Operation Minenfeld: Fed sucht ihr Inflationsziel

Operation Minenfeld
Fed sucht ihr Inflationsziel

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve Ben Bernanke kann auf sein erstes Amtsjahr eigentlich zufrieden zurückblicken. Doch auch wenn Widerstände überwunden wurden und vieles positiv gesehen werden kann – es gibt etwas, das unbedingt noch erreicht werden muss.

NEW YORK. Am kommenden Mittwoch wird Ben Bernanke vor dem US-Kongress Zeugnis über sein erstes Jahr als Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) ablegen. Die meisten Abgeordneten werden zufrieden sein. Das Wirtschaftswachstum ist solide, die Beschäftigung hoch und die Inflationserwartungen niedrig. Nach einigen Startschwierigkeiten hat sich Bernanke sogar das Vertrauen der vormals skeptischen Wall Street erworben.

Der Notenbanker selbst kann allerdings kaum ganz zufrieden sein. Hatte er doch bei seinem Amtsantritt erklärt, er wolle die Fed langsam aber sicher auf ein Inflationsziel einschwören. Bei diesem Vorhaben ist Bernanke in den vergangenen zwölf Monaten keinen nennenswerten Schritt vorangekommen. Im Gegenteil. Je mehr die Zentralbanker über ein Inflationsziel diskutieren, desto mehr verschwimmt es. Das ist insofern grotesk, als dass ein erklärtes Inflationsziel den Finanzmärkten eigentlich klar signalisieren soll, wohin die Notenbank mit ihrer Zinspolitik steuert.

Die Schuld dafür liegt weniger beim Fed-Chef als vielmehr in der komplizierten Gesetzeslage und dem schwierigen politischen Umfeld. Anders als andere Notenbanken hat die Fed ein gesetzlich festgeschriebenes Doppelmandat. Sie soll nicht nur für Preisstabilität sorgen, sondern auch einen hohen Beschäftigungsstand sichern. Nach Meinung von Bernanke, widersprechen sich diese Aufgaben nicht.

Mit einem expliziten Inflationsziel könne die Notenbank vielmehr die Preissteigerungsängste der Wirtschaft dämpfen und hätte damit sogar mehr Spielraum, Wachstum und Beschäftigung mit niedrigen Zinsen zu fördern, argumentiert der ehemalige Princeton-Professor.

Auf politischem Parkett hat Bernanke damit einen schweren Stand. So hat Barney Frank, der neue einflussreiche Vorsitzende des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus, der Notenbank zwar das Recht zugebilligt, sich ein Inflationsziel zu setzen. Zugleich macht der Demokrat jedoch bei jeder Gelegenheit deutlich, dass er von der Idee so gut wie gar nichts hält. Frank und andere Politiker befürchten, dass ein explizites Inflationsziel auf Kosten der Beschäftigungssicherung gehen könnte. „Die Fed will vermeiden, einen politischen Streit vom Zaun zu brechen“, sagt David Wyss, Chefökonom der Ratingagentur Standard & Poor’s.

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