US-Finanzminister Lew bei Schäuble : Mahnungen vom Amtskollegen

US-Finanzminister Lew bei Schäuble
Mahnungen vom Amtskollegen

Uneinigkeit beim Spitzentreffen der Finanzminister: Der Amerikaner Jack Lew fordert in Berlin mehr Wachstumsförderung und kritisiert die starke Exportorientierung. Der Deutsche Schäuble rüffelt im Gegenzug die USA.
  • 24

BerlinDie neue Koalition in Berlin und die US-Regierung setzen in der Finanzpolitik unterschiedliche Akzente. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte am Mittwoch nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Jack Lew in Berlin vor neuen Spekulationsblasen. Damit kritisierte er indirekt auch die US-Notenbank Fed, die wegen des schwachen US-Wachstums die Wirtschaft mit billigem Geld flutet. Lew machte den stabilitätsorientierten Deutschen klar, dass sich die USA vom größten Euro-Staat eine stärkere Förderung von Wachstum und Beschäftigung in der Welt wünschen.

Die USA üben seit Jahren immer wieder Kritik an der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft und fordern von Deutschland beharrlich, auch im Interesse der Weltwirtschaft mehr für das Wachstum im eigenen Land zu tun. Für Aufsehen hatte Ende Oktober ein Bericht aus Lews Ministerium mit dem Vorwurf gesorgt, Deutschland schade mit dieser Politik der wirtschaftlichen Stabilität in Europa und der Welt. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes stiegen die deutschen Exporte im November den vierten Monat in Folge.

Lew räumte zwar ein: „Im Verlaufe des vergangenen Jahres haben wir, wie ich denke, sehr konstruktive Bewegungen gesehen, um Haushaltskonsolidierung und Wachstum in das richtige Verhältnis zu bekommen.“ Er betonte aber auch: „Wir haben sehr klar gemacht, dass mehr Binnennachfrage und Investitionen eine gute Sache wären“, gerade auch für Deutschland. Zudem erneuerte Lew sein Plädoyer für Nachbesserungen der Europäer an ihrem Megaprojekt Bankenunion, um sie noch wirkungsvoller zu machen. Es werde sich aber erst in der nächsten Krise zeigen, ob die dickeren Kapitalpuffer tatsächlich reichten, meinte Lew.

Schäuble wiederum wies die altbekannte Kritik seines amerikanischen Gastes an der deutschen Exportstärke zurück. „Wir führen unsere Gespräche nicht, um uns gegenseitig Zensuren zu verteilen, sondern um uns besser zu verstehen.“ Die Eurozone hätte ohne Deutschland ein Handelsdefizit. Spitz fügte der Deutsche hinzu: „Das amerikanische Defizit wird nicht besser, wenn ein europäisches Defizit hinzugefügt wird.“
Lew war aber sichtlich bemüht, nicht den Eindruck eines Streits zwischen den engen Verbündeten aufkommen zu lassen. Man habe nicht immer die gleichen Ansichten, verfolge aber die gleichen Ziele wie Wachstum und Reformen, erklärte Lew, der auf seiner Europa-Reise auch Frankreich und Portugal besuchte. So sollte das geplante Handelsabkommen zwischen Europa und den USA zügig vorangebracht werden, sagte Lew. Die Gespräche dazu waren in den vergangenen Monaten durch den Ausspäh-Skandal um den US-Geheimdienst NSA stark belastet worden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " US-Finanzminister Lew bei Schäuble : Mahnungen vom Amtskollegen "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jack Lew sollte zu Hause in seinem Faschisten Land blieben und dort weiter die Reichen reichen machen und alles Andere ausbluten lassen UND UNS IN EUROPA IN RUHE LASSEN mit seinem Finanzimperialisum Schrott. Wieder ein ex Banker vom Establishment (Citigroup und Coucnil of Foreign Relation) der Lektionen verteilen will. Wir haben die Nase voll von der arroganten und heuchlecherischen US Finanzeelite a la Goldman Sachs. Und vom HANDELSBLATT erwarte ich mehr als das Veröffentlichen von Bloomberg, Reuters, AFP und Federal Reserve Pressemitteilungen OHNE DIE FAKTEN ZU HINTERFRAGEN. Alles ist manipuliert in den USA zu Gunsten der Bankster, wie wäre es zum Beispiel mit einer Analyse der Kursbewegungen an der Wall Street beim letzten FED Announcement? Das erwarte ich vom Handelsblatt.

  • Deutschland hat die anderen Länder im Euro mit seinen niedrigen Löhnen niederkonkurriert. Wir haben die anderen in die Verschuldung getrieben und verhöhnen sie jetzt, weil sie die Schulden nicht bedienen können, denn dazu müssten sie uns Waren verkaufen. Das können sie aber nicht, weil wir sie weiterhin unterbieten. (Den Mechanismus, dass der niedrigere Preis am Markt gewinnt und den, dass die Entwicklung der Lohnstückkosten die der Preise bestimmt, kennt der Deutsche ja offenbar nicht.) Der Oberwitz ist aber, dass jetzt die anderen über den gleichen Mechanismus, genauso "wettbewerbsfähig" wie wir werden sollen - Preisfrage: Was passiert denn, wenn in einem Wettbewerb, die die hinten sind aufholen? Richtig, dann sind alle relativ gesehn gleichauf. In der Realität hat man nur das Problem, dass wir uns dann alle in die Deflation gespart haben. Davon hat man hier wohl noch nie was gehört!? Und jetzt erklärt wieder mal einer das den Deutschen und wieder bekommt er dumme Antworten! Man sollte dem Schäuble mal erklären, dass, wenn die anderen Länder nicht mit Schulden unsere Waren gekauft hätten, wir aufgewertet hätten (Das ging eben im Euro nicht.) und unsere Überschüsse und unser Wachstum dann nicht gehabt hätten. Zusätzlich haben wir dadurch auf den Drittmärtken (Wegen der unterbewerteten Währung) Marktanteile gewonnen.

  • zahlen die Amis desshalb unsere Exporte nicht?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%