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Saat für nächste Finanzkrise: Ökonomen warnen Notenbanken

Führende Volkswirte warnen die Notenbanken davor, mit ihrer lockeren Geldpolitik gerade die Saat für die nächste Finanzkrise zu legen. Ihr Argument: Die Zinsen seien unnatürlich niedrig, was aus Sicht der Ökonomen auf Dauer nicht gut geht.

Ökonomen warnen die EZB und Landesbanken vor einem anhaltenden Eingriff in die Marktwirtschaft. Quelle: dpa
Ökonomen warnen die EZB und Landesbanken vor einem anhaltenden Eingriff in die Marktwirtschaft. Quelle: dpa

FRANKFURT. Im Euroraum liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit bei einem Prozent. So argumentiert etwa Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Barclays Capital Deutschland, argumentiert: Bei den derzeit extrem niedrigen Zinssätzen greifen die Kreditnehmer zu und finden sehr günstige Anschlussfinanzierungen. Nach und nach stelle sich das Wirtschaftsleben auf das niedrige Zinsniveau ein. Wenn die Zinsen dann wieder erhöht würden, sei der Schreck groß. Viele Investitionen erwiesen sich als nicht mehr rentabel. Ein weiteres Problem: Viele Investitionen würden durch das niedrige Zinsniveau überhaupt erst ausgelöst und nicht durch stabile Ertragsaussichten.

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Künstlich niedrige Zinsen steigerten neben Investitionen, die nicht nachhaltig seien, auch den Konsum, urteilt Polleit. Die Sparquote sinke. Die Produktionsstruktur der Wirtschaft werde verzerrt. Das Konjunkturgebäude kollabiere, so seine düstere Prognose. „Das ist ein Eingriff in das Kernstück der Marktwirtschaft“, sagt Polleit, zumal die Notenbanken jetzt auch durch den zusätzlichen Ankauf von Staatsanleihen den langfristigen Zins manipulierten und letztlich drückten. Der Ankauf sei zwar rückläufig, aber die Erwartung sei, dass die Zentralbanken immer wieder an den Markt zurückkehren könnten. William R. White, der frühere Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und heute für die OECD in Paris tätig, stellt selbst den kurzfristigen Nutzen der Niedrigzinsen in Zweifel. „Mittelfristig sind die Kosten einer solchen Geldpolitik erheblich.“

White war einer der Wenigen, die schon 2006 vor einer Finanzkrise warnten. Allerdings wurde das heruntergespielt. Der damalige BIZ-Chef Malcolm Knight hatte sich noch Anfang 2007 geweigert, dazu öffentlich Stellung zu beziehen. Sein Argument: Das würde die Finanzmärkte erschrecken. Ein grober Fehler, wie sich im Nachhinein zeigte: Über die Welt brach kurz darauf die Finanzkrise herein.

Daraus hat die BIZ gelernt. Whites früherer Arbeitgeber widmet den Risiken der Niedrigzinspolitik in seinem jüngsten Jahresbericht ein ganzes Kapitel. „Die anhaltende Niedrigzinsstrategie verursacht Kosten, die mit der Zeit immer mehr ansteigen“, schreibt die BIZ. Die Erfahrung lehre aber, dass längere Phasen ungewöhnlich niedriger Zinssätze die Bewertung von Finanzrisiken verzerrten, ein ungesundes Streben nach Rendite auslösten und Bilanzanpassungen verzögerten. Außerdem ergäben sich Differenzen in den Renditen, die in unterschiedlichen Staaten erwirtschaftet werden könnten. Das führe zu nicht gerechtfertigten Kapitalzuflüssen in Staaten, die hohe Zinssätze böten.

  • 03.08.2010, 15:04 UhrAnonymer Benutzer: Roland Wieser

    Mich verwundert das liberale Ökonomen (wie Polleit) und Manager der vom Staat geretteten Commerzbank schon wieder liberale wirtschaftliche Tips geben.

    Nochdazu nachdem gerade vor kurzem ihre Philosophie von der die Deregulierung der Finanzmärkte, dem Zurückdrängen des Staates, der Privatisierung und des Lohndumpings, durch die von ihnen verursachte Krise, den bach hinuntergespült wurden.

    Faktum ist das niedrige Zinsen für das Wirtschaftswachstum zwingend sind. Nur wenige Unternehmer investieren ordentlich in ihre Firma, wenn die Kreditzinsen über dem Wirtschaftswachstum liegen oder wenn sie am Finanzmarkt für ihr Geld hohe Renditen bekommen.

    Witzigerweise gebrauchte dieses volkswirtschaftliche instrument die bush Regierung, als alle liberalen Maßnahmen die Krise nur noch verstärkten.

    Leider kam diese Einsicht zu spät. Da sich die Wirtschaft damals schon tief in der Rezession befand.

    Dadurch entstand ein Sicherheitsdenken. Es wurde zu viel gespart und trotz des extrem niedrigen Zinsniveaus investierte, wie Keynes einst prophezeite, praktisch niemand in die Realwirtschft.


  • 03.08.2010, 13:36 UhrAnonymer Benutzer: kassberg

    "Dass die Politiker inzwischen gelernt haben, dass Staatsschulden zurückgeführt werden müssen, davon ist er nach der von Griechenland ausgelösten Schuldenkrise überzeugt."

    selten so gelacht ....

  • 03.08.2010, 12:34 UhrAnonymer Benutzer: no.7

    Die Politpfuscher werden dies solange ignorieren, bis es gewaltig kracht. Dann muß der Staatshaushalt herhalten, um den Schaden zu bezahlen. Wie kann man denn so dumm sein und glauben, daß man eine abwärtsentwicklung der wirtschaft, das heißt: Schrumpfung, auf dauer durch geldpolitische tricks verhindern kann ? Diese ständige Nullzinspolitik der notenbanken hat durch die verzerrung des Konsums beispielsweise auch zur folge, daß deutsche autobauer im Moment teure autos in Massen verkaufen. dabei ist es doch offensichtlich, daß sehr viele dieser autos auf Pump gekauft werden und daß der einbruch, der kommen wird, umso härter ausfallen wird. denen wird dann ihr dämliches Hochgejubel im Halse steckenbleiben. Dann werdet ihr "Premium" bekommen, einen Premiumabschwung bekommt ihr dann, und lange wirds nicht mehr dauern. Es ist ganz klar, solange nichts passiert wird stur Nullzins weitergefahren. wir brauchen ja wirtschaftswachstum, nicht ? -wenns kracht, greift Merkel dann wieder in unsere Kasse, Leute, und verteilt das Geld wieder an die wirtschaft. Mal sehen wieviele milliarden es dann wieder sein werden. Und dann werden sich die anleihekäufer fragen, ob deutschland das ganze Geld überhaupt zurückzahlen kann. Die Geldgeber brauchen es nur zu merken, wie schlecht die längerfristigen Aussichten für die deutschen Staatsfinanzen wirklich sind. das will im moment niemand wahrhaben, dennoch kann es von einem tag auf den nächsten kommen.

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