Preisentwicklung
Wie Sachsen die Geldpolitik der EZB beeinflusst

Sachsen ist das erste Bundesland Deutschlands, das die monatlichen Verbraucherpreise veröffentlicht. Für Analysten und Händler ist das ein wichtiger Anhaltspunkt für die Gesamtinflation in der Eurozone.

Frankfurt/EdinburghDie Preisentwicklungen in Sachsen sind für Markt-Analysten und Händler zu einem wichtigen Schwerpunkt geworden, wenn sie versuchen, Anhaltspunkte für die Gesamtinflation im ganzen Land und der Eurozone zu finden. Denn Sachsen ist das erste Bundesland in Deutschland, das die monatlichen Verbraucherpreise veröffentlicht.

In einer Zeit, in der die Inflation die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dominiert, kommt Sachsen damit eine vergleichsweise hohe Bedeutung zu.

„Je früher man jede Art von Anhaltspunkt für die Daten bekommt, desto besser ist das“, sagt Neil Jones, Chef für Hedgefonds-Verkäufe bei Mizuho Bank Ltd. in London. „Sachsen veröffentlicht als erstes, es befindet sich in Deutschland, was offensichtlich die größte Volkswirtschaft in der Eurozone ist – und das gibt Anhaltspunkte für das Potenzial weiterer Konjunkturmaßnahmen in der Zukunft.“

Die Reaktion auf die Zahlen, die am vergangenen Mittwoch von Sachsen veröffentlicht worden sind, verdeutlicht, wie sehr der Finanzmarkt auf die Daten aus dem Freistaat achtet. Der Euro schnellte unmittelbar um 0,2 Prozent gegenüber den Dollar hoch und die zehnjährigen Bundesanleihen bauten ihre Gewinne ab, als die Daten zeigten, dass die Inflation im März wieder an Fahrt gewonnen hatte.

In den vergangenen zwölf Monaten bewegte sich der Euro im Durchschnitt jedes Mal um rund 0,08 Prozent gegenüber dem Dollar in den ersten fünf Minuten nach Veröffentlichung der jeweiligen Teuerungsdaten aus Sachsen.

Das ist zwar kaum ein grundlegender Stimmungswechsel. Und die Daten werden jeweils gesendet, wenn der Aktienmarkt in Frankfurt öffnet. Doch die Reaktion auf die Sachsen-Daten fällt in aller Regel stärker aus als etwa auf die Verbraucherpreise der gesamten Eurozone. Selbst beim jüngsten Ifo-Geschäftsklimaindex, auf den meist stärker geachtet wird, reagierte der Euro nicht derart stark.

Laut Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenstrategie bei der Commerzbank AG in Frankfurt, hatten Überraschungen beim Ifo-Index die Wechselkurse lange Zeit signifikant bewegt. „Doch das ist nicht mehr der Fall.“

Sachsens Bedeutung hängt letztlich mehr vom Zeitpunkt der Veröffentlichung ab von allem anderen. Es ist der erste Indikator für die deutsche Inflationsrate – und weniger ein Richtungsweiser für die deutsche Wirtschaft.

„Ich glaube nicht, dass Sachsen ein guter Indikator für die deutsche Inflation als Ganzes ist“, sagt Stefan Kipar, ein Volkswirt bei der Bayerischen Landesbank in München, im Gespräch mit Bloomberg. Größere Bundesländer würden die Zahlen für Gesamt-Deutschland stärker beeinflussen. Dennoch lasse sich mit Blick auf Sachsen sagen, dass „für gewöhnlich die erste Information jene ist, die die stärkste Reaktion an den Märkten auslöst“, meint Kipar.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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