Schwache Konjunktur
Der EZB ist locker vielleicht nicht locker genug

Zu niedrige Inflation, zu wenig Wachstum. Als „enttäuschend” bezeichnen die europäischen Währungshüter in den Protokollen ihrer jüngsten Sitzung die Entwicklung der EU-Wirtschaft. Sie wollen auf die Flaute reagieren.
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FrankfurtDie eher maue wirtschaftliche Erholung Europas lässt die Währungshüter der Europäischen Zentralbank weitere geldpolitische Konsequenzen in Betracht ziehen. So ist die Europäische Zentralbank ist gegebenenfalls bereit, ihr Programm der quantitativen Lockerung (QE) anzupassen, um auf die Volatilität an den weltweiten Märkten angesichts der „ungewöhnlich niedrigen” Inflation und des „enttäuschenden” Wirtschaftswachstums zu reagieren. Das geht aus den der Zusammenfassung der geldpolitischen Sitzung vom 15. und 16. Juli (den so genannten „Accounts”) hervor.

„Während die jüngste Marktvolatilität die Einschätzung des Konjunkturausblicks nicht wesentlich verändert hat, erfordert die anhaltend höhere Unsicherheit Wachsamkeit und eine Bereitschaft, gegebenenfalls zu reagieren”, schreibt die EZB in dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll. Der Rat war sich einig, dass „die Konzeption der Aktiva-Kaufprogramme ausreichend Flexibilität für eine Anpassung bietet, sollten sich die Verhältnisse ändern und die Notwendigkeit dafür bestehen”, heißt es weiter in dem Bericht.

Die Währungshüter konstatierten, dass die Inflation in dem 19 Länder umfassenden Währungsblock offenbar den Tiefpunkt hinter sich gelassen habe. Sie äußerten sich jedoch besorgt, dass die Erholung der Region weiterhin durch die Griechenland- Krise und die Turbulenzen an den Schwellenländer-Märkten bedroht ist. EZB-Präsident Mario Draghi sagte in der Pressekonferenz am 16. Juli in Frankfurt, dass die EZB bereit sei, alle innerhalb ihres Mandats verfügbaren Mittel zu nutzen, um einer unerwünschten Straffung der Geldpolitik zu begegnen.

Die Wirtschaft des Euroraums ist im zweiten Quartal voraussichtlich um 0,4 Prozent gewachsen, unverändert gegenüber den drei Monaten zuvor, und der endgültige Wert für die Inflationsrate dürfte im Juli bei 0,2 Prozent liegen, ergaben Bloomberg-Umfragen. Eurostat in Luxemburg wird die Daten am Freitag um 11 Uhr veröffentlichen.

Der Rat beschloss die Finanzmärkte weiterhin ‘‘genau zu beobachten''. Die Währungshüter waren der Ansicht, dass die Juli-Vereinbarung zwischen Griechenland und seinen Kapitalgebern zur Aufnahme von Gesprächen für eine Hilfsvereinbarung das Risiko von negativen Auswirkungen auf die Region ‘‘erheblich reduziert'' habe. Sie sagten außerdem, dass die Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten möglicherweise ‘‘größer als erwartete Negativeffekte'' haben werden wegen der herausragenden Rolle des Landes im weltweiten Handel.

Zudem warnen die Währungshüter vor den Gefahren der Turbulenzen auf dem chinesischen Markt. „Finanzielle Entwicklungen in China könnten einen größer als erwarteten negativen Effekt haben”, hieß es im Protokoll. Dabei wiesen die Euro-Wächter auf die starke Stellung der Volksrepublik im Welthandel hin. Chinas Konjunktur hatte sich zuletzt merklich abgekühlt. Im Monat vor dem EZB-Treffen war die Börse in Shanghai auch deswegen um rund 20 Prozent eingebrochen.

China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für Europa. Immer mehr Volkswirte halten es nicht mehr für wahrscheinlich, dass das asiatische Land 2015 das offizielle Wachstumsziel der Regierung von sieben Prozent schafft. Ohnehin wäre das der geringste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert.

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Kommentare zu " Schwache Konjunktur: Der EZB ist locker vielleicht nicht locker genug"

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  • Billiges Geld löst nicht die Probleme der Euro-Krisenländer. Es braucht unternehmerische Investitionen um die Konjunktur anzukurbeln. Wenn billiges Geld die Wirtschaft ankurbeln würde, dann müsste Griechenland der Konjunkturmotor der Euro-Zone sein.

  • Wie wäre es denn einfach mal an alle Haushalte einen Scheck über 1000 € sozusagen staatliches Urlaubsgeld zu versenden. Immer den Banken die Kohle in den Arsch blasen scheint nichts für den Konsum zu bringen, die Banken sind satt. Kredite will keiner also was solls? Das solche Fragen überhaupt auftauchen zeigt aber, dass unser Wirtschaftssystem dringend umgebaut gehört. Diese ganzen aufgeblasenen Assetmärkte sind ein deutliches Zeichen von Fehlallokationen die uns noch teuer zu stehen kommen werden.

  • Was wäre denn locker genug, Herr Bloomberg, wenn locker nicht zum Erfolg geführt hat?
    Kann es sein, daß die EZB mit ihrem Latein am Ende ist, bzw. sich verrechnet hat? Trotz der Geldschleusenöffnung kaum Wirtschaftswachstum weit und breit und kaum Inflation. Man darf gespannt sein, welche Maßnahmen Draghi noch in petto hat, um seine Ziele zu erreichen, vielleicht
    müsste er noch viel lockerer reagieren, bestimmt brächte das dann die Wende.

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