„Sexuality Pay Gap“ Schwule verdienen weniger Geld

Homosexuelle Männer verdienen einer Studie zufolge deutlich weniger als heterosexuelle Männer. Bei Frauen ist der Unterschied nur gering. Nun rätseln die Forscher, wie die Unterscheide zustande kommen.
Update: 31.08.2017 - 13:28 Uhr 8 Kommentare
Einen „Pay Gap“ gibt es nicht nur beim Thema Geschlecht. (Symbolbild) Quelle: dpa
Männer auf der Arbeit

Einen „Pay Gap“ gibt es nicht nur beim Thema Geschlecht. (Symbolbild)

(Foto: dpa)

BerlinSchwule Männer bekommen auf dem deutschen Arbeitsmarkt im Schnitt einen geringeren Stundenlohn als heterosexuelle. Die Differenz beim realen Brutto-Stundenlohn betrage rund 2,14 Euro, heißt es in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Demnach liegt der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn eines heterosexuellen Mannes bei rund 18 Euro. Berücksichtigt man Faktoren wie Alter, Bildung und Branche, verdienen Schwule sogar 2,64 Euro weniger. Die Studienautoren schreiben von einer „Sexuality Pay Gap“ – eine Lohnlücke also, die mit der sexuellen Identität zusammenhängt.

Lesbische Frauen hingegen verdienen dem Bericht zufolge mit rund 16,44 pro Stunde im Schnitt etwa genauso viel wie Schwule und sogar rund zwei Euro mehr als heterosexuelle Frauen. Diese Unterschiede seien aber statistischen Ungenauigkeiten unterworfen und insofern nicht belastbar, sagte Studienautor Martin Kroh.

Ein statistischer Beweis für Lohndiskriminierung von Homosexuellen am Arbeitsplatz sei mit den Daten nicht erbracht: „Das ist erstmal nur ein Indikator“, sagte Kroh. „Vermutlich gibt es eine Reihe von Erklärungen für die Lohnlücke.“ Laut Studie leisten homosexuelle Männer etwa mehr Überstunden als heterosexuelle – das drückt den Stundenlohn und könnte ebenfalls eine von vielen Erklärungen sein.

Für die Studie stützen sich die Autoren auf Daten des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels, einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage, die das DIW einmal im Jahr deutschlandweit durchführt. Dabei werden neben dem Einkommen, dem Beruf, der Bildung und der Gesundheit auch die sexuelle Orientierung abgefragt. Die Studie beruht auf der Auswertung der Fragebögen von knapp 460 LGBs (Englisches Kürzel für Menschen mit lesbischer, schwuler oder bisexueller Identität) sowie mehr als 39.000 Heterosexuellen.

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Die Lebenssituation Homosexueller unterscheidet sich auch in anderen Bereichen zum Teil deutlich von der Lage Heterosexueller, ergab die DIW-Studie. Weit häufiger leben Homosexuelle in großen Städten. Das zeigt auch die Statistik der Eheschließungen 2015: An der Spitze liegt Berlin mit fast sechs Prozent Anteil gleichgeschlechtlicher Eheschließungen, in Hamburg sind es 3,8 Prozent. Köln, Frankfurt und München liegen dazwischen. Der Wert für ganz NRW hingegen liegt bei 1,9, der für Bayern bei 1,5 Prozent.

Gesundheitspolitisch relevant ist, dass LGBs generell mit ihrem Leben weniger zufrieden sind und häufiger von psychischen Erkrankungen berichten: So gibt jeder fünfte an, schon einmal an einer Depression erkrankt zu sein – bei Heterosexuellen hingegen ist es nur jeder Zehnte. Als Grund vermuten die Forscher einerseits Diskriminierungserfahrungen, andererseits die Angst vor einem Outing – generell also „größere Schwierigkeiten, so zu leben, wie sie möchten“. 

Als erfreulich werteten die Autoren, dass sich Homosexuelle und Heterosexuelle bei der Beschreibung ihrer „Persönlichkeit“ so gut wie gar nicht unterscheiden. Kleinere Differenzen gab es bei den Männern: Unter ihnen bezeichnen sich Homosexuelle etwas häufiger als „offen“. Bei den Punkten emotionale Stabilität, Extrovertiertheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit gab es keine Unterschiede in der Selbsteinschätzung, weder bei Männern noch bei Frauen.

Sehr wenige Daten über Schwule und Lesben
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8 Kommentare zu "„Sexuality Pay Gap“: Schwule verdienen weniger Geld"

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  • Gehälter werden nicht nur im Einstellungsgespräch festgelegt. Diskriminierung erfolgt über Jahre und Jahrzehnte UND- nicht nur Homosexuelle, auch Frauen, Religionen, Staatsangehörige bestimmter Staaten, usw. werden zumindest unterschwellig diskriminiert.


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wowereit?? OB´s von Mainz und Wiesbaden?? ich dachte, schwul sein ist hipp ....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Egal welche "Randgruppe", ob Farbig, Homosexuell, Anhänger einer "kleinen Glaubensrichtung" - ich vermeide hier das Wort Sekte -, Ausländer, es wird immer schön diskriminiert - und irgendwie gehören alle irgendeiner Randgruppe an, man muss nur klein genug die Gesellschaft aufspalten. Wenn man also kleinlich genug ist - also genau das Gegenteil von großzügig, wenn wir also immer nur irgendwelche Unwichtigkeiten bei anderen Menschen als entscheidend sehen, dann vorverurteilen wir Menschen, die es meist nicht verdient haben. Matthäus 7,3: "Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht?"
    Mir sagte mal eine Führungskraft: ""Für das bisschen Sex brauche ich keine Frau. " Da gibt es nun zwei Fragen: Ist "bisschen" als "wenig" oder als "unwichtig" zu interpretieren? Ist "keine Frau" als "keine Ehefrau" oder als "Mann" zu interpretieren - ich wollte nicht nachfragen, aber mir war bewusst, dass dieser Mensch wohl nicht gerne diskriminiert. Die Sexualität zwischen Mann und Frau ist zwar nicht ganz unwichtig, aber eine gute Beziehung macht deutlich mehr aus.
    Eine Randgruppe zu diskriminieren schadet allen - und wenn wir dabei sind - ja, es gibt auch Fachkräfte in den Randgruppen und ja, verzichtet man auf Diskriminierung, so arbeiten sie mit Sicherheit motivierter. Davon würden auch Sie Herr Keizer und Herr Zuelke profitieren.
    Herr Keizer, Herr Zuelke, Sie stammen wohl aus Bayern? Ja, ja die Bayern - und damit habe ich jetzt auch ein bisschen diskriminiert. Und wenn Sie nicht aus Bayern stammen, dann haben Sie ein schönes Beispiel dafür, wie man sehr oft mit Diskriminierung daneben liegt. Und wie unwichtig ist es doch, ob Sie aus Bayern stammen oder nicht!

  • Ich möchte die vorherigen Kommentatoren um mehr Sachlichkeit und weniger Diskriminierung bitten.
    Statistisch gesehen sind die veröffentlichten Ergebnisse der Studie wohl relevant, auch wenn die statistische Signifikanz nicht explizit erwähnt wird. Da die Daten für lesbische Frauen offenbar statistisch gesehen die gewählten Schwellenwerte nicht überschritten haben, werden Sie vom Autor auch zutreffenderweise nur so gedeutet, dass hier offenbar auch etwas beobachtbar sein KÖNNTE, wenn mehr Daten verfügbar wären. Im Umkehrschluss sollten die Daten für schwule Männer also tatsächlich belastbar sein.
    Dass in der Studie nicht zusätzlich weitere Merkmale wie Rasse berücksichtigt wurden, wie im Artikel von anderer Seite kritisiert, ist vertretbar. Man geht dann einfach von einer gleichen Verteilung der Rassen innerhalb der Gruppe der Homosexuellen und Heterosexuellen aus.
    Dass sich nur 2% der Teilnehmer an der Studie, welche die Datenbasis liefert, offen als schwul oder lesbisch bezeichnen, ist kennzeichnend für eine Gesellschaft, in der es noch Menschen wie die vorherigen Kommentatoren gibt. Man muss hier von höheren Werten ausgehen. Andererseits kann hier auch angenommen werden, dass die ungeouteten Homosexuellen im Beruf nicht als solche erkennbar sind und demnach wie Heterosexuelle bezahlt werden müssten.
    Insofern halte ich die Studie für sinnvoll, da Sie eine Problematik adressiert, die bislang ausschließlich in Bezug auf Frauen und Männer geführt wurde, in Wahrheit aber alle betrifft, die "nicht ins (etwas veraltete) Bild vieler passen".
    Dass trotz durchschnittlich höheren Bildungsstands - wobei in der Studie sicher Kontrollvariablen hierfür existiert haben müssen - eine Gehaltsdiskriminierung feststellbar war, sollte eigentlich etwas alarmieren: Offenbar ist Diskriminierung Schwuler keine Problematik, die auf "bildungsferne" Schichten und Berufe beschränkt ist.

  • Es muß doch möglich sein, die Diskussion um eine Minderheit von 2 % am Kochen zu halten, auch wenn sie inzwischen bzgl. Ehe den Heteros gleichgestellt, eigentlich sogar bevorzugt sind. Heterofrauen müssen ihre Kinder selber bekommen, Homopaare adoptieren sie. Wann können wir diese unsinnige Diskussion einstellen und zu wichtigen Fragen übergehen? Genug Probleme, die auf die Entwicklung in D wirken, haben wir ja.  Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die Studie beruft sich auf knapp 460 Fragebögen unter LBG's...
    Liebe HB-Redaktion, wenn sie ein bißchen was von Satistik verstehen würden, dann würden sie diesen Artikel nicht bringen. Wenn ca. 2% der Deutschen schwul/lesbisch sind, dann heißt das, dass weniger als 0,03%!!!! aller LBG's befragt wurden. Daraus soll sich dann eine Sexuality Pay Gap ergeben?!  Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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