Stellenabbau
„Das war nur der Anfang“

Aufgrund der Immobilien- und Finanzkrise steuern die USA auf die schärfste Entlassungswelle seit Jahren zu. Hohe Arbeitsplatzverluste, insbesondere in der Bauwirtschaft und der Produktion, haben bereits im Dezember 2007 zum ersten Stellenabbau in der US-Privatwirtschaft seit 2003 geführt. Experten erwarten eine Fortsetzung dieses Trends.

NEW YORK. Der Chef des US-Personalvermittlers Kelly Services, Carl Camden, erwartet insbesondere im Finanzbereich herbe personelle Einschnitte: Solange sich keine Wende bei den Immobilienverkäufen sowie bei Kreditaktivitäten abzeichne, werde der Beschäftigungsrückgang in diesem Sektor weitergehen, sagte Camden.

Ob Citigroup, Morgan Stanley, Lehman Brothers, Bear Stearns oder Merrill Lynch - fast alle Investmentbanken setzen im Moment dort das Messer an, wo sie die höchsten Verluste erlitten haben. "Die hohen Abschreibungen sind die treibende Kraft für den Stellenabbau", sagt John Challenger, Chef der Personalberatung Challenger, Gray & Christmas: "Unternehmen müssen Personaleinschnitte vornehmen, um durch die Verlustperiode zu kommen."

Die Ankündigungen neuer Abbauprogramme häufen sich und sind nicht mehr allein auf die zentralen Krisenbranchen Bau und Banken beschränkt: In der chronisch kranken US-Autoindustrie ist die nächste Personalrunde eingeläutet, Zehntausende Beschäftigte rund um Detroit erhalten in den nächsten Wochen neue Abfindungsangebote von General Motors, Ford und Chrysler. Mit der Internetfirma Yahoo, dem Warenhauskonzern J.C. Penney sowie den Banken Morgan Stanley, Lehman Brothers und Credit Suisse teilten allein in dieser Woche fünf bekannte Firmen Personalkürzungen mit. Zuvor hatten der Mobilfunker Sprint Nextel und der Pharmakonzern Wyeth Sparprogramme ausgerufen: Die unglücklich fusionierte Sprint Nextel wird weitere 4 000 Jobs streichen, nach 5 000 im Vorjahr. Auch Wyeth will 5 000 Jobs oder zehn Prozent der Belegschaft abbauen.

Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit kämpft sich die US-Bauindustrie durch die schwerste Immobilienkrise seit Jahrzehnten: Der Eigenheimbauer Lennar Corp. aus dem US-Bundesstaat Florida teilte Mitte Januar mit, dass seine Belegschaft im Vorjahr bereits um 35 Prozent geschrumpft sei. Das Unternehmen büßte im abgelaufenen Quartal fast 50 Prozent Umsatz ein und wies 1,25 Mrd. Dollar Verlust aus. Die Marktbedingungen könnten sich weiter verschlechtern, warnte Lennar-Chef Stuart Miller. Bei US-Wettbewerbern wie KB Home oder Centex wurden die Belegschaften ähnlich dramatisch um mehr als 30 Prozent gestutzt. Die Arbeitslosenquote auf dem Bau steigt Richtung zehn Prozent, seit Beginn der Krise gingen in der Branche 236 000 Jobs verloren - ein empfindlicher Dämpfer für die Gesamtkonjunktur.

Seite 1:

„Das war nur der Anfang“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%