Vollbeschäftigung in USA in Sicht
Naht die Zinswende?

Seit Monaten schon rätseln Anleger: Wann wird Fed-Chefin Janet Yellen den US-Leitzins anheben? Die guten Arbeitsmarktdaten aus den USA verleiten Experten zu immer neuen Prognosen: Nun soll es Anfang 2016 so weit sein.
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WashingtonDie US-Wirtschaft nähert sich der Vollbeschäftigung und bereitet damit den Boden für eine Zinswende. Die Arbeitslosenquote fiel im Juni auf 5,3 Prozent und damit auf das niedrigste Niveau seit rund sieben Jahren, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag. mitteilte. Die Zahl der neuen Stellen stieg allerdings nur um 223.000 und damit weniger stark als von Experten erwartet. Dass der Zuwachs in den beiden Vormonaten um insgesamt 60.000 Stellen geringer ausfiel als zunächst geschätzt, gilt als weiterer Wermutstropfen: „Doch auch wenn die Job-Zahlen eher durchwachsen sind, wird die Notenbank Federal Reserve die Zinsen wohl im September anheben“, meint Starinvestor und Allianz -Chefwirtschaftsberater Mohamed El-Erian.

Viele Börsenhändler rechnen mittlerweile jedoch erst für Anfang 2016 damit, dass die Notenbanker um Fed-Chefin Janet Yellen die Zinszügel anziehen. Grund zur Skepsis ist, dass der jüngste Rückgang der Arbeitslosenquote einen Haken hat: Denn er signalisiert keinen stärkerer Stellenaufbau. Die Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird, ergab einen Abbau von 56.000 Stellen: „Das zeigt, dass weniger Personen am Arbeitsmarkt teilnehmen und sich arbeitslos melden“, erläutert Ökonomin Christiane von Berg von der BayernLB. Auch die für die Fed wichtige Lohndynamik enttäuschte nach Ansicht der Ökonomin. So stagnierten die durchschnittlichen Wochenlöhne zum Vormonat. Diese Zahlen deuten somit nicht auf einen steigenden Inflationsdruck hin. Genau diesen wünscht sich die Fed aber, die von der angestrebten Teuerungsrate von 2,0 Prozent zuletzt noch ein gutes Stück entfernt war.

Obwohl die Wirtschaft zu Jahresbeginn geschrumpft war, hält Fed-Vizechef Stanley Fischer sie mittlerweile für stark genug für eine baldige Zinswende. Der Leitzins liegt in den USA seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Auch wenn die Währungshüter nun mit Macht auf die Zinswende zusteuern, könnte eine Eskalation der Griechenland-Krise einen Kurswechsel erzwingen, meint VP-Bank-Chefvolkswirt Thomas Gitzel: „Sei es, weil der US-Dollar deutlich aufwertet oder weil es zu Verwerfungen an den globalen Finanzmärkten kommt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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