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Systemschwäche: Die Goldman-Connection

Der Aufsichtsratschef der New Yorker Federal Reserve hat mit privaten Aktiengeschäften und einem Aufsichtsratsmandat bei Goldman Sachs eine Diskussion um die Verquickung der Interessen der Wall Street mit den Aufgaben einer Notenbank ausgelöst. Dabei sind die Geschäfte von Stephen Friedman, mit denen er Millionen machte, nur die Spitze eines Eisbergs. Friedman musste unterdessen Konsequenzen ziehen.

Unter Druck: Der Aufsichtsratschef der New Yorker Fed, Stephen Friedman, machte Millionengewinne mit Goldman-Papieren. Quelle: Bloomberg
Unter Druck: Der Aufsichtsratschef der New Yorker Fed, Stephen Friedman, machte Millionengewinne mit Goldman-Papieren. Quelle: Bloomberg

FRANKFURT. Friedman trat am Donnerstag aufgrund der Berichte über die Interessenkonflikte mit sofortiger Wirkung zurück. Wie das „Wall Street Journal“ aufdeckte, war Stephen Friedman zur Hochzeit der öffentlichen Bankenrettungsprogramme nicht nur Oberkontrolleur der regionalen Notenbank, sondern gleichzeitig auch Aufsichtsrat von Goldman Sachs, die direkt und indirekt massiv von den Staatshilfen enorm profitiert haben. Und Friedman profitierte gleich mit. Er kaufte Aktien des staatlich gestützten Instituts, das er früher einmal geleitet hat, und machte damit Millionengewinne.

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Damit hat der 71-Jährige sich selbst für den Geschmack republikanischer Parlamentarier zu viel herausgenommen. Richard Shelby, der für die Republikaner im Bankenausschuss des Senats sitzt, nannte die Aktienkäufe gegenüber dem Wall Street Journal „zutiefst irritierend.“ Dabei sind sie nur die Spitze eines Eisbergs an Verquickung von Wall-Street-Interessen und öffentlichen Aufgaben.

Was bei Europäern Verwunderung hervorruft und auch viele Amerikaner nicht wissen: Die zwölf regionalen Federal Reserve Banken, die zusammen mit dem Federal Reserve Board das Notenbanksystem der USA bilden, nehmen zwar öffentliche Aufgaben wahr, gehören aber den Banken, die auch die Aufsichtsräte dominieren, welche wiederum die regionalen Fed-Präsidenten wählen.

Diese Interessenverquickungen rücken nun die Rolle der New York Fed, die für die Wall Street zuständige und daher mit Abstand wichtigste und mächtigste unter den regionalen Notenbanken, in ein schiefes Licht. Diese Notenbank spielte in dieser, wie in früheren Wall-Street-Krisen eine führende Rolle – bei der Krisenbewältigung und dem damit verbundenen Einsatz öffentlicher Mittel zugunsten von Banken.

Die New York Fed wurde bereits vom Goldman Sachs Aufsichtsrat Friedman kontrolliert, als der ehemalige Goldman-Chef und damalige Finanzminister Hank Paulson im September 2008 die Vollmacht einholen wollte, über Wertpapierkäufe 700 Mrd. Dollar unter den Wall-Street-Banken zu verteilen – ohne jede vorgegebene Regel oder Kontrolle und mit Hilfe der New York Fed. Als Barack Obama den Chef der New York Fed, Timothy Geithner zum Finanzminister kürte, war es Goldman-Aufsichtsrat Friedman, der die Wahl eines Nachfolgers leitete. Die Wahl fiel auf den ehemaligen Goldman-US-Chefvolkswirt William Dudley. Goldmans Einfluss bleibt gesichert.

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