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Rezession stärker als erwartet: „Derartiger Rückgang wäre bislang einmalig“

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet für das laufende Jahr den schwersten Konjunktureinbruch in der Geschichte der Bundesrepublik: Ein Rückgang der Jahreswirtschaftsleistung „von mehr als drei Prozent“ sei wahrscheinlich.

Dunkle Wolken hängen über den Containerbrücken im Hamburger Hafen: Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft sind weiter düster. Quelle: dpa
Dunkle Wolken hängen über den Containerbrücken im Hamburger Hafen: Die Prognosen für die deutsche Wirtschaft sind weiter düster. Quelle: dpa

HB BERLIN. Die deutsche Wirtschaft steckt nach Einschätzung des Berliner DIW auch zum Jahresauftakt tief in der Rezession. Die Wirtschaftsforscher sagten am Montag ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung von 1,4 Prozent zum Vorquartal voraus – verglichen zum Vorjahreszeitraum würde das Bruttoinlandsprodukt damit um 4,5 Prozent zurückgehen. „Ein derart kräftiger Rückgang der ökonomischen Aktivität wäre in der west- beziehungsweise gesamtdeutschen Nachkriegsgeschichte bislang einmalig“, sagte DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths am Montag. Damit dürfte auch im gesamten Jahr das Minus größer ausfallen als bislang angenommen und ebenfalls einen Negativrekord markieren. Bislang war das DIW davon ausgegangen, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um gut ein Prozent schrumpfen wird.

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„Da die deutsche Volkswirtschaft bereits mit einem statistischen Unterhang von zwei Prozentpunkten in das laufende Jahr gestartet ist, liegt ein Rückgang der Jahreswirtschaftsleistung von deutlich mehr als drei Prozent nunmehr im wahrscheinlichen Bereich“, sagte DIW-Experte Kooths. Der statistische Unterhang bedeutet, dass die Wirtschaft 2009 selbst dann schrumpfen würde, wenn in allen Quartalen Stagnation herrschen sollte.

Im vierten Quartal 2008 war die Wirtschaft mit 2,1 Prozent noch stärker geschrumpft als von Experten angenommen. Vor allem der Einbruch der Exporte und das kräftige Minus bei den Investitionen waren für den historischen Konjunktureinbruch verantwortlich.

Zum Jahresauftakt sei damit zu rechnen, dass das Produzierende Gewerbe sich weiter abkühle, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung weiter mit. Auch die Bauleistung werde wohl zurückgehen. Das dürfte die unternehmensnahen Dienstleister belasten; die sonstigen Dienstleister seien dagegen weniger betroffen, da sie von der stabileren Entwicklung des privaten Konsums und dem öffentlichen Bereich profitierten.

Entscheidend für die weitere Entwicklung der deutschen Konjunktur sei, ob das weltweite Wachstum wieder anziehe, schrieben die Experten weiter. Die staatlichen Konjunkturpakete könnten zwar dazu beitragen, ein Überspringen des Abschwungs auf die konsumnahen Bereiche zu dämpfen, sagte Kooths. „Ein Ersatz für die derzeit wegbrechende Nachfrage nach Investitionsgütern ist damit aber nicht zu schaffen.“

Die deutsche Industrie sammelte bereits im vergangenen Jahr in allen Monaten mit Ausnahme von August weniger Aufträge ein, vor allem aus dem Ausland war die Nachfrage schwach. Der Branchenverband BGA geht davon aus, dass in diesem Jahr die Ausfuhren erstmals seit 1993 zurückgehen.

Auch der Bankenverband malt die aktuelle Lage in düsteren Farben. „Die deutsche Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession. Mit einer allmählichen Stabilisierung ist aus heutiger Sicht frühestens im Sommer zu rechnen“, erklärte der Geschäftsführende Vorstand Manfred Weber. Diese Hoffnung stütze sich auf die weltweit sehr expansive Geld- und Fiskalpolitik, den stark gesunkenen Ölpreis und rückläufige Inflationsraten.

Nach Ansicht des Verbands sind die Aussichten für einen anschließenden raschen Aufschwung aber keineswegs günstig. „Wegen der in vielen Ländern erforderlichen strukturellen Anpassungen ist aus heutiger Sicht sowohl für die Weltkonjunktur als auch für die stark exportabhängige deutsche Wirtschaft nur eine langsame Erholung zu erwarten“, schrieb der Bankenverband.

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