Notenbank-Studie
Überalterung der Bevölkerung bremst Zinsentwicklung

Laut einer Studie von Notenbankexperten verlangsamt die Überalterung die Zinsentwicklung. Die kurzfristigen Realzinsen bleiben bis 2025 nur nahe Null – sollte die Alterung weiter voranschreiten. Die Politik sei am Zug.
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FrankfurtDie fortschreitende Überalterung im Euro-Raum dämpft einer Studie von Notenbankexperten zufolge die Zinsentwicklung. Wenn die Alterung der Gesellschaft weiter voranschreitet, bleiben die kurzfristigen Realzinsen bis 2019 negativ und liegen auch im Zeitraum 2020 bis 2025 nur nahe Null. Zu diesem Schluss kommen Giuseppe Ferrero und Stefano Neri von der Bank von Italien sowie Marco Gross von der EZB in einer Studie, die die Europäische Zentralbank am Mittwoch veröffentlichte. In den kurzfristigen Realzinsen wird die Inflation mitberücksichtigt. Im Juni lag die Teuerung im Währungsgebiet bei 1,3 Prozent. Der EZB-Leitzins steht aktuell bei Null Prozent.

In ihrer Studie gehen die Notenbankexperten unter anderem davon aus, dass im Jahr 2025 auf je 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter etwa 61 Menschen im Alter von unter 15 und über 65 Jahren kommen. 2015 waren dies noch rund 54. Der Anstieg betrifft vor allem die Rentner. Je höher ihr Anteil ist, um so größere Lasten müssen die Erwerbsfähigen in einer Gesellschaft schultern. In einem sehr optimistischen Szenario, in der dieses Verhältnis auch 2025 noch bei 54 Kindern und Rentnern je 100 Erwerbsfähigen liegt, würden bis dahin die kurzfristigen Realzinsen laut den Autoren hingegen auf 1,3 Prozent steigen.

Die Notenbankexperten sehen angesichts des Einflusses der demografischen Entwicklung auf die Zinsen vor allem die Politik am Zug: Sie empfehlen eine Struktur- und Haushaltspolitik, die Anreize für einen späteren Rentenbeginn schafft und Investitionen in die Forschung fördert. „Solch eine Politik wäre notwendig, um die negativen Auswirkungen der Alterung auf die langfristigen Wachstumsaussichten zu begrenzen.“ Deutschland gehört zu den Ländern mit der niedrigsten Geburtenrate in Europa. Der Trend zur Kinderlosigkeit wurde zuletzt aber gestoppt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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