Sorgen vor Deflation gelindert: Inflation in China zieht unerwartet stark an

Sorgen vor Deflation gelindert
Inflation in China zieht unerwartet stark an

In China sind die Sorgen um eine drohende Deflation gesunken. Die Verbraucherpreise sind im Februar kräftig gestiegen. Experten sehen die Gefahr aber noch nicht gebannt.
  • 0

Peking/ShanghaiEin überraschend kräftiger Anstieg der Verbraucherpreise hat die Sorgen vor einer Deflation in China etwas gelindert. Waren und Dienstleistungen kosteten im Februar durchschnittlich 1,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte.

Teurer wurden vor allem Obst und Gemüse. Ökonomen hatten lediglich mit einer Inflationsrate von 0,9 Prozent gerechnet, nachdem sie zu Jahresbeginn wegen sinkender Ölpreise noch mit 0,8 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit fünf Jahren lag.

Experten sehen die Gefahr einer Deflation - eines für die Wirtschaft schädlichen Preisverfalls auf breiter Front – aber noch nicht gebannt. Sie rechnen damit, dass die Notenbank ihre Geldpolitik weiter lockern wird.

„Der saisonbedingte Anstieg der Lebensmittelpreise ist nicht von Dauer“, sagte Ökonom Julian Evans-Pritchard vom Analysehaus Capital Economics. „Wir gehen daher weiter davon aus, dass die Teuerungsrate in den kommenden Monaten unter ein Prozent fallen dürfte.“

Auf eine niedrige Inflation deutet die Entwicklung der Produzentenpreise hin: Diese fielen im Februar um 4,8 Prozent und damit so stark wie seit Oktober 2009 nicht mehr. Können die Produzenten keine höheren Preise durchsetzen, drückt dies ihre Gewinnmargen. Sie könnten dadurch weniger investieren und Stellen schaffen. Beides wäre schlecht für die Konjunktur, die sich in China ohnehin abkühlt.

„Die Inflation dürfte sehr niedrig bleiben, der Abwärtsdruck auf die Preise anhalten“, schrieben die Analysten der japanischen Bank Nomura in einer Studie. „Wir gehen daher davon aus dass die Geldpolitik weiter gelockert wird.“

Die Zentralbank hat ihren Leitzins seit November zweimal gesenkt, um mit billigem Geld die Nachfrage und damit die Preise anzukurbeln - zuletzt von 5,6 auf 5,35 Prozent.

Die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt leidet unter einem Abschwung am Immobilienmarkt und mangelnder Auslastung der Fabriken. Hinzu kommen die unsicheren Aussichten für die Weltwirtschaft und fallende Energiepreise.

Chinas Wirtschaft wird nach Prognose der Regierung in diesem Jahr nur um sieben Prozent wachsen - so langsam wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sorgen vor Deflation gelindert: Inflation in China zieht unerwartet stark an"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%