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Studie ermittelt Spitzenstandorte: Süddeutschland hängt schwache Regionen ab

exklusiv Deutschland entwickelt sich wirtschaftlich zur Mehrklassengesellschaft. Das ist ein zentrales Ergebnis des Zukunftsatlas 2010, den die Denkfabrik Prognos exklusiv für das Handelsblatt erstellt hat. Der Check aller 412 deutschen Städte und Kreise zeigt: Auch immer mehr Regionen im Westen rutschen in die Gefahrenzone.

Münchner Frauenkirche: Bayerns Landeshauptstadt ist einer der großen Gewinner. Quelle: ap
Münchner Frauenkirche: Bayerns Landeshauptstadt ist einer der großen Gewinner. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Zwischen Kurt Kapp und Horst Schiereck liegen 627 Autobahn-Kilometer. Doch trotz der Entfernung sind beide Gegenspieler in einem Konflikt, der sich deutschlandweit schleichend zuspitzt. Kurt Kapp hat zwar die Nase vorn, aber es wird zunehmend schwierig für ihn. Denn die alten Waffen funktionieren nicht mehr so gut wie früher.

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Kurt Kapp ist der oberste Wirtschaftsförderer Münchens. Horst Schiereck ist Bürgermeister von Herne im Ruhrgebiet. Beiden fehlen Bürger, Steuerzahler, Unternehmer. Kapp macht Sorgen, dass er anderen Regionen nicht genug weglocken kann. "Wir brauchen den Zuzug hochqualifizierter Menschen", sagt er, die Unternehmen in seiner Stadt suchten händeringend danach.

Auf die alten Themen der Wirtschaftsförderung - niedrige Gewerbesteuern und günstige Flächen und Büros - kommt es für Kapp immer weniger an. Was ihn bewegt, sind günstige Wohnungen und gute Kinderbetreuungsmöglichkeiten, damit mehr Menschen nach München ziehen.

Schiereck wäre schon froh, wenn die Leute, die da sind, blieben. In den vergangenen drei Jahren hat Herne 200 Einwohner verloren - pro Monat. Zu wenige Jobs und eine Arbeitslosenquote von 13 Prozent sind keine Perspektiven für junge und gut qualifizierte Menschen.

Lange Zeit haben Ökonomen den demografischen Wandel beschworen und in abstrakte Prognosen gekleidet. Nun ist es so weit. In Boomregionen wie München und in Problemgegenden wie dem Ruhrgebiet, in der ganzen Republik schlägt der demografische Wandel zu. Exklusive Handelsblatt-Daten aus dem Zukunftsatlas 2010, den das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos nach der Analyse aller 412 Städte und Landkreise in Deutschland erstellt hat, belegen den Trend detailliert.

Ein Ende dieser Entwicklung ist trotz Elterngeld und Familienförderung nicht in Sicht. Am Freitag meldete das Statistische Bundesamt: Die Geburtenrate in Deutschland ist abermals auf einen historischen Tiefststand gefallen. In Deutschland kamen nur 665000 Kinder zur Welt, 17000 weniger als 2008 und nur noch halb so viele wie in den 1960er-Jahren.

Die Folgen dieser Entwicklung werden im ganzen Land sichtbar: Wirtschaftlich schwache Regionen erleben große Bevölkerungsverluste, in starken werden die Arbeitskräfte knapp. "Die Perspektiven einer Region stehen und fallen damit, wie gut sie den demografischen Wandel meistert," sagt Prognos-Geschäftsführer Christian Böllhoff.

Auf die Geburtenrate vor Ort kommt es dabei kurzfristig kaum an, zeigt die Prognos-Studie. Die Regionen, in denen die Bevölkerung am stärksten wächst, haben gleichzeitig die niedrigsten Geburtenraten: die größeren Städte. Der Deutsche von heute, er wird in der Provinz geboren, zum Studieren und Arbeiten zieht es ihn dann in die Stadt - am liebsten nach München.

Die bayerische Landeshauptstadt hat in den vergangenen fünf Jahren so viele Einwohner hinzugewonnen wie keine andere Region in Deutschland - vor allem, weil sie massiv 18- bis 30-Jährige aus anderen Winkeln der Republik angezogen hat.

Die enorme positive Bevölkerungsentwicklung ist ein Faktor, der den Großraum München zur Region mit den besten Zukunftsaussichten in Deutschland macht. Der Landkreis und die Stadt liegen auf den ersten beiden Plätzen der Prognos-Liste, die Nachbarkreise Starnberg und Freising folgen auf den Plätzen vier und 13.

  • 15.11.2010, 19:44 UhrAnonymer Benutzer: Sternschnuppe

    Hallo Weltreisender, das Gallische DOrf im Osten ist wirklich Jena! Sogar Uhde-München meinte von Jena lernen zu wollen. im Handelsblatt Junge Karriere belegt Jena stets vordere Plätze. Potsdam leidet unter einer unfähigen fast korrupten Stadtverwaltung (siehe u.a. Jauch-Kritik) und einer ebenso unfähigen Landsregierung (siehe die jüngsten immobilienskandale, die um die bLEG und Aneignung von bodenreformland eingeschlossen). Und dann lässt sich noch ein innenminister (jetzt zurückgetreten worden) seinen Laptop klauen mit SPD- und anderen interna auf der Festplatte! Grüße

  • 15.11.2010, 17:51 UhrAnonymer Benutzer: A.S.

    Heute gabe es einen bericht im WDR 2 zum Thema Ausbildungsplätze in Deutschland. Darin wurde gesagt, dass in bayern Firmen weniger Ausbildungsplätze anbieten als in anderen Regionen Deutschlands. in bayern spart man stattdessen das Geld und verläßt sich darauf, dass gut ausgebildete Fachkräfte ihre betriebe anderer Regionen nach der Ausbildung verlassen und zu den bayrischen Firmen wechseln, wo sie dann mehr verdienen können.
    Soetwas bringt natürlich auch ein gewisses Ungleichgewicht mit sich.

  • 15.11.2010, 17:48 UhrAnonymer Benutzer: weltreisender

    Hier gibt es wohl einen kleinen Redaktionsfehler "besonders groß sind die Probleme in Ostdeutschland: Von wenigen Erfolgsgeschichten wie Jena, Dresden und Leipzig abgesehen, sieht es für die neuen Länder düster aus."
    Wenn man sich die Studie mal selbst anschaut, sieht man dass es Jena, Dresden und Potsdam heißen muss. Denn Potsdam scheint das gallische Dorf neben berlin zu sein und schlägt sich besser als Leipzig.

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