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Wall Street: Neue Arbeitslose tragen Nadelstreifen

In Folge der Finanzkrise haben in den USA etliche Führungskräfte ihren Job verloren. Der Absturz der Besserverdiener trifft "Corporate America" doppelt.

Auch an der Wall Street haben etliche Broker in der Krise ihren Job verloren. Quelle: ap
Auch an der Wall Street haben etliche Broker in der Krise ihren Job verloren. Quelle: ap

NEW YORK. Die Fishers sind eine klassische Wall-Street-Familie. Universitätsausbildung, belesen, erfolgreich: Sie in der Personalabteilung einer Bank, er Anwalt, spezialisiert auf Wertpapierrecht. 2008, als die USA in einer tiefen Rezession stecken, ist die Welt für die New Yorker Familie noch in bester Ordnung. Schließlich kommt die Bank vergleichsweise gut durch die Krise, und Milliardenbetrüger Bernard Madoff verschafft New Yorker Anwälten eine Sonderkonjunktur. Die Wall Street ist in Aufruhr, aber für die Fishers bleibt jede Menge Arbeit: Einsatz in Manhattan, von früh morgens bis spät abends.

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Heute sind Christine und Bob Fisher (Namen von der Redaktion geändert) arbeitslos, beide. Weil die Bank ihre Belegschaft zum Jahresende 2008 ausdünnte. Und weil im Herbst 2009 immer weniger Mandanten ihre Anwaltsrechnungen zahlen, Madoff-Geschädigte zum Beispiel. Die Fishers haben drei Schulkinder; die älteste Tochter soll im Sommer aufs College, für 52 000 Dollar pro Semester. "Es ist hart, doch wir haben uns eine ordentliche Summe zur Seite gelegt", sagt Bob Fisher. "Zum Glück", schiebt er hinterher.

Arbeitslos in Nadelstreifen, das ist nicht ungewöhnlich in dieser Krise. Es ist viel geschrieben worden über die Arbeiter an den Fließbändern von Detroit, die einer trostlosen Zukunft entgegenblicken. Über Taxifahrer, Pizzabäcker und Kellnerinnen, die beim ersten Husten der Wall Street ihre Jobs verlieren. Tatsächlich aber sprechen immer mehr US-Ökonomen von einer "White Collar-Recession" - einer Krise also, die Angestellte mit weißem Hemdkragen ebenso trifft wie die Arbeiter im Blaumann. Ende September waren schon 5,5 Millionen Amerikaner länger als sechs Monate auf Jobsuche. 46 Prozent von ihnen hatten zuvor Positionen im Management oder andere gut bezahlte Stellen in Büro und Vertrieb. In früheren Rezessionen lag dieser Anteil deutlich geringer.

Zwar hofft die US-Regierung, dass sich nach der jüngsten Konjunkturwende auch der Arbeitsmarkt allmählich bessert, aber allein der Autokonzern General Motors (GM) will bis Jahresende noch 10 000 weitere Stellen abbauen. 30 Prozent der erweiterten Führungsriege sollen gehen.

Auch abseits der großen Wall-Street-Konzerne fordert die Schuldenkrise weitere Opfer, und noch immer trifft es regelmäßig Banker in Nadelstreifen. 115 Banken sind seit Jahresbeginn schon zusammengebrochen.

Experten fürchten, dass dieser Trend die größte Volkswirtschaft der Welt nachhaltig belasten wird. Wenn Hausbesitzer schwerer leiden als Mieter und Großanleger mehr Geld verlieren als Kleinsparer, trifft das "Corporate America" doppelt. Die Besserverdiener seien "unschätzbar wertvoll" für die Gesundheit der US-Wirtschaft, sagt John Challenger, Chef der Personalberatung Challenger, Grey & Christmas. "Egal, wie viel sie in ihrer früheren Position verdient oder gespart haben: Wer 27 Wochen arbeitslos ist, wird seine Ausgaben drastisch reduzieren." Mit dem Binnenkonsum aber steht und fällt die Konjunktur.

Bob Fisher muss sich erst einmal sortieren, die Entlassung ist noch frisch und längst nicht verdaut. Während seine Frau darauf hofft, noch einmal bei ihrem früheren Arbeitgeber unterzukommen, überlegt der New Yorker Anwalt jetzt, eine eigene Kanzlei aufzubauen. Vorerst aber wackelt ihm der Boden unter den Füßen: "Wir haben uns im Traum nicht ausgemalt, dass uns das einmal passieren könnte."

  • 08.11.2009, 22:23 UhrAnonymer Benutzer: ReiHe

    Sie, die Söhne und Töchter dieses Systems, werden
    versuchen, nach den alten und scheinbar bewährten
    Mustern, wieder Fuss zu fassen. Zum analysieren der
    Ursachen und eventuellen Schlussfolgerungen werden sie aber nicht fähig sein. ihre erstarrten haben Denkmuster haben schon ihre Gene verändert!

  • 06.11.2009, 18:35 UhrAnonymer Benutzer: Peter Meier

    Ein College mit 104000$ pro Jahr?
    Welche Edelschmiede soll das denn sein, selbst Wikipedia kennt nur 30000$ teure.
    Vermutlich das College mit eingebautem Top-Folgejob.
    Ach nein, die Top-Leute werden je gerade entlassen.

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