_

Umfrage: Firmen ergreifen Flucht nach vorn

exklusiv Not macht erfinderisch: Viele Unternehmen in Deutschland treten in der Krise die Flucht nach vorn an - und fahren ihre Innovationsanstrengungen hoch. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

In der Krise bauen viele Formen ihre Investitionen in Innovationen aus. Quelle: dpa
In der Krise bauen viele Formen ihre Investitionen in Innovationen aus. Quelle: dpa

FRANKFURT. Gut die Hälfte aller Firmen hat zwar sein Innovationsengagement nicht geändert. Mit rund 28 Prozent hat aber ein weit größerer Anteil sein Innovationsverhalten aufgrund der Wirtschaftskrise gesteigert als mit sechs Prozent reduziert, wie die Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 1 100 Unternehemen zeigt, die dem Handelsblatt vorliegt.

Anzeige

"Not macht erfinderisch", sagt der Hauptgeschäftsführer des DIHK, Martin Wansleben. Die schwierige wirtschaftliche Situation bewege viele Betriebe dazu, Etabliertes zu hinterfragen und die technologische Basis für Weiterentwicklungen auszubauen, um zum Beispiel neue Marktnischen zu besetzen.

Die Offensive der Firmen kommt für Fachleute überraschend. "Unternehmen fahren in konjunkturellen Abschwungphasen üblicherweise ihre Innovationsanstrengungen zurück", sagt der Branchenexperte des Ifo-Instituts, Gernot Nerb. Wenn die Unternehmen in dieser Krise tatsächlich verstärkt in die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen investierten, und so die Wettbewerbsfähigkeit steigerten, sei das "vorbildlich".

Allerdings unterscheidet sich das Ausmaß von Branche zu Branche. Während in der chemischen Industrie vergleichsweise viele Unternehmen ihre Innovationsaktivitäten ausgebaut haben, sind es in der Autoindustrei unterdurchschnittlich wenige. "Diese Entwicklung ist insofern bedenklich, als die Automobilbranche derzeit unter einem starken Innovationsdruck steht", resümiert der DIHK. Auch die Abwrackprämie habe keine Innovationsanreize erzeugen können.

Die Autoindustrie und ihre Zulieferer hatte der Absatzeinbruch in der zweiten Hälfte 2008 kalt erwischt. Die Kosten konnten nicht so schnell abgebaut werden wie der Absatz einbrach. In den ersten Monaten 2009 fuhren die Hersteller die Produktion zwischen 24 Prozent (VW) und 41 Prozent (Daimler) zurück.

Mitten in der Absatzkrise verlangt die gesetzlich geforderte Reduzierung des CO2-Ausstoßes und die Elektrifizierung des Automobils der Branche gewaltige Leistungen ab. "Wir müssen Ertrag und Liquidität sichern. Sparen und zugleich die Zukunft sichern - vor diesem Spagat stehen alle unsere Bereiche, besonders Forschung und Entwicklung", sagt Bosch-Chef Franz Fehrenbach. Die Automobilsparte des Konzerns plant in diesem Jahr einen Rückgang der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auf drei Mrd. Euro nach 3,25 Mrd. Euro in 2008. Dass die Forschungs- und Entwicklungsquote dennoch einen historischen Höchststand erreichen dürfte, liegt an dem gleichzeitig erwarteten Umsatzeinbruch um bis zu einem Fünftel.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International