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Umfrage: Deutsche Industrie schrumpft so stark wie nie

Die Industrie in Deutschland hat zum Jahresende ihre Talfahrt beschleunigt. Die Unternehmen schränkten ihre Produktion den fünften Mal in Folge ein und bauten Stellen ab, wie aus dem Markit/BME-Einkaufsmanagerindex hervorgeht. Vor allem die Krise bei den Automobilherstellern hinterließ in den Orderbüchern ein dickes Minus.

Die Kürzungen fielen bei den Herstellern von Vorleistungs- und Investitionsgütern deutlich höher aus als bei den Konsumgüterproduzenten. Foto: ap Quelle: ap
Die Kürzungen fielen bei den Herstellern von Vorleistungs- und Investitionsgütern deutlich höher aus als bei den Konsumgüterproduzenten. Foto: ap Quelle: ap

HB BERLIN. Die Unternehmen schränkten ihre Produktion den fünften Mal in Folge ein und bauten Stellen ab, wie aus dem Markit/BME-Einkaufsmanagerindex hervorgeht, der am Freitag veröffentlicht wurde. Das Barometer fiel auf 32,7 Zähler und damit so tief wie nie zuvor seit Umfragebeginn im April 1996. In einer ersten Schätzung hatten die Marktforscher noch einen Wert von 33,5 Punkten angenommen. „Die deutsche Industrie rutscht vor dem Hintergrund des verschärften weltweiten Konjunkturabschwungs und dem daraus resultierenden Einbruch der Nachfrage immer tiefer in die Krise“, schrieben die Experten zu ihrer Umfrage unter etwa 500 Firmen.

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Die Firmen schränkten ihre Produktion so stark ein wie noch nie. Die Kürzungen fielen dabei nach Angaben der Forscher bei den Herstellern von Vorleistungs- und Investitionsgütern deutlich höher aus als bei den Konsumgüterproduzenten. Zu schaffen machte den Unternehmen der Einbruch bei der Nachfrage. Vor allem die Krise bei den Automobilherstellern hinterließ nach Markit-Angaben in den Orderbüchern ein dickes Minus. Der Rückgang beim Auftragseingang fiel sogar noch stärker aus als im November. Auch aus dem Ausland kamen erneut weniger Bestellungen, vor allem Kunden in Asien und den USA hielten sich zurück.

Die Industriefirmen haben den Experten zufolge mit massiven Überkapazitäten zu kämpfen und bauten deswegen Arbeitsplätze ab. Jede vierte Firma habe angegeben, Stellen gestrichen zu haben, hieß es. Besonders bei den Herstellern von Investitions- und Vorleistungsgütern sei es zu Entlassungen gekommen. Wegen der rückläufigen Nachfrage senkten die Unternehmen ihre Preise so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. Zugute kam ihnen der Rückgang der Einkaufskosten, vor allem für Rohstoffe: Per Saldo war das Minus so groß wie nie zuvor in der Umfragegeschichte.

Die andauernde Nachfrageflaute zwingt auch die Industrie in der Euro-Zone in die Knie. Der Sektor schrumpfte im Dezember so stark wie nie seit Beginn der Aufzeichungen im Sommer 1997, wie aus dem Markit-Einkaufsmanagerindex hervorgeht, der am Freitag veröffentlicht wurde. Es ist bereits das siebte Minus in Folge. Das Barometer fiel auf 33,9 Punkte und damit noch stärker als in einer ersten Schätzung angenommen worden war. „Das deutet darauf hin, dass die Industrieproduktion im Dezember um zwölf Prozent gesunken ist“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Auch in den kommenden Monaten sei eine weitere Verschlechterung bei Produktion und Beschäftigung wahrscheinlich. Die Neuaufträge gingen stärker zurück, als die Firmen ihre Kapazitäten zurückfahren könnten. „Das trifft besonders auf Deutschland zu“, sagte Williamson.

Sowohl der Ausstoß als auch der Auftragseingang schrumpfte stärker als in einer ersten Schätzung angenommen. Mit Abstand am stärksten drosselten die Firmen in Spanien ihre Produktion, gefolgt von Deutschland. Am geringsten fiel das Minus in den Niederlanden aus, der entsprechende Index erreichte aber dennoch ein Rekordtief.

Beim Auftragseingang zeichnete sich eine deutlich schwächere Inlandsnachfrage ab. Doch auch aus dem Ausland hielten sich die Kunden weiterhin zurück; hier machte den Unternehmen in der Euro-Zone ein Einbruch bei den Bestellungen aus Asien und den USA zu schaffen. Besonders betroffen von den Rückgängen waren die Hersteller von Investitions- und Vorleistungsgütern, während die Konsumgüterproduzenten vergleichsweise glimpflich davonkamen.

Die Firmen bauten in der Folge so viele Stellen ab wie nie zuvor in der Geschichte der Umfrage. Das war bereits der siebte Rückgang in Folge; in allen Ländern war das Minus zudem so groß wie nie zuvor seit Beginn der Datenerhebung. Mit Abstand am stärksten war das Minus jedoch erneut in Spanien. Entlastung für die Firmen kam lediglich von den Preisen: Die Kosten sanken so stark wie nie, vor allem wegen des deutlich niedrigeren Ölpreises als auch wegen der billigeren Rohstoffe wie Metallen. Um die Nachfrage anzuregen, senkten deswegen zahlreiche Unternehmen ihre Preise.

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