Trotz guter Konjunktur
Experten erwarten Abkühlung am Arbeitsmarkt

Deutschland erlebt gute Zeiten für Jobsucher. Denn viele Firmen suchen händeringend nach Mitarbeitern. Die Arbeitskräftenachfrage kletterte im Juli auf ein neues Rekordhoch - Experten warnen derweil vor zu viel Euphorie.
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NürnbergIn deutschen Betrieben gibt es derzeit so viele offene Stellen wie selten zuvor. Am stärksten wuchs die Nachfrage nach Arbeitskräften im Juli in der Industrie, im Handel und im Baugewerbe, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Montag mitteilte. Gestiegen sei der Personalbedarf auch bei Unternehmensdienstleistern wie Steuerberatern, Rechtsanwälten, Werbeagenturen und Unternehmensberatern.

Entsprechend lag der monatliche Stellenindex BA-X - ein Indikator für die Beschäftigtennachfrage - im Juli mit 238 Punkten drei Zähler höher als im Juni und 21 Punkte höher als vor einem Jahr. Der BA-X ist seit 2014 nahezu kontinuierlich gestiegen. Im Juni waren bei der Bundesagentur 731 000 freie Jobs gemeldet - 66 000 mehr als vor einem Jahr. Die neuen Zahlen für Juli veröffentlicht die Agentur erst an diesem Dienstag, zusammen mit den offiziellen Arbeitslosenzahlen.

Inzwischen gebe es kaum noch eine Branche, die nicht nach geeigneten Mitarbeitern suche. Mit Ausnahme des öffentlichen Dienstes und des Bereichs Erziehung und Unterricht sei die Arbeitskräftenachfrage in allen Branchen höher ein Jahr zuvor, berichtete die Bundesagentur.

Als Grund nennt die Nürnberger Bundesbehörde die stabile wirtschaftliche Lage. Das führe auch dazu, dass Mitarbeiter in der Hoffnung auf einen besser bezahlten Job häufiger die Firma wechselten - und die Unternehmen dann nicht gleich einen Nachfolger fänden. Solche Stellen können dann mitunter Monate in der Statistik bleiben.

Für die zweite Jahreshälfte rechnen Experten derweil mit einer leichten Abkühlung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Trotz weiterhin gut laufender Konjunktur sei in den nächsten Monaten nicht mehr mit einem so starken Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen wie zuletzt, sagten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die meisten rechnen mit einer Stagnation auf niedrigem Niveau.

Das hänge auch mit der erwarteten steigenden Zahl arbeitsloser Flüchtlinge zusammen. „Wir haben Anzeichen, dass sich in den kommenden Monaten die Fluchtmigration stärker in den offiziellen Arbeitslosenzahlen niederschlagen wird“, sagte der Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld.

DZ-Bank-Ökonom Michael Holstein sieht beim Jobaufschwung im ersten Halbjahr zudem gewisse „Überzeichnungs“-Tendenzen: „Ein so schneller Abbau der Arbeitslosigkeit lässt sich nicht auf Dauer durchhalten.“ Der Chefvolkswirt der KfW-Bankengruppe, Jörg Zeuner, geht dagegen weiterhin von einer „Aufwärtsentwicklung“ auf dem Arbeitsmarkt aus.

Für den Juli erwarten sie zum Auftakt der Sommerpause einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit - verglichen mit dem Juni um rund 55 000 Erwerbslose auf rund 2,53 Millionen. Das wären rund 130 000 weniger als vor einem Jahr. Während der Sommerferien verzichteten viele Firmen vorübergehend auf Einstellungen. Auch meldeten sich viele Ausbildungsabsolventen erst einmal arbeitslos.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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