
KIEL. Die Finanzkrise hat die Staatsverschuldung überall im Westen in schwindelerregende Höhen getrieben. So steigt in Deutschland die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben von null Prozent des Nationalprodukts im Jahr 2008 auf 5,2 Prozent in 2010. Frankreich erwartet einen Anstieg der Neuverschuldung von 3,4 auf 8,3 Prozent, Großbritannien von fünf auf elf Prozent, Japan von 5,6 auf 8,5 Prozent, und die USA rechnen mit einem Zuwachs von 3,3 auf neun Prozent.
Die OECD rechnet damit, dass das Verhältnis von Schulden zu Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr in vielen Industriestaaten die Marke von 100 Prozent übersteigen wird – ein in Friedenszeiten einmaliger Vorgang. Wenn der Westen nicht der Größe des Problems angemessen handelt, wird ihn ein Schulden-Tsunami überrollen.
Politiker in allen westlichen Industriestaaten hoffen angestrengt darauf, dass der Schuldenanstieg nur temporär ist. Sie hoffen, dass ihre expansive Finanzpolitik die Krise bald beendet und neues Wachstum, mehr privaten Konsum und mehr private Investitionen bringt. Dann, so hoffen sie, steigen die Steuereinnahmen, die Staatsausgaben sinken. Und die hohe Neuverschuldung wäre der richtige Weg gewesen, den Brand zu löschen und die Krise zu meistern.
Doch die Hoffnung trügt diesmal. Denn die Finanzkrise ist leider nur ein Vorbote dessen, was uns erwartet. Den westlichen Volkswirtschaften stehen in den kommenden Jahren drei tektonische Verschiebungen bevor, die uns ökonomisch sehr hart treffen werden: ein langfristig geringeres Wirtschaftswachstum, ein beharrlicher Anstieg der realen Zinsen und der sich beschleunigende Prozess einer zunehmenden Alterung der Bevölkerung in den meisten Industriestaaten.
Die erste tektonische Verschiebung wird ein dauerhaftes Absinken der Wachstumsraten in den Industrieländern sein. Vor der Krise erlebten die westlichen Länder ihre goldenen Jahre mit hohen Wachstumsraten bei niedrigen Zinsen. Ist die Wachstumsrate höher als die Zinsrate, ist es durchaus sinnvoll, Schulden anzuhäufen. Denn dann werden die Schulden aus dem Wachstum heraus beglichen.
des "Pudels Kern" des sich nähernden Schuldentsunamis
wird -wie so gerne- mal wieder nicht genannt...
... der gesamte Wirtschaftskreislauf muß ja schliesslich finanziert werden;
und an der basis, gleichsam die Pumpe, welche den Kreislauf entstehen lässt, steht der Konsum.
Schaut man sich nun die globalen Waren- und Kapitalströme an,
sieht man sehr schnell diese immensen Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen.
Wie diese Ungleichgewichte die letzten Jahre vor der Krise finanziert wurden,
ist ja nun bekannt: es war der "immobiliengesicherte-Konsum-auf-Pump".
(überbewertete immobilien -> uneinbringliche Forderungen -> banken+Finanzkrise).
Und um die Weltwirtschaft
-welche sich und ihre Produktionskapazitäten an diesen Konsum angepasst hat-
nun nicht in einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale absaufen zu lassen (weniger Konsum auf Pump -> weniger Produktion, Handel+Transport -> weniger Arbeit -> weniger Einkommen (aus Arbeit+Kapital) ==>> noch weniger Konsum ==>> noch weniger Arbeit ===>>> usw. usf.),
springt nun halt "Papa Staat" mit seinen Konjunkturprogrammen in die Presche.
Soweit die Zusammenhänge.
"des Pudels Kern" wurde nun zwar auch nicht explizit benannt,
ist aber erkennbar:
es ist die Problematik der Konsumfinanzierung.
was früher Lohnkosten und Arbeitseinkommen waren,
sind heute Kapitalkosten und Kapitalerträge;
Was früher Millionen von Arbeitnehmern zum Konsum zur Verfügung stand,
und über die Nachfrage nach Produkten die ganze Wertschöpfungskette hinter sich hergezogen hat,
steht heute einer Minderheit an Kapitaleignern zur Verfügung,
und muss nun zwangsläufig über Kredit in den Wirtschaftskreislauf zurückfliessen.
Der nachfragewirksamme Hypothekenkredit (MEW's) fällt -bis auf weiteres-
für die Konsumfinanzierung wohl eher flach...
... was bleibt, ist "Papa Staat", welcher über allerlei Programme
das Geld nachfragewirksam werden lässt.
Das gab's im übrigen auch schon einmal...
... "Roosevelt's New Deal" ...
wie lange dies damals funktioniert hat,
und was danach kam,
kann sich ein jeder selbst "ergoogeln" ...
@Jörg Müller [15] schrieb: "Den exorbitanten Schulden der Staaten, der Unternehmen und der Privathaushalte weltweit stehen logischer Weise exorbitante Vermögen/Forderungen spiegelbildlich gegenüber".
Diese Annahme betrachte ich höchst skeptisch und neige (ohne konkrete belege) eher zur Annahme, dass die ausgewiesenen Vermögenswerte erheblich überbewertet sind. Vielfach betrifft es Vermögenswerte, die nicht handelbar sind und die deshalb keinen Marktpreis besitzen. Forderungen im nicht öffentlichen bereich sind häufig mangels Masse wertlos. Wir müssten wohl auch keine Finanzblase fürchten, wenn die (fungible) Geldmenge durch fungibles Vermögen gedeckt wäre. Aus dieser Sicht stellt sich die Frage nach den Eigentümern der Welt nicht, sondern der Ehrlichkeit der bilanzen und Haushalte. So wird sich mancher (Klein-)Anleger besorgt fragen, wieviel Luft in seinen Anleihen dgl. steckt. Ein vergleichbares Problem ist die bemessung des beitrags des öffentlichen Dienstes zum biP.
Viele Schulden bedeuten auch immense Vermögen.
Den exorbitanten Schulden der Staaten, der Unternehmen und der Privathaushalte weltweit stehen logischer Weise exorbitante Vermögen/Forderungen spiegelbildlich gegenüber.
Man sollte herausfinden wer die "Eigentümer der Welt" sind und ob sie auf rechtsmäßigem Wege zu diesen extremen Vermögen gekommen sind (Manipulationen/bestechung/Einflussnahmen/Vetterwirtschaft).
Falls diese Vermögen nicht rechtschaffen erworben wurden sollten sie enteignet werden (was natürlich ein formaljuristisches Problem ist).
18 Kommentare
Alle Kommentare lesen