US-Konjunktur: Jobmarkt legt zu Trumps Amtsbeginn Traumstart ins Jahr hin

US-Konjunktur
Jobmarkt legt zu Trumps Amtsbeginn Traumstart ins Jahr hin

Die neuesten Zahlen zeigen: Viele Amerikaner, die es schon aufgegeben hatten, suchen jetzt wieder Jobs. Damit baut sich kein großer Druck für die Fed auf, die Zinsen weiter zu erhöhen.
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Washington/BerlinDie USA erleben zu Beginn der Amtszeit von Präsident Donald Trump einen Stellenboom. Unter dem Strich kamen im Januar 227.000 neue Jobs hinzu, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Trump sagte, er sei "sehr glücklich" über die Daten. Der Republikaner war am 20. Januar ins Weiße Haus eingezogen. Er hat versprochen, der "größte Job-produzierende Präsident" seines Landes zu werden, "den Gott je geschaffen hat". Doch ausgerechnet beim Staat fielen 10.000 Stellen dem Rotstift zum Opfer. Trump hat bereits einen Einstellungsstopp für Zivilbedienstete des Bundes verfügt. So entstanden die Jobs vor allem bei privaten Firmen.

Ökonomen hatten lediglich mit 175.000 neuen Stellen gerechnet. Die separat ermittelte Erwerbslosenquote in den USA stieg zwar leicht auf 4,8 Prozent. Dennoch ist de facto Vollbeschäftigung erreicht - eines der erklärten Ziele der Notenbank Fed. Ihr Führungsmitglied Charles Evans aus Chicago sprach von einem "sehr guten Job-Report". Er plädierte aber für "ein langsames Tempo" beim Straffen der Geldpolitik, da die Wirtschaft so besser gegen mögliches Störfeuer gewappnet sei.

In der Privatwirtschaft entstanden 237.000 Jobs. Trumps vollmundige Versprechen aus dem Wahlkampf dürften laut Ökonom Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe dennoch nur schwer zu halten sein: "Trump braucht einen beständig auf hohen Touren laufenden Job-Motor, um sein Langfristziel von 25 Millionen neuen Jobs in zehn Jahren zu erreichen."

Auch die etwas höhere Arbeitslosenquote trübt das ansonsten aufgehellte Bild etwas. Dies sei nicht nur dem Anstieg der Erwerbstätigenzahl geschuldet, sondern auch der Abnahme der Beschäftigung, so NordLB-Analyst Bernd Krampen. Dass die Stellenzahl im Januar stark zulegte und zugleich die Arbeitslosenquote nach oben ging, erscheint nur auf den ersten Blick paradox. Denn die US-Behörden ziehen zwei verschiedene Datensätze heran: Eine Arbeitgeberumfrage, aus der Jobzahlen gewonnen werden, und eine Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenquote errechnet wird.

Ein weiterer Wermutstropfen im Jobbericht war die Entwicklung der Stundenlöhne, die zum Vormonat nur um 0,1 Prozent zulegten. Experten hatten einen drei Mal so starken Anstieg erwartet. Die Fed will erreichen, dass der Aufschwung in der Geldbörse der Bürger ankommt und die unerwünscht niedrige Inflation anheizt. Diese lag zuletzt noch unter dem Fed-Zielwert von 2,0 Prozent. An den Finanzmärkten wird daher weiter mit nur zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr gerechnet. Auch Dekabank-Ökonom Rudolf Besch erwartet, dass die Fed zunächst die Füße still hält: "Die Lohndynamik dürfte nicht ausreichend hoch sein, um aus Sicht der Fed-Führungsmitglieder eine Leitzinserhöhung bereits im März zu beschließen. Wir gehen daher davon aus, dass der nächste Zinsschritt erst im Juni kommt."

Die Fed hatte zuletzt auf anhaltende Fortschritte am Jobmarkt verwiesen und den Leitzins konstant gehalten, den sie im Dezember auf eine Spanne zwischen 0,5 und 0,75 Prozent angehoben hatte. Zugleich signalisierte sie damals drei weitere Schritte nach oben für 2017.

Ob es dazu kommt, dürfte auch von der Wirtschaftspolitik Trumps abhängen, der die bereits rund laufende Konjunktur mit kräftigen Steuersenkungen und billionenschweren Investitionen in die Infrastruktur weiter anschieben will. Evans sagte, Trumps Pläne seien geeignet, die Arbeitslosenquote zu drücken. Fed-Chefin Janet Yellen hat jedoch mehrfach betont, dass sie angesichts eines praktisch leer gefegten Arbeitsmarkts nicht sehenden Auges eine Überhitzung der Wirtschaft zulassen werde.

Trump hat zahlreiche Firmenlenker für Freitag zu einem Treffen im Weißen Haus eingeladen, darunter die Chefs des Autobauers GM und der Großbank JP Morgan. Vor der Zusammenkunft twitterte er: "Treffe mich diesen Morgen mit größten Firmenchefs. Gute Jobs kehren in die USA zurück, Gesetzentwürfe zum Gesundheitswesen und zu Steuern werden JETZT gestaltet."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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