Star-Investor George Soros: „Wir können die Schulden nicht wegschrumpfen“

Star-Investor George Soros
„Wir können die Schulden nicht wegschrumpfen“

Star-Investor George Soros kritisiert die Krisenpolitik Europas und nimmt dabei Deutschland in die Pflicht. Als Rezept für den Schuldenabbau empfiehlt Soros die Inflation – er weiß, was er den Deutschen damit zumutet.
  • 43

BerlinInvestor, Milliardär, Philanthrop – es gibt viele Möglichkeiten, George Soros zu beschreiben. Seit sich Europa vor allem mit der Schuldenkrise beschäftigt, ist Soros jedoch vor allem eines: Ein Kritiker des Systems, wie die EU die Krise managt.

Und als solcher war er heute eingeladen von einem anderen Investor: Nicolas Berggruen – in Deutschland als umstrittener Karstadt-Retter bekannt – hatte George Soros auf der Gästeliste seines Berggruen-Instituts gesetzt. "Europa nach der Krise" hat Berggruen seine Veranstaltung optimistisch genannt. Soros sollte mitdiskutieren.

Und der 81-Jährige sparte nicht an Kritik. Die Politik, sagt er, wirke kontraproduktiv. Alle sparen. "Wir können die Schulden nicht wegschrumpfen." Um jedes Prozent, um dass das Defizit reduziert wird, geht auch die Wirtschaftsleistung um mehr als ein Prozent zurück.

Je weniger Defizit, um so mehr Arbeitslose werde es geben und die Schulden steigen weiter. "Wir müssen einen gewissen Grad an Inflation akzeptieren. Aber das ist ein Schreckgespenst für die Deutschen", klagte Soros. Um die Krise wirklich zu bekämpfen brauchen wir zwei Prozent Wachstum und drei Prozent Inflation. "Das erfordert ein Umdenken in Deutschland."

Redet hier ein Schwarzmaler? Soros hatte zu Jahresbeginn vorhergesagt, der Euro werde die nächsten drei Monate nicht überleben. Heute korrigiert er sich: Er habe gemeint, die nächsten drei Monate seien entscheidend für das Überleben des Euros, sagte er. Der Euro habe wirklich am Abgrund gestanden. "Dann hat im Juni die EZB eingegriffen, die einzig funktionierende Institution in der EU", so nennt es der Starinvestor. Draghis beherzte Tat, Anleihen fast unbegrenzt zu kaufen, sei das einzig richtige gewesen.

Auf Deutschland als Helfer sei in der Eurokrise kein Verlass. Soros wiederholte seine Forderung, dass die Deutschen den Euroraum besser verlassen sollten. Das Land tue stets nur das Notwendige und keinen Deut mehr. Damit habe es den Euro geschwächt und manche Industriestaaten in den Status von Dritte-Welt-Staaten verwandelt. Die Wahlen in Deutschland im nächsten Jahr verschärften das Problem.

"Ich glaube, dass wir derzeit einen falschen Weg eingeschlagen haben. Wir brauchen ein kühne Initiative, um den Kurs zu wandeln. Die EU ist der Inbegriff einer offenen Gesellschaft. Nämlich ein Staatenbund, der eine Union ins Leben gerufen hat, die nicht von einem Land dominiert wird." Jetzt aber gebe es eine Zweiteilung: Die Gläubigerstaaten mit Deutschland an der Spitze und die Schuldner. "Das ist die Tragödie der EU."

Soros endete mit einem persönlichen Aufruf. "Mein Vater", sagte er, "war ein Held." Er habe im zweiten Weltkrieg in Ungarn Verfolgte gerettet, indem er falsche Pässe für Flüchtlinge ausstellte. "Ich habe daraus gelernt. Wir müssen uns der harten Realität stellen. Wir müssen Griechenland helfen, seine Flüchtlinge zu versorgen."

Soros bot an, "Solidaritätshäuser" für Migranten in Griechenland zu finanzieren. Ziel sei, die Idee der EU als Solidaritätsgemeinschaft wieder zu erwecken. "Die Eurokrise wird nicht durch die Politik gelöst", sagt der Milliardär. "Die Zivilgesellschaft muss den Weg weisen."

Kommentare zu " Star-Investor George Soros: „Wir können die Schulden nicht wegschrumpfen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Soros hat recht. Die Südländer gehen durch die merkelsche Politik kaputt. Dauerhaft und ohne Chance auf Besserung. Da geht nichts mehr.
    Entweder Inflation oder Ende des Euro. Andere Optionen gibt es nicht. Deutschland zahlt in jedem Falle Billionen. Alternativ los.

  • So kann davon ausgegangen werden, daß Soros seine Speku-
    lationen, wie immer, langfristig geplant hat. Was ihm
    allein Sorge macht, ist sein Alter, daß er das Ende des
    Euro nicht mehr erleben kann, da nicht funktionsfähige
    Währungssystem, wie zuletzt die lat. Münzunion, ziemlich
    zählebig zu sein scheinen.

  • Soro hat sich woll mit Griechischen Staatsanleihe verspekuliert, und probiert nun, es uns Schmackhaft zumachen sein Gewinn ans trockne zubringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%