Prognose für 2017

Jobaufbau verliert an Tempo

Die Arbeitslosigkeit wird auch in den kommenden Monaten sinken, glaubt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Doch der Jobaufbau wird sich laut ihrer Prognose spürbar verlangsamen.
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Die Chancen seinen Arbeitsplatz zu verlieren sind aufgrund des Kräftemangel so gering wie lange nicht. Quelle: dpa
Sicherer Job

Die Chancen seinen Arbeitsplatz zu verlieren sind aufgrund des Kräftemangel so gering wie lange nicht.

(Foto: dpa)

NürnbergIn deutschen Betrieben wird sich nach Prognosen von Arbeitsmarktforschern der Jobaufbau in den nächsten Monaten spürbar verlangsamen. Zwar entstünden immer noch neue Arbeitsplätze, auch sinke die Arbeitslosigkeit weiter - anders als im Vorjahr sei beim Beschäftigungsaufbau aber der „starke Rückenwind weg“, berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag bei der Veröffentlichung ihres Arbeitsmarktbarometers für Januar.

Der Indikator für die Beschäftigungsentwicklung ist nach IAB-Angaben zum Jahresbeginn mit 104,8 Punkten den vierten Monat in Folge zurückgegangen. Der Seismograph für die Entwicklung der Beschäftigung sank damit auf den niedrigsten Wert seit rund 20 Monaten. Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit beruft sich dabei auf eine monatliche Umfrage bei den Chefs der 156 deutschen Arbeitsagenturen.

Was für und gegen einen Aufschwung 2017 spricht
Pro Aufschwung: Privater Konsum
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Alle Experten rechnen 2017 mit einer Rekordbeschäftigung und Zehntausenden neuen Jobs. Zusammen mit steigenden Löhnen in vielen Branchen ist das ein Garant dafür, dass der private Konsum ein wichtiger Pfeiler des Aufschwungs bleibt. Er macht etwa 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und wirkt wie ein Schutzschild gegen außenwirtschaftliche Risiken.

Contra Aufschwung: Inflation
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Die Inflation meldet sich mit den höheren Ölpreisen zurück. Die Teuerungsrate erreichte im Dezember bereits mit 1,7 Prozent den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren. Für 2017 erwarten die meisten Experten einen Wert um 1,5 Prozent, nachdem es 2016 im Jahresschnitt 0,5 und 2015 sogar nur 0,3 Prozent waren. Das schmälert die Kaufkraft der privaten Haushalte.

Pro Aufschwung: Baubranche
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Die Baubranche brummt. Sie peilt für 2017 die höchsten Umsätze seit rund 20 Jahren an. Die Firmen melden das dickste Auftragspolster seit 1995. Ein wichtiger Grund dafür: Vor allem in den Großstädten fehlen Hunderttausende Wohnungen, der Nachholbedarf ist entsprechend groß. Der Bau, der für etwa zehn Prozent der Wirtschaftsleistung steht, schirmt die Konjunktur ebenfalls vor Gefahren von außen ab.

Contra Aufschwung: Handelskrieg
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Der Weltwirtschaft droht ein Handelskrieg. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat wiederholt Strafzölle auf Billig-Importe aus Ländern wie China und Mexiko ins Spiel gebracht. Ein Handelskrieg mit höheren Zöllen würde die Exportnation Deutschland besonders stark treffen.

Pro Aufschwung: Export
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Der schwache Euro hilft den Exporteuren. Kostete die Gemeinschaftswährung im vergangenen Jahr noch bis zu 1,15 Dollar, so notiert sie derzeit nur noch bei gut 1,06 Dollar. Das macht deutsche Waren in Übersee billiger und dürfte beispielsweise den Absatz auf dem wichtigsten Markt USA ankurbeln.

Contra Aufschwung: Brexit-Nachwehen
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Großbritannien hat den Brexit-Schock bislang gut verdaut. Doch für 2017 sagen Experten eine Halbierung des Wachstums auf etwa ein Prozent voraus. Im Vorgriff darauf hat das britische Pfund bereits kräftig abgewertet. Das macht deutsche Waren dort teurer. Für die hiesigen Exporteure sind das schlechte Nachrichten, schließlich ist Großbritannien ihr drittgrößter Absatzmarkt nach den USA und Frankreich.

Pro Aufschwung: Binnenkonjunktur
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Der Staat gibt mehr Geld aus – etwa für die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen. Auch das gibt der Binnenkonjunktur Impulse.

Für den IAB-Arbeitsmarktforscher Enzo Weber ist der gedrosselte Jobaufbau aber keineswegs ein Hinweis auf eine Konjunkturabkühlung oder gar eine drohende Jobkrise - im Gegenteil: „Viele Firmen haben weiter Bedarf an guten Mitarbeitern und würden auch entsprechende Arbeitsplätze schaffen - viele finden aber nicht mehr die benötigten Arbeitskräfte“, erläuterte der Experte der Deutschen Presse-Agentur.

Bisher hätten Unternehmen ihren Bedarf an Arbeitskräften - auch dank der Zuwanderung - einigermaßen decken können. Das werde aber immer schwieriger, beobachtet er. Dadurch blieben immer mehr freiwerdende Jobs unbesetzt. Manche Stellen würden wegen der schwierigen Bewerbersuche gar nicht erst geschaffen. Dabei handele es sich keineswegs nur um Stellen für Fachkräfte mit Uni-Abschluss, sondern auch um Jobs für Arbeitskräfte mit mittlerer Qualifikation, erläuterte Weber.

Die gute Nachricht der Nürnberger Arbeitsmarktforscher: Die Arbeitslosigkeit, so die Prognose der 156 deutschen Arbeitsagentur-Chefs in der IAB-Umfrage, werde zumindest in den kommenden drei Monaten saisonbereinigt weiter sinken - trotz steigender Flüchtlingsarbeitslosigkeit. Auch das hänge mit der wachsenden Zahl von Beschäftigten zusammen, die inzwischen altersbedingt verstärkt aus dem Berufsleben ausschieden.

Von der Entwicklung profitierten neben Jobsuchern zunehmend auch Männer und Frauen, die Arbeit haben. Inzwischen liege das Risiko, entlassen zu werden, so niedrig wie zuletzt bei der deutschen Wiedervereinigung, berichtete Weber. Firmen würden sich Beschäftigte sichern, da die Wiederbesetzung freier Stellen schwieriger geworden sei. Das aus zwei Komponenten gebildete Arbeitsmarktbarometer stieg im Januar auf 0,1 Punkt auf 103,2 Punkte. Alle Werte über 100 signalisieren einen Jobaufschwung, Werte darunter eine Jobkrise.

  • dpa
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