Positive Aspekte der Tarifpolitik: IW: Niedrige Löhne treiben Konsum

Positive Aspekte der Tarifpolitik
IW: Niedrige Löhne treiben Konsum

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) brachte eine überraschende Erkenntnis: Mehr Lohn bedeutet nicht zwangsläufig, dass mehr gekauft wird. So wird eine moderate Tarifpolitik in mehr als nur einer Hinsicht als positiv angesehen.

BERLIN. Lohnzurückhaltung begünstigt nicht nur den Aufbau von Arbeitsplätzen, sie stärkt damit unterm Strich auch den privaten Verbrauch. Umgekehrt würde ein Kurswechsel der Tarifpolitik hin zu kräftigeren Lohnsteigerungen die Schwäche der deutschen Binnenkonjunktur nicht beheben, sondern verlängern. Zu dieser Schlussfolgerung führt jedenfalls eine neue empirische Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), die dem Handelsblatt vorliegt.

Vor dem Hintergrund der wichtigen Tarifrunde 2007 liefert die Studie neuen Zündstoff für die Debatte über die Kaufkrafttheorie, mit der die Gewerkschaften kräftige Lohnforderungen rechtfertigen. In der Tarifrunde für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie, die im März startet, will die IG Metall Erhöhungen von 6,5 Prozent erreichen. Die offizielle Forderung beschließt ihr Vorstand am heutigen Montag. Insgesamt wird allein in diesem Frühjahr über die Löhne von mehr als sieben Millionen Beschäftigten der Industrie und des Handels verhandelt.

Nach der Lesart der Gewerkschaften hat die seit etwa zehn Jahren vergleichsweise moderate Lohnentwicklung zwar die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft gestärkt. Zugleich habe sich dadurch jedoch der Konsum so schwach entwickelt, dass der „Exportfunken“ nicht auf die Binnenkonjunktur übersprang, wie etwa das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in einem kürzlich veröffentlichten Diskussionspapier argumentiert.

Dieser Deutung widersprechen allerdings die Berechnungen, die Hagen Lesch, Tarifexperte am Kölner IW, nun für Deutschland im Zeitraum von 1992 bis 2006 vorgelegt hat. Sein Fazit daraus: „Die jüngsten Erfolge auf den Auslandsmärkten sind nicht auf Kosten einer schwachen Konsumnachfrage erzielt worden.“ Es lasse sich gerade „kein Zielkonflikt zwischen Lohnzurückhaltung und Nachfragestimulierung“ feststellen.

Im Mittelpunkt der Analyse steht dabei, welche ökonometrischen Zusammenhänge sich zwischen der Beschäftigungsentwicklung, der Lohnentwicklung und dem privatem Konsum nachweisen lassen. Zusammengefasst, lauten die Kernaussagen: Ein steigendes Beschäftigungsniveau erhöht den privaten Konsum in stärkerem Maße als ein steigendes Reallohnniveau. Und gleichzeitig besteht auch ein stärkerer, allerdings negativer Zusammenhang, zwischen Lohnsteigerungen und Beschäftigung.

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