt die Kreditzinsen für die Verbraucher nach oben treiben. Der rekordtiefe Leitzins der Notenbank von 0,75 Prozent komme bei den Bankkunden nicht an. Die Übertragung der auf stabile Preise zielenden Geldpolitik sei damit gestört. Als Zeitraum für das Durchwirken der Leitzinsen auf die Marktzinsen veranschlagt die Zentralbank etwa drei Jahre.

  • Keine Hilfe ohne Spar- und Reformprogramm

    Als Lehre aus der Hilfsaktion für Italien will die EZB in Zukunft nur den Ländern unter die Arme greifen, die den Rettungsfonds EFSF und seinen Nachfolger ESM um Hilfe bitten. Es kann sich dabei um ein umfangreiches Hilfsprogramm zu Staatsfinanzierung handeln oder um vorbeugende Kreditlinien bei ersten Finanzierungsengpässen. Die Regierungen müssen sich als Gegenleistung zu einem strikten Spar- und Reformprogramm verpflichten. Im vergangenen Jahr hatte die italienische Regierung unter dem damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi die Reformbemühungen gedrosselt, als die Zinsen dank EZB-Anleihekäufen sanken. Die EZB wird künftig im Nachhinein bekanntgeben, von welchen Ländern sie Staatsanleihen gekauft hat.

  • EZB verzichtet auf Privilegien

    Bisher genoss die EZB einen bevorzugten Gläubigerstatus. Damit würde die Notenbank bei einem Ausfall von Anleihen entschädigt, während viele Privatanleger Verluste hinnehmen müssen. Das wirkt abschreckend auf private Anleihekäufer und erschwert die angestrebte Entspannung bei den Zinsen. Die EZB will deshalb künftig auf das Privileg verzichten. Sie muss deshalb so wie die beteiligten nationalen Notenbanken im Pleitefall Verluste hinnehmen.

  • Inflationsbremse bleibt angezogen

    Wie bisher will die EZB verhindern, dass durch den Aufkauf von Staatsanleihen die Geldmenge wächst, weil den bisherigen Besitzern der Anleihen frisches Geld zufließt. Die Notenbank erreicht das, indem sie die Anleihekäufe neutralisiert. Über ihre Geldmarktgeschäfte entzieht die EZB den Banken das Geld, das sie zuvor für Staatsanleihen neu geschaffen hat.

Die EZB hatte sich im Mai 2010 gegen deutschen Widerstand zu einem Programm zum Kauf von Staatsanleihen entschlossen („Securities Markets Programme“/SMP). Der Erwerb der Papiere auf dem Sekundärmarkt - als etwa von Banken - sollte kriselnden Staaten, die sich am Markt nur noch sehr teuer frisches Geld besorgen konnten, helfen.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

  • 1. Januar 1999

    Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt1,95583 DM je Euro.

  • Dezember 1999

    Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

  • Frühherbst 2000

    Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

  • Januar 2002

    Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

  • März 2003

    Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

  • September 2003

    Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

  • September 2007

    Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

  • Juli 2008

    Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch.

  • Oktober 2008

    Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

  • Oktober 2009

    Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

  • Dezember 2009, Januar 2010

    Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

  • Frühjahr und Sommer 2011

    EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

  • Ende Februar 2012

    Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

  • Juni 2012

    Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

  • Juli 2012

    Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde "alles nötige tun, um den Euro zu erhalten." Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

  • Februar bis März 2013

    Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

Seit März 2012 ruhte das SMP-Kaufprogramm, im Sommer 2012 ersetzte es die EZB durch ein neues Programm (OMT): Die Währungshüter um den Italiener Mario Draghi kündigten an, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen - unter der Bedingung, dass die betreffenden Staaten zuvor einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds stellen und sich somit politischen Reformvorgaben unterwerfen.

EZB

Aktiv wurde die EZB in diesem Rahmen bislang nicht. Draghi zeigte sich jedoch überzeugt, dass allein die Ankündigung die Märkte beruhigt habe. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wird wie sein Vorgänger Axel Weber nicht müde, auf die Risiken von Staatsanleihenkäufen durch die Zentralbank hinzuweisen: Die Grenze zwischen Geld- und Fiskalpolitik werde verwischt, die Notenbank werde durch die Hintertür zum Staatsfinanzierer. Weber war im Streit um den Kurs der Geldpolitik Ende April 2011 zurückgetreten.

Krisen-Zitate „Bald kauft die EZB auch alte Fahrräder"

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Bislang hatte die EZB nur das Gesamtvolumen der Anleihenkäufe genannt, aber keine Angaben zu einzelnen Staaten gemacht. Die neue Offenheit begründeten die Währungshüter damit, dass sie für das neue OMT-Programm Transparenz versprochen haben - das soll nun durch die Veröffentlichung von Details zum alten Programm untermauert werden.

  • 01.03.2013, 18:51 Uhrskibladnir

    Mit welchem Geld zahlen die Kriesenländer wie Griechenland denn die Zinsen? Mit neuen Anleihen/Schulden! Da es nur einen Gläubiger gibt, ist dieser Zinsgewinn im Endeffekt eine Milchmädchenrechnung und streut den doofen Steuerzahlern Sand in die Augen.

  • 21.02.2013, 21:40 UhrGaishirtle

    "Zum Jahresende hielten die Notenbanken der Eurozone den Angaben zufolge noch Staatsanleihen von Euro-Krisenländern im Wert von 208,7 Milliarden Euro (Nominalwert: 218 Milliarden Euro)."
    Das bedeutet nach meinem Verständnis "kleine" stille Lasten in Höhe von 9.3 Milliarden und ein "riesen" Gewinn von 1.1 Milliarden.

  • 21.02.2013, 21:22 UhrMazi

    "Der umstrittene Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenstaaten hat der Europäischen Zentralbank (EZB) mehr als eine Milliarde Euro in die Kassen gespült. Die Zinseinnahmen aus dem ersten Anleihekaufprogramm (SMP) beliefen sich im vergangenen Jahr auf 1,1 Milliarden Euro, wie die EZB am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Allein griechische Anleihen brachten 555 Millionen Euro ein."

    Und den Privaten wurden 70% des Nominalwerts genommen und die restlichen 30% in endlos Anleihen umgetauscht.

    Wenn Zahlen und Analyse stimmen, dann ist die EZB die kriminellste Vereinigung, die ich je erlebt habe. Anders kann ich diese "Geschäftstüchtigkeit" nicht verstehen.

    Aber daran glaube ich nicht.

    M.E. ist das nur die positive Vorbereitung eines größeren, anstehenden Anschlags auf unser Vermögen. Die positive Nachricht soll möglicherweise nur dazu dienen, das Volk in Lager zu spalten. Die, die nichts haben, sollen glauben, dass auch die Privaten, die in Griechenanleihen investiert sind, "gutes" Geld gemacht haben.

    Jetzt fehlt nur noch, dass das Finanzamt kommt und den Nominalzins der Griechenanleihen als fiktive Besteuerungsgrundlage ansetzt. Wer das nicht glauben kann, dem sei gesagt, dass es reale, vergleichbare Fälle gibt.

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