Verbraucherpreise
Gefühlte Deflation

Offiziell lag die Inflation in Deutschland im Dezember bei 0,2 Prozent. Doch das Gefühl der Deutschen besagt: Die Preise fallen. Das liegt nicht nur an den günstigen Spritpreisen.
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BerlinErstmals seit der Finanzkrise vor fünf Jahren fallen die Preise in der Wahrnehmung der Deutschen - und das kräftig. Die von der Großbank Unicredit ermittelte gefühlte Inflation rutschte im Dezember auf minus 1,2 (November: 0,0) Prozent ab, während die offiziellen Daten des Statistischen Bundesamtes noch einen Preisanstieg von 0,2 Prozent ausweisen.

„Hinter dem stärksten Rückgang seit Oktober 2009 stecken die deutlich billiger gewordenen Kraftstoffe“, sagte der Deutschland-Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit, Andreas Rees, am Montag. „Aber auch Lebensmittel sind günstiger geworden.“

Sowohl Benzin und Diesel als auch Nahrungsmittel werden von den Verbrauchern regelmäßig gekauft. Ihnen fallen Preisveränderungen bei dieses Produkten daher viel stärker auf als bei selten gekauften Waren wie Möbel und Computer. Unicredit gibt ihnen daher ein stärkeres Gewicht: In die Berechnung für die gefühlte Inflation fließen die Kraftstoffpreise mit zehn Prozent und Nahrungsmittel mit 27 Prozent ein - im amtlichen Warenkorb hingegen nur mit rund vier beziehungsweise gut zehn Prozent.

„Für die Konjunktur sind das gute Nachrichten“, sagte Rees zum Preisrutsch. „Ein Teil des gesparten Geldes wird zwar sicherlich im Sparstrumpf verschwinden, aber es wird auch mehr ausgegeben. Zusammen mit der Rekordbeschäftigung und steigenden Löhnen sind das sehr gute Voraussetzungen dafür, dass der Konsum auch in diesem Jahr die Wachstumsstütze Nummer eins bleibt.“

Schon 2014 hatten die kauffreudigen Verbraucher die deutsche Wirtschaft gegen internationale Krisen wie den Konflikt mit Russland abgeschirmt. Dadurch wuchs Europas größte Volkswirtschaft um 1,5 Prozent und damit etwa doppelt so stark wie die Euro-Zone insgesamt.

Kraftstoffe wie Benzin und Diesel kosteten im Dezember durchschnittlich 12,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Grund dafür ist der Preisrutsch an den internationalen Ölmärkten. Ein Barrel ist derzeit nur noch knapp halb so teuer wie im vergangenen Sommer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Verbraucherpreise: Gefühlte Deflation"

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  • Draghi sieht Deflation ante Portas
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    Die Inflation sei auf den niedrigsten Stand seit Jahren.
    Offiziel soll sie bei 0,2% liegen. Rechntet man den Benzinpreis heraus, liegt sie bei 0,8%.
    Draghi will sie auf mindestens 2% herauftreiben. Das ist aber nicht Aufgabe der EZB. Ihre Aufgabe ist es, für Preisstabilität zu sorgen, d.h. eine Inflation von 0,00%.
    Eine weitere Aufgabe der EZB ist die Währungsstabilität. Auch das hintertreibt Draghi mit seiner lockeren Geldpolitik und den Ankaufsprogramm von Schrottpapieren (QE).

  • Warum wäre das Gefühl dann ein anderes gewesen?
    Für mich sind zumindest Dinge aus dem täglichen Bedarf letztes Jahr nicht teurer geworden.
    Gefühlt geht es einen natürlich jedes Jahr schlechter, alles andere wäre auch nicht typisch deutsch :).

  • Sorry aber wie misst man gefühlte Inflation? Ich weiß, das steht im Artikel, aber besser doch, man hätte die Leute mal befragt, denn dann wäre das Ergebnis ein ganz anderes gewesen

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