Verfall der Ölpreise
Saudi-Arabien zieht Milliarden von Märkten ab

Fondsmanager gehen davon aus, dass Saudi-Arabien bis zu 70 Milliarden Dollar von den internationalen Märkten abgezogen hat. Das Land müsse wegen des Ölpreisverfalls Löcher im Haushalt stopfen.

DubaiSaudi-Arabien hat laut Marktforscher Insight Discovery von Vermögensverwaltern weltweit bis zu 70 Mrd. Dollar abgezogen. Das größte Ölförderland der OPEC muss wegen des Ölpreisverfalls Haushaltslöcher stopfen. Insight-Discovery-Chef Nigel Sillitoe zufolge schätzen die befragten Fondsmanager, dass die saudische Zentralbank SAMA in den letzten sechs Monaten 50 Mrd. Dollar bis 70 Mrd. Dollar abgezogen hat.

„Saudi-Arabien zieht die Mittel ab, weil es versucht, ein sich ausweitendes Defizit zu senken und den Krieg im Jemen zu finanzieren“, so Sillitoe.

Saudi-Arabien kämpft gegen die Verschlechterung seiner finanziellen Lage an, nachdem sich der Ölpreis in den letzten zwölf Monaten halbiert hat. Die Reserven der SAMA in ausländischer Währung sind im Juli um rund zehn Prozent auf 661 Mrd. Dollar gefallen, von ihrem Höchststand im August 2014 von 737 Mrd. Dollar, wie aus SAMA-Daten hervorgeht.

„Für Saudi-Arabien ist es eine neue Realität, dass Devisenreserven abfließen und nicht wachsen“, kommentierte Jason Tuvey von Capital Economics am Montag. Das komme aber nicht überraschend, da Saudi-Arabien ein Leistungsbilanzdefizit habe und unter hohen Kapitalabflüssen leide, erklärte er.

Doch selbst bei den derzeitigen Abflüssen sollten die Devisenreserven noch mindestens weitere acht Jahre reichen, so Tuvey.

Da das Öl für rund 90 Prozent der Einnahmen verantwortlich sei, könne sich das saudi-arabische Haushaltsdefizit auf 20 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt ausweiten, rechnet der Internationale Währungsfonds vor. Aus informierten Kreisen war im August zu hören, dass SAMA zudem plant, bis Jahresende zwischen 90 Mrd. Rial und 100 Mrd. Rial bei Anleihenemissionen einzunehmen.

Die Financial Times hatte bereits zuvor über die Kapitalabzüge berichtet.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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