
BERLIN. Der Reiseführer "Lonely Planet" ist Kult unter Individualtouristen. Jedes Jahr listet der Urlaubs-Guide die besten Hotels, Restaurants und Freizeitaktivitäten einer Region auf. In seiner aktuellen Ausgabe "Best in Travel 2010" streichelt die Redaktion auch hiesige Gemüter: Deutschland zählt dieses Jahr zu den zehn empfehlenswertesten Destinationen weltweit - ein Muss für Reiselustige. Begründung der Redaktion: Kein Land hat sich "so oft neu erfunden".
Die Schlussfolgerung der Reisefibel, die bereits millionfach über den Ladentisch ging, trifft den Kern: Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren erneuert, selbst in Bereichen, in denen man es kaum vermuten würde. Die Wirtschaft strotzt vor Selbstbewusstsein, die Gesellschaft ist weltoffener geworden, das Ausland respektiert die Deutschen für ihre Leistungen. Deutschland im Jahr 2010 macht Mut für einen positiven Blick in die Zukunft.
Natürlich hat Deutschland auch weiterhin Probleme: Das Volk vergreist. Reformen stehen im Stau. Seine heillos zerstrittene Regierung lässt viele Probleme nahezu unlösbar erscheinen - die Liste reicht vom ineffizienten Gesundheitssektor bis hin zum chaotischen Steuersystem und dem Bürokratieabbau, der häufig alles noch viel schlimmer macht. Seine Dichter und Denker ticken nicht mehr ganz so kreativ, wie es sich für das Erfinderland der humanistischen Gymnasien gehört. Frühere Vorzeigebranchen wie die erfolgsverwöhnten deutschen Automobilhersteller haben fast das Elektroauto verschlafen. Doch quer durch die Wirtschaft herrscht trotz allem Aufbruchstimmung. Die Deutschen jammern sich hoch - teilweise bis an die Weltspitze.
Krise war gestern. In diesem Jahr dürfte Deutschland ein Wirtschaftswachstum von mehr als zwei Prozent erzielen. Das ist deutlich mehr als die 0,8 Prozent, die im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre zu verzeichnen waren. Damit setzt sich Deutschland mit Schweden an die Spitze der europäischen Erholung.
Die Dynamik zwischen Kiel und Konstanz erinnert an alte Zeiten. Von 1950 bis 1959, den Jahren des Wirtschaftswunders, wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im Schnitt um 7,5 Prozent pro Jahr. Die Aufholjagd nach dem Krieg wirkte bis in die Sechzigerjahre fort.
Es folgten Jahrzehnte des Auf und Ab - Zeiten, aus denen Deutschland gelernt hat. In den Siebzigerjahren wurde die staatliche Nachfragesteuerung zum Credo der Wirtschaftspolitik ausgerufen - und es folgte ein Abrutschen in wirtschaftliche Stagnation bei steigenden Preisen. Anfang der Achtzigerjahre setzte die Wirtschaft dann durch die Belebung der Angebotsseite zu einem mehr als zehn Jahre währenden Aufschwung an.
Die Nachwirkungen überzogener Lohnabschlüsse im Gefolge der Wiedervereinigung, strukturelle Verkrustungen am Arbeitsmarkt und steigende Belastungen durch Steuern und Abgaben ließen Deutschland beim Wirtschaftswachstum Anfang dieses Jahrzehnts wieder weit zurückfallen. Das Magazin "Economist" sprach vom "kranken Mann Europas".
Deutschlands Rolle?
Schland singen. Und pünktlich am Flughafen sein.
Nicht in das neuen bild sollten Handlungen gehören, wie das Auslieferungsverlangen an Polen betreffend den vermutlichen Mossad-Mitarbeiter Uri b. Er hat sein Land verteidigt, dessen Schutz auch zu unseren Staatszielen gehört. Würde ich in diesem konkreten Falle an Stelle unseres bundespräsidenten, unseres bundestagspräsidenten oder unserer Kanzlerin handeln dürfen, so wäre Solidarität unteilbar.
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