Trotz Rekordtief im November: Experten sagen Ende des Job-Booms voraus

Trotz Rekordtief im November
Experten sagen Ende des Job-Booms voraus

Der Arbeitsmarkt hat ein erfolgreiches Jahr 2016 hinter sich – es gibt so wenig Arbeitslose wie nie lange nicht mehr. Damit dürfte aber erst mal Schluss sein. Experten rechnen für 2017 mit dem vorläufigen Ende des Booms.
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NürnbergKurz vor dem Jahresende kam der Arbeitsmarkt noch mal so richtig auf Touren: Mit rund 2,53 Millionen Arbeitslosen ist die Zahl der Arbeitslosen im November auf ein neues Rekordtief gesunken sein. Das sind 8000 weniger als im Oktober und 101.000 weniger als vor einem Jahr, wie die Behörde am Mittwoch in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent zurück.

Man muss fast bis zur deutsch-deutschen Wiedervereinigung zurückblicken, um auf ähnlich niedrige Erwerbslosenzahlen zu kommen. Die gute 2016er Entwicklung dürfte auch der Dezember kaum noch verhageln. Einig sind sich die Fachleute aber auch: Mit einem Job-Boom mit rekordverdächtigen Tiefständen dürfte es wohl erst mal vorbei sein. Für 2017 rechnen sie mit einer deutlich abgeschwächten Arbeitsmarktdynamik.

Der Rückgang der Erwerbslosenzahlen im Herbst hat vor allem saisonale Gründe: Ausbildungsabsolventen finden eine feste Stelle, Schulabgänger beginnen ein Studium und viele Firmen stellen nach den Werksferien neue Mitarbeiter ein. Im Dezember setzt dann meist die Winterarbeitslosigkeit ein. Die Konjunktur sorgt nach Ansicht von Experten nur noch für einen verhältnismäßig schwachen Schub.

Allerdings waren sich Arbeitsmarktexperten bei ihrer Prognose für das Jahr 2017 lange nicht mehr so uneinig. Was die Ausblicke auf 2017 so schwierig macht: Kaum einer vermag am Jahresende 2016 zuverlässig abzuschätzen, wie schnell und in welchem Umfang die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge im kommenden Jahr auf den Arbeitsmarkt drängen werden - und damit die Erwerbslosenzahlen in die Höhe treiben.

Am optimistischsten ist noch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) rechnet für 2017 mit 2,618 Millionen Arbeitslosen – das wären rund 70.000 weniger als in diesem Jahr. Auch wenn die Prognose noch vom Frühherbst stammt, das IAB hält daran auch nach der überraschenden Wahl Donald Trumps fest, wie IAB-Prognose-Chef Enzo Weber versicherte.

Hauptgrund für die optimistische Prognose: „Die Konjunktur wirkt weiter positiv, wenn auch nicht mehr so stark wie 2016“. Für konjunkturellen Rückenwind sorge dabei nicht nur der schwache Euro, sondern auch die niedrigen Zinsen, preiswertes Öl und die wohl auch 2017 anhaltende starke Binnennachfrage - gestützt durch die den privaten Konsum, aber auch die staatlichen Ausgaben für die Flüchtlingsbetreuung

Ungleich skeptischer sind Bankenvolkswirte. Keiner von ihnen rechnet 2017 ernsthaft mit einem erneuten Rückgang der Arbeitslosenzahlen - allenfalls mit einem Gleichstand, wie Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Die meisten seiner Kollegen gehen dagegen von einem Anstieg der Erwerbslosenzahlen auf 2,72 bis 2,75 Millionen aus; das wären 30.000 bis 60.000 mehr als in diesem Jahr. Die Wirtschaftswiesen der Bundesregierung prognostizieren hingegen nur einen leichten Anstieg der Erwerbslosenzahl um 4000.

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Uneinigkeit in der Flüchtlingsfrage

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  • Das Rückgängigmachen der Schröderschen Reformen und die Umvolkung mit einer nicht an den hiesigen Arbeitsmarkt angepassten, afrikanischen Bevölkerung führt sicherlich früher, oder später zu der von den Genossen erwünschten höheren Arbeitslosigkeit.

    In Deutschland hat Schröder mit den Hartz Reformen sehr zaghafte Schritte gemacht den Arbeitsmarkt zu liberalisieren und die Menschen zur Arbeit zu motivieren. Dies hat offensichtlich sehr gut funktioniert, viel besser als ich seinerzeit vermutet habe. Fr. Merkel und Genossen sind vollbeschäftigte und damit von sozialistischen Wunderwerken unabhängige Bürger ein Dorn im Auge. So hat man die Schröderschen Reformen mit Mindestlohn, Rente mit 63, Beschränkungen Leiharbeit weitgehend rückgängig gemacht.

    In der kapitalistischen Schweiz herrscht seit Jahrzehnten mehr, oder minder Vollbeschäftigung. die Nettolöhne sind bei den einfachen Arbeiten etwa doppelt so hoch wie in D. Kündigungsschutz gibt es nicht. Die Gewerkschaften sind zahnlos. Arbeitslosengeld gibt es für 2 Jahre, es ist auch recht hoch, allerdings sind die Ämter, gem. Kollegen, vorsichtig gesagt sehr schikanös und streichen dieses bereits bei geringfügigen Anlässen.



  • Wann werden diese "Experten" endlich schweigen, wenn kein Wissen vorhanden ist?? Gerhen keine Babyboomer des Jahres 1951 in Rente?
    Wie viele des Jahrgangs 1997 kommen auf den Arbeitsmarkt?

    Wenn es so sein sollte, dass bis 2030 sieben Millionen Arbeitkräfte fehlen, wie Demographen meinen, nixht wissen, weil die Arbeitsmigtanten aus der EU ceteris paribus negiert wurden.
    Frage an Sender Jerewan un seine Experten des Arbeitsmarktes: Wie viele Arbeitsmigranten braucht Deutschland jährlich, wenn es keinen Beschäftigungsaufbau geben soll? Wie viele braucht es mit Beschäftigungsaufbau ?

    Sinkt die Arbeislosigkleit relativ zur Beschäftigung auch dann, wenn die absolute Anzahl nach Experten Trautman gleich bleibt?
    Auf welcher Baumschule haben solche Experten denn Mathe im Abitur abgewählt?

  • „Arbeitsmarkt 2017 - „Experten“ erwarten ein Ende des Booms“
    War klar, das jetzt wieder die „Angstkeule“ ausgepackt wird, um das „Noch-Personal“ zu disziplinieren, damit sie weiter das Maul halten und weiterhin im Hamsterrad funktionieren.

    Mottos:
    Demokratie ist, wenn ihr wählt, was wir wollen!
    Globalisierung ist, wenn ihr Verzicht übt, während wir uns die Taschen füllen!
    Wasser und Brot fürs Fußvolk und Personal, Champagner und Kaviar für die Eliten!

    Diese „Elitennetzwerke“ sind auch Teil des Problems.
    Diese Verstrickung zwischen angeblich freien Medien, der Wirtschaft und der Politik.
    Dazu noch als moralgebende Instanz die Kirchen, mit ihren ganzen „christlichen“ Vereinen wie der Caritas, Diakonie usw., die dem Vereinsrecht unterliegen, aber mittlerweile gewinnorientierte Sozialkonzerne sind.
    Dieser ganze Filz gehört ausgemistet!

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