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OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel im Interview: „Staatliche Hilfe nur für Finanzsektor“

exklusiv Der neue Chefvolkswirt der OECD, Klaus Schmidt-Hebbel, spricht im Handelsblatt erstmals exklusiv über die Ursachen und die Tiefe der Rezession, seine Forderungen an die Bundesregierung sowie andere Staaten und die neue Rolle internationaler Organisationen seit dem Ausbruch der Krise.

Der neue Chefvolkswirt der OECD, Klaus Schmidt-Hebbel, empfiehlt eine expansive Fiskal- und Geldpolitik. Foto: OECD
Der neue Chefvolkswirt der OECD, Klaus Schmidt-Hebbel, empfiehlt eine expansive Fiskal- und Geldpolitik. Foto: OECD

Sie sagen für die Länder der OECD eine so schwere Rezession vorher, wie es sie seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben habe. Was unterscheidet diese Krise von früheren?

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Rezessionen, die durch Finanzkrisen ausgelöst werden, sind immer tiefer und dauern länger. Das liegt daran, dass das Kapitalangebot in solchen Phasen weit restriktiver ist, weil die Banken sich rekapitalisieren müssen. Die Weltwirtschaft wird sich daher deutlich langsamer von der aktuellen Krise erholen als beispielsweise nach der Erdölkrise Anfang der 80er-Jahre. Wir erwarten, dass 21 der 30 OECD–Länder in eine schwere, langanhaltende Rezession fallen. Erst Mitte 2010 wird sich das Wirtschaftswachstum wieder seinen langfristigen Pfad nähern.

In welchem Umfang sollten Staaten aktiv gegensteuern?

Regierungen müssen die Finanzmärkte stabilisieren und die Wirtschaft beleben – allerdings sollten sie sich auf systemisch bedeutsame Sektoren und Unternehmen beschränken. Im Grunde kommt also nur der Finanzsektor als Adressat für staatliche Hilfe in Frage. Die Kapitalspritze für die Citibank ist das beste aktuelle Beispiel dafür.

Warum sollten Banken – die die Krise im wesentlichen ausgelöst haben – vom Staat gerettet werden, Unternehmen wie Opel dagegen nicht?

Wenn große Verbrauchsgüterhersteller wie beispielsweise Autoproduzenten unter Druck geraten, hat das zwar direkte Konsequenzen für deren Mitarbeiter und Zulieferfirmen – aber keine systemischen Auswirkungen, noch nicht einmal im Autosektor selbst. Damit meine ich, dass sich die Nachfrage im gesamten Autosektor nicht verringert, wenn einzelne Unternehmen vom Markt verschwinden. Im Gegenteil: Die übrigen Firmen dürften dann sogar von mehr Nachfrage profitieren. Das ist der wesentliche Unterschied zum Finanzsektor.

Die Bundesregierung argumentiert mit den vielen Arbeitsplätzen, die in der Automobilindustrie, einer deutschen Schlüsselbranche, auf der Kippe stehen. Überzeugt Sie das Argument nicht?

Es ist auf jede andere Branche auch übertragbar. Warum sollte dem Bau nicht geholfen werden? Wer einer Branche hilft, muss im Zweifel auch einer weiteren helfen – das ist ein Fass ohne Boden. Nochmal: Ausschlaggebend muss sein, ob eine Branche oder ein Unternehmen systemisch relevant ist.

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