Schwache Konjunktur Der EZB ist locker vielleicht nicht locker genug

Zu niedrige Inflation, zu wenig Wachstum. Als „enttäuschend” bezeichnen die europäischen Währungshüter in den Protokollen ihrer jüngsten Sitzung die Entwicklung der EU-Wirtschaft. Sie wollen auf die Flaute reagieren.
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Mit seinem Anleihenkaufprogramm stieß Mario Draghi zu Beginn dieses Jahres zwar eine Börsenhausse an. Fundamental änderte das aber wenig an der kränkelnden Wirtschaft Europas. Quelle: dpa
Mario Draghi

Mit seinem Anleihenkaufprogramm stieß Mario Draghi zu Beginn dieses Jahres zwar eine Börsenhausse an. Fundamental änderte das aber wenig an der kränkelnden Wirtschaft Europas.

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FrankfurtDie eher maue wirtschaftliche Erholung Europas lässt die Währungshüter der Europäischen Zentralbank weitere geldpolitische Konsequenzen in Betracht ziehen. So ist die Europäische Zentralbank ist gegebenenfalls bereit, ihr Programm der quantitativen Lockerung (QE) anzupassen, um auf die Volatilität an den weltweiten Märkten angesichts der „ungewöhnlich niedrigen” Inflation und des „enttäuschenden” Wirtschaftswachstums zu reagieren. Das geht aus den der Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung vom 15. und 16. Juli (den so genannten „Accounts”) hervor.

„Während die jüngste Marktvolatilität die Einschätzung des Konjunkturausblicks nicht wesentlich verändert hat, erfordert die anhaltend höhere Unsicherheit Wachsamkeit und eine Bereitschaft, gegebenenfalls zu reagieren”, schreibt die EZB in dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll. Der Rat war sich einig, dass „die Konzeption der Aktiva-Kaufprogramme ausreichend Flexibilität für eine Anpassung bietet, sollten sich die Verhältnisse ändern und die Notwendigkeit dafür bestehen”, heißt es weiter in dem Bericht.

Die Währungshüter konstatierten, dass die Inflation in dem 19 Länder umfassenden Währungsblock offenbar den Tiefpunkt hinter sich gelassen habe. Sie äußerten sich jedoch besorgt, dass die Erholung der Region weiterhin durch die Griechenland- Krise und die Turbulenzen an den Schwellenländer-Märkten bedroht ist. EZB-Präsident Mario Draghi sagte in der Pressekonferenz am 16. Juli in Frankfurt, dass die EZB bereit sei, alle innerhalb ihres Mandats verfügbaren Mittel zu nutzen, um einer unerwünschten Straffung der Geldpolitik zu begegnen.

Die Wirtschaft des Euroraums ist im zweiten Quartal voraussichtlich um 0,4 Prozent gewachsen, unverändert gegenüber den drei Monaten zuvor, und der endgültige Wert für die Inflationsrate dürfte im Juli bei 0,2 Prozent liegen, ergaben Bloomberg-Umfragen. Eurostat in Luxemburg wird die Daten am Freitag um 11 Uhr veröffentlichen.

Der Rat beschloss die Finanzmärkte weiterhin ‘‘genau zu beobachten''. Die Währungshüter waren der Ansicht, dass die Juli-Vereinbarung zwischen Griechenland und seinen Kapitalgebern zur Aufnahme von Gesprächen für eine Hilfsvereinbarung das Risiko von negativen Auswirkungen auf die Region ‘‘erheblich reduziert'' habe. Sie sagten außerdem, dass die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten möglicherweise ‘‘größer als erwartete Negativeffekte'' haben werden wegen der herausragenden Rolle des Landes im weltweiten Handel.

Wie Sie dem Niedrigzins ein Schnippchen schlagen
Tages- und Festgeldkonten werfen kaum etwas ab:
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Sparer haben es im Euro-Raum derzeit schwer. Auf Tages- und Festgeldkonten gibt es kaum noch Zinsen und es sieht nicht so aus, als ob die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins in der nächsten Zeit erhöhen wird und so Sparern wieder zu mehr Einnahmen verhilft. Für Kleinanleger kann es sich durchaus lohnen, in Aktien zu investieren. Allerdings sollten sie einige Regeln beachten.

Europaweit niedrige Zinsen
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Eine solche Situation, wie sie derzeit an den Märkten herrscht, ist nicht nur für die Kanzlerin Neuland.

Welche Produkte eignen sich für Einsteiger?
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Gut geeignet für Einsteiger sind sogenannte ETF, börsengehandelte Indexfonds. Anleger setzen damit auf die Entwicklung bestimmter Indices, wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (Dax). Allerdings sollten Aktienneulinge nicht auf den Dax setzen, sondern auf breit gestreute Fonds, die nicht nur den deutschen, sondern mindestens den europäischen Aktienmarkt umfassen. Laut „Finanztest“ sind globale Fonds am besten geeignet. Sie umfassen nicht nur Aktien verschiedener Länder, sondern zusätzlich Wertpapiere unterschiedlichster Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Ihr Risiko ist also weit gestreut. Beispiele für mögliche ETF sind der MSCI World-Index oder der Stoxx Europe 600.

Wie groß ist das Risiko bei ETF?
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Aktienanlagen sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden, auch Investitionen in ETF. Andere Fonds – zum Beispiel Branchenfonds – sind potentiell aber um einiges riskanter. Grundsätzlich sollten Durchschnittssparer beachten, dass sie nur Geld investieren, welches sie langfristig entbehren können – laut „Finanztest“ mindestens für zehn Jahre, besser noch länger. So lassen sich auch zwischenzeitliche Börseneinbrüche aussitzen.

Was ist mit Aktien einzelner Unternehmen?
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Wer Einzelaktien kauft, ist dem Unternehmen „auf Gedeih und Verderb“ ausgeliefert, warnt Beckerle. In einigen Fällen winken enorme Gewinne. Wer zum Beispiel Anfang 1997 Apple-Aktien für 1000 Dollar kaufte, ist heute um mehr als 200.000 Dollar reicher. Negativ ins Gedächtnis gebrannt hat sich vielen Anlegern in Deutschland das Beispiel der Telekom-Anleihe. Die „Volksaktie“ stieg zunächst rasant und fiel dann umso stärker. Beckerle rät Verbrauchern von Einzelaktien ab.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt zum Aktienkauf?
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Nein. Auch wenn die Aktienmärkte gerade nur den Weg nach oben kennen, kann sich der Einstieg lohnen. Finanzexpertin Beckerle rät Verbrauchern zum Einstieg in Raten. Die festgelegte Anlagesumme wird dabei in mehrere Teilbeträge aufgeteilt und im Abstand von mehreren Wochen oder Monaten investiert. Eine weitere Möglichkeit sind dauerhafte monatliche Beträge, die in einen Fonds fließen.

Wo kaufe ich die Aktien?
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Für Einsteiger empfiehlt Beckerle den Kauf über eine Direktbank. Dort sei die Depoteröffnung und Verwaltung meist billiger als bei der Hausbank. Viele Hausbanken würden zudem ihre eigenen Fonds empfehlen, nicht unbedingt ETF. Allerdings: Direktbanken bieten ihren Kunden keine Beratungshilfe an. Wer dort Aktien kauft, muss vorher genau wissen, was er will. Versiertere Anleger, die sich für sogenannte gemanagte Fonds interessieren, fahren meist billiger, wenn sie die Anteile direkt bei Fondsvermittlern im Internet kaufen.

Zudem warnen die Währungshüter vor den Gefahren der Turbulenzen auf dem chinesischen Markt. „Finanzielle Entwicklungen in China könnten einen größer als erwarteten negativen Effekt haben”, hieß es im Protokoll. Dabei wiesen die Euro-Wächter auf die starke Stellung der Volksrepublik im Welthandel hin. Chinas Konjunktur hatte sich zuletzt merklich abgekühlt. Im Monat vor dem EZB-Treffen war die Börse in Shanghai auch deswegen um rund 20 Prozent eingebrochen.

China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Europa. Immer mehr Volkswirte halten es nicht mehr für wahrscheinlich, dass das asiatische Land 2015 das offizielle Wachstumsziel der Regierung von sieben Prozent schafft. Ohnehin wäre das der geringste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert.

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3 Kommentare zu "Schwache Konjunktur: Der EZB ist locker vielleicht nicht locker genug"

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  • Billiges Geld löst nicht die Probleme der Euro-Krisenländer. Es braucht unternehmerische Investitionen um die Konjunktur anzukurbeln. Wenn billiges Geld die Wirtschaft ankurbeln würde, dann müsste Griechenland der Konjunkturmotor der Euro-Zone sein.

  • Wie wäre es denn einfach mal an alle Haushalte einen Scheck über 1000 € sozusagen staatliches Urlaubsgeld zu versenden. Immer den Banken die Kohle in den Arsch blasen scheint nichts für den Konsum zu bringen, die Banken sind satt. Kredite will keiner also was solls? Das solche Fragen überhaupt auftauchen zeigt aber, dass unser Wirtschaftssystem dringend umgebaut gehört. Diese ganzen aufgeblasenen Assetmärkte sind ein deutliches Zeichen von Fehlallokationen die uns noch teuer zu stehen kommen werden.

  • Was wäre denn locker genug, Herr Bloomberg, wenn locker nicht zum Erfolg geführt hat?
    Kann es sein, daß die EZB mit ihrem Latein am Ende ist, bzw. sich verrechnet hat? Trotz der Geldschleusenöffnung kaum Wirtschaftswachstum weit und breit und kaum Inflation. Man darf gespannt sein, welche Maßnahmen Draghi noch in petto hat, um seine Ziele zu erreichen, vielleicht
    müsste er noch viel lockerer reagieren, bestimmt brächte das dann die Wende.

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