
HB TOKIO. Nach Regierungsangaben vom Montag ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt von Juli bis September kräftig um 1,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen. Es war nicht nur das zweite Quartalswachstum in Folge, sondern Japan hat damit auch die USA und die Eurozone beim Tempo überholt. Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg um 0,7 Prozent und damit denselben Wert wie im Sommerquartal prognostiziert. Gestützt wurde die Entwicklung allerdings von den milliardenschweren Konjunkturprogrammen der Regierung, wie Analysten unterstrichen. Hiervon habe vor allem der Konsum profitiert. Zudem legte der wichtige Außenhandel nicht zuletzt wegen des schwachen Yen deutlich zu.
Die Zahlen belegten, dass es eine anhalten Erholung der japanischen und der Weltwirtschaft gebe, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident Naoto Kan laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo. Maßgeblichen Anteil an der wirtschaftlichen Belebungen hatten die Notprogramme der Regierungen in der ganzen Welt. Die japanischen Exporte konnten so um 6,4 Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal zulegen, wie Naoto erklärte. Auch die Nachfrage in Japan selbst legte wieder zu. Die Ausgaben der Verbraucher, die 60 Prozent des BIPs ausmachen, stiegen im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent.
Im Vergleich zum Euroraum, der im dritten Quartal um 0,4 Prozent gewachsen war, expandierte die japanische Wirtschaft von Juli bis September dreimal so stark. Doch auch die USA als weltgrößte Volkswirtschaft wurden beim Wachstumstempo überholt: Die Vereinigten Staaten waren im dritten Vierteljahr um annualisiert 3,5 Prozent gewachsen, für Japan ergibt sich ein auf das Jahr hochgerechneter Wert von 4,8 Prozent. Allerdings bezweifeln Analysten, dass Japan dieses Wachstumstempo mittelfristig halten kann.
Auch die Commerzbank geht davon aus, dass sich die japanische Konjunktur spätestens im kommenden Jahr abschwächen wird. Vor allem die zusehends auslaufenden staatlichen Stützungsprogramme, die infolge der Finanzkrise aufgelegt wurden, dürften die Entwicklung belasten, schreibt Commerzbank-Experte Wolfgang Leim in einer Studie. Zudem werde der schwache Arbeitsmarkt auf dem privaten Konsum lasten.
Für das Schlussquartal 2009 zeichnet sich jedoch ein abermals deutlicher Zuwachs ab. Hierauf deuten laut Leim erste Daten aus der Industrie und vom Außenhandel hin. Zudem dürften sich die Investitionen der Unternehmen auf niedrigem Niveau stabilisieren – wenngleich die Kapazitätsauslastung und die Profitabilität weiter gering bleiben dürften.