Umfrage des Markit-Instituts
Griechenland kann Euro-Konjunktur nicht schocken

Die Konjunktur in der Euro-Zone nimmt Fahrt auf. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft steigt. Trotz der Schuldenkrise Griechenlands verzeichnet die Euro-Zone das stärkste Wachstum seit vier Jahren.
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BerlinInmitten des griechischen Schuldendramas kommt die Konjunktur in der Euro-Zone in Schwung. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft kletterte im Juni um 0,5 auf 54,1 Punkte, gab das Markit-Institut am Dienstag unter Berufung auf seine Umfrage unter rund 4000 Firmen bekannt.

„Trotz der Schuldenkrise Griechenlands verzeichnete die Euro-Zone damit das stärkste Wirtschaftswachstum seit vier Jahren“, sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Besonders in südlichen Ländern wie Spanien und Italien geht es derzeit bergauf, aber auch in den beiden größten Euro-Staaten Deutschland und Frankreich.

Allerdings sei der Aufschwung noch längst nicht in trockenen Tüchern, warnte das Markit-Institut. „Schon jetzt hat die zunehmende Verunsicherung infolge der eskalierenden Krise ihre Spuren beim Stellenaufbau hinterlassen“, sagte Williamson. Auch die Aufträge wuchsen langsamer, zugleich beurteilten die Dienstleister ihre Geschäftsaussichten weniger optimistisch.

Das sei ebenfalls auf die Verunsicherung der Unternehmen durch die Schuldenkrise in Griechenland zurückzuführen. Diese könnte zu einer Staatspleite und einem Euro-Abschied des Landes führen.

„Für das ordentliche Wachstum im Euro-Raum dürften in erster Linie der schwache Euro und der merkliche Rückgang der Energiepreise verantwortlich sein“, sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. „Beide Effekte zusammen kompensieren offensichtlich weiterhin die schwächere Nachfrage aus den Schwellenländern.“

China etwa dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, während Russland in der Rezession steckt. Zugleich jedoch sparen Unternehmen wie Verbraucher Milliarden an Energiekosten, während der schwache Euro die Exporte nach Übersee stimuliert.

Die Erholung der deutschen Wirtschaft hat sich merklich beschleunigt. Das Barometer für die Privatwirtschaft kletterte im Juni um 1,4 auf 54,0 Punkte. Die Firmen fuhren zwar ihre Produktion hoch, die Neuaufträge stiegen aber langsamer als zuletzt. Das deute darauf hin, „dass sich die Konjunktur in den nächsten Monaten wieder abkühlen könnte“, sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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