Ölpreis-Krise Venezuela im Abwärtsstrudel

Venezuelas Regierung hebt erstmals seit 20 Jahren den Benzinpreis an – um sagenhafte 1329 Prozent. Wegen der Ölpreis-Krise schrumpften die Einnahmen des Opec-Förderlands um mehr als zwei Drittel. Droht bald die Pleite?
Ab Freitag wird die Preiserhöhung von fast 1400 Prozent, die der venezolanische Präsident Nicolas Maduro per TV bekanntgab, an den Tankstellen wirksam. Quelle: Reuters
Präsident Maduro

Ab Freitag wird die Preiserhöhung von fast 1400 Prozent, die der venezolanische Präsident Nicolas Maduro per TV bekanntgab, an den Tankstellen wirksam.

(Foto: Reuters)

CaracasEine galoppierende Inflation und die tiefe Rezession halten das Opec-Förderland Venezuela im Würgegriff. Die Einwohner des vom Sinkflug des Ölpreises betroffenen Staates mussten im vorigen Jahr Preissteigerungen von 180,9 Prozent verkraften, wie die Zentralbank in Caracas am Donnerstag mitteilte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet, dass sich die Geldentwertung dieses Jahr noch weiter beschleunigt – auf eine Inflationsrate von 720 Prozent. Im Ringen um zusätzliche Staatseinnahmen hat die Regierung nun erstmals seit rund 20 Jahren den Benzinpreis angehoben und zugleich die Währung abgewertet. Die Wirtschaft liegt am Boden: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte voriges Jahr um 5,7 Prozent.

Bereits 2014 war die Wirtschaftsleistung um 3,9 Prozent eingebrochen. Wegen des drastisch gesunkenen Ölpreises sind laut Präsident Nicolas Maduro die Staatseinnahmen um 70 Prozent zurückgegangen. Es gibt bereits Spekulationen über eine mögliche Staatspleite des Opec-Mitglieds. Gemeinsam mit Saudi-Arabien, Katar und dem Nicht-Opec-Mitglied Russland bemüht sich Venezuela daher, durch eine Vereinbarung zur Deckelung der Fördermenge den Preisverfall des Rohstoffs zu stoppen.

Massiver Preissturz: Öl seit März 2014 um 70 Prozent gefallen

Der Staatschef des südamerikanischen Landes kündigte am Mittwoch in einer Fernsehansprache Verteuerungen bei Benzin von 1329 Prozent an. Die Veränderungen würden ab Freitag an den Tankstellen wirksam. Der Wechselkurs der Landeswährung Bolivar wird demnach um 37 Prozent auf zehn Bolivar je Dollar von bisher 6,3 Bolivar abgewertet. Zugleich kündigte Maduro Veränderungen beim Währungssystem an. Kritikern zufolge sind die Reformen nicht weitreichend genug. Sie fordern, das 13 Jahre alte Währungssystem von Maduros verstorbenem Vorgänger Hugo Chavez komplett abzuschaffen.

Bisher war Benzin in Venezuela stark subventioniert. Eine Tankfüllung gehörte lange Zeit zu den günstigsten Einkäufen. Trotz der jetzigen Anhebungen ist eine Tankfüllung für einen Kleinwagen immer noch günstiger zu haben als eine Limonade.

Diese unbekannten Multis überschwemmen die Welt mit Öl
Saudi-Arabien: Aramco
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Die staatliche saudische Ölfirma Aramco gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Kein Wunder, schließlich speist sich der Staatshaushalt des superreichen Königreiches zu fast 90 Prozent aus Öleinnahmen. Genau wegen dieser Abhängigkeit trifft der Preisverfall den weltgrößten Erdöl-Exporteur besonders hart...

Aramco-Chef Khalid Al-Falih
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Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge droht dem Land ein massives Defizit. Enorme Währungsreserven versetzen Saudi-Arabien und Aramco aber in die Position, an ihrer Politik festzuhalten und weiter große Mengen Öl in den Markt zu pumpen. Aramco-Chef Khalid Al-Falih ließ zuletzt wissen, der Konzern werde seine Investitionen nicht kürzen. Dies gilt als Ablehnung, die Fördermenge zu reduzieren.

Russland: Rosneft
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Rosneft ist nach eigener Darstellung der weltgrößte Ölproduzent in staatlicher Hand – die Regierung kontrolliert 69,5 Prozent der Anteile. Doch der Ölpreisverfall setzt den Staatshaushalt und damit auch Rosneft unter Druck. Eine Teilprivatisierung könnte schon bald frisches Geld in die russischen Kassen spülen, die Rede ist von bis zu 20 Prozent. Traditionell enge Verbindungen zum Kreml verschaffen eine bedeutende Stellung...

Wladimir Putin und Rosneft-Vorstand Setschin
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Vorstand Igor Setschin gilt als enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin. Nach der Zerschlagung des Yukos-Konzerns konnte sich Rosneft 2004 die Filetstücke einverleiben. Die Reserven belaufen sich nach Konzernangaben auf knapp 34 Milliarden Barrel (je 159 Liter) Öl. Auch im Ausland engagiert sich Rosneft, etwa in Deutschland mit 50 Prozent an der Ruhr Oel GmbH sowie an der PCK Raffinerie GmbH in Brandenburg.

China: Sinopec
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Sinopec steht für China Petroleum and Chemical Corporation. Im vergangenen Jahr stand der größte chinesische Öl- und Chemiekonzern auf Platz zwei der „Forbes“-Liste der weltweit größten Unternehmen. Der Staatskonzern ist auch der größte Raffineriebetreiber in Asien. Mit seinen Tochtergesellschaften erkundet, erschließt und fördert Sinopec Öl und Gas nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, unter anderem in Afrika...

China: Sinopec
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Mit dem Verfall der Ölpreise gerät aber auch Sinopec unter Druck. Die Ölfördermenge ging im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent zurück, während die Gasproduktion noch um 2,6 Prozent zulegte. Erstmals seit 16 Jahren fiel damit seine gesamte Produktion von Öl und Gas –mit einem Minus von 1,7 Prozent. Der Konzern ist an den Börsen in Hongkong, New York, London und Shanghai gelistet, aber mehrheitlich in chinesischem Staatsbesitz.

Venezuela: PDVSA
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Der komplett im Staatsbesitz befindliche Konzern PDVSA ist das größte Erdölunternehmen Lateinamerikas – und schwer unter Druck, da mit seinen Einnahmen die Sozialprogramme finanziert werden. Bei einem Preis von weniger als 30 Dollar je Barrel ist das aber kaum noch möglich. Das Unternehmen hat rund 150.000 Mitarbeiter und nach eigenen Angaben Förderkosten von 13 Dollar je Barrel...

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