Warnung der Bundesbank

„Die Lage in Griechenland ist besorgniserregend“

Seit Monaten verhandeln Griechenland und seine Geldgeber über Reformen und neue Hilfen. Bisher ergebnislos. Damit steigt die Gefahr, dass Athen in die Pleite rutscht. Die Bundesbank schlägt Alarm.
Update: 18.05.2015 - 13:41 Uhr 23 Kommentare
Für die Bundesbank und ihren Chef Jens Weidmann bilden die angedachten griechischen Reformen noch keine Basis für tragfähige Staatsfinanzen. Quelle: dpa

Für die Bundesbank und ihren Chef Jens Weidmann bilden die angedachten griechischen Reformen noch keine Basis für tragfähige Staatsfinanzen.

(Foto: dpa)

FrankfurtGriechenland ist aus Sicht der Deutschen Bundesbank massiv von einer Staatspleite bedroht. „Die Lage in Griechenland ist weiter besorgniserregend“, betonte die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Aktuell seien Athen und griechische Banken nur deshalb zahlungsfähig, weil die Banken mit ELA-Notkrediten („Emergency Liquidity Assistance“) der griechischen Zentralbank versorgt werden. Griechenland müsse deshalb rasch durch wirtschafts- und finanzpolitische Reformen die Basis für tragfähige Staatsfinanzen schaffen und brauche zumindest vorübergehend weitere Hilfszahlungen, warnt die Bundesbank.

Auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici sagte am Montag, es gebe zwar Fortschritte in den Gesprächen mit Athen, doch das Tempo müsse erhöht werden. „Es ist möglich, eine Einigung zu erreichen. Aber noch sind wir nicht da.“ Vor allem fehlten noch Verabredungen zur Reform des Arbeitsmarktes und des Rentensystems. Griechenland ringt seit Monaten mit dem IWF und der Euro-Zone um die Reformauflagen für die Auszahlung weiterer Finanzhilfen, die eine Staatspleite abwenden soll.

Die Regierung des linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ringt seit drei Monaten um die Auszahlung weiterer Finanzhilfen. Die europäischen Geldgeber und der Internationale Währungsfonds (IWF) koppeln die Freigabe von 7,2 Milliarden Euro aus dem aktuellen Hilfsprogramm an ein umfassendes Reformpaket.

Griechische Banken bekommen auf normalem Weg kein frisches Geld mehr von der Europäischen Zentralbank (EZB) und sind daher auf teurere so genannte Ela-Notkredite angewiesen. Finanzkreisen zufolge wurde der Ela-Rahmen zuletzt auf 80 Milliarden Euro ausgeweitet. Damit stopft die Notenbank die Löcher, die Finanzinstituten durch Mittelabflüsse in Milliardenhöhe entstehen. Denn Bürger und Unternehmen räumen wegen der ungewissen Zukunft ihre Konten leer.

Mit den Notkrediten kaufen die griechischen Banken immer wieder neue kurzfristige Staatstitel (T-Bills) nach, wenn die Vorgängerpapiere fällig werden. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sieht diese Praxis kritisch: „Dass Banken ohne Marktzugang Kredite gewährt werden, die damit Anleihen des eigenen Staates finanzieren, der selbst ohne Marktzugang ist, finde ich mit Blick auf das Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht in Ordnung.“ Aus Sicht der Bundesbank muss die Entscheidung über die Bereitstellung weiterer Finanzmittel aber von nationalen Regierungen und Parlamenten getroffen werden - und nicht von den Notenbanken.

„Zahlungsfähigkeit Griechenlands akut bedroht“
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23 Kommentare zu "Warnung der Bundesbank : „Die Lage in Griechenland ist besorgniserregend“"

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  • ".....Griechenland ist besorgniserregend“"

    Das dachte ich damals, als die Mitglieder für den EURO-Raum feststanden, nicht nur Griechenland war/ist besorgniserregend !!

    Das war/ist eine katastrophale, vorhersehbare Entwicklung und nur möglich gewesen, durch kompetenzleere oder "geschmierten" Lobby-Marionetten in den Parlamenten !!!

  • Hallo Herr Zimmer,

    volle Zustimmung - ich kann das eigentlich auch nicht nachvollziehen.

    Aber in der EU geht es eben "gerecht" zu.
    Da darf jeder "mitbestimmen".......

    Es bekommt ja auch jedes Land einen Kommissarposten.
    Kommt ein Land dazu, wird automatisch auch ein neuer "Aufgabenbreich" für einen Kommissar geschaffen.
    Das ist "gerecht"!
    Ob es "sinnvoll" und/oder "effektiv" ist steht auf einem anderen Blatt - aber darum geht es ja bei dieser EU nicht - es geht um eine "Vision". Das verstehen wir Kleinbürger leider nicht......

  • @aza azaziel
    Was soll man denn zum diesen völlig abgedroschenen Sachverhalt auch ewig noch schreiben? Griechenland, und so mancher mehr in der Euro-Zone, ist nun mal seit Jahren - spätestens seit 2010 - pleite.
    Ich für mein Teil lese ab und zu immer noch gerne die Leser-Kommentare, schreibe aber selbst so gut wie keine mehr.

  • Varoufakis, Oktober 2013, Austin (Texas):

    "Yanis Varoufakis: Unsere Konferenz hier in Austin war deshalb interessant, weil wir den einen Politiker in Europa zu Gast hatten, der unter Umständen Premierminister werden könnte und der wahrscheinlich (falls er Premierminister würde) mit der Quisling-Tradition brechen würde: Alexis Tsipras. Aber ich denke, dass seine Bedeutung über Griechenland hinausreicht. Es ist mir egal, wer es in Europa richtet, ob es ein griechischer, ein irischer oder ein portugiesischer Politiker ist. Jemand muss den Ball ins Rollen bringen. Eine Regierung muss nein sagen. Und ich glaube, dass dieses "Nein" einer Regierung wie der Splitter sein wird, der im Damm ein kleines Loch hinterlässt, das dann den ganzen Damm zum Einsturz bringt.
    Ich denke, dass es selbst in den heutigen Führungsetagen viele Politiker gibt, die gewillt wären, den Mund aufzumachen und zu widersprechen. Aber ich denke auch, dass sich keiner von ihnen traut, damit anzufangen, bevor es nicht jemand anderes gemacht hat. Was wir also brauchen, ist eine Regierung, die etwas versucht, was wir bis jetzt in Europa noch nie probiert haben, nämlich die Wahrheit zu sagen. Dann wird eine Kettenreaktion ausgelöst. Daran habe ich keinen Zweifel. Die Frage ist: Wer wird derjenige sein, der sie auslöst? Der Grund, warum Jamie [Galbraith] und ich unbedingt Alexis Tsipras zu unserer Konferenz bringen wollten, war, dass wir glauben, dass er derjenige sein könnte, der dies tut."

  • Interessant wäre es, wenn man die letzte Rede von Tsipras (heute am frühen Abend) einmal Wort für Wort übersetzen würde, man bekäme ein Bild davon, wie er denkt und handelt. Es geht ihm um Spaltung, um eine Isolierung Deutschlands, zumindest der "mikro- merkantilistischen Sparpolitik" Schäublescher Prägung. Freund Juncker scheint dieses Spiel aus welchen Gründen auch immer mitzuspielen. Es stehen uns spannende Tage und Wochen bevor.
    wer es gerne im Orginalton hören möchte:
    http://www.iefimerida.gr/news/207216/tsipras-eimaste-stin-teliki-eytheia-alla-kapoioi-den-theloyn-symfonia

  • brauche zumindest vorübergehend weitere Hilfszahlungen, warnt die Bundesbank.

    Was erzählen die denn da. Griechenland muss im Juni oder Juli ca. !3,2 Mrd ablösen. Die sie nicht haben. Auch wenn die griechische Regierung gnädiger Weise die lächerliche 7, 2 Mrd von den Geberländer akzeptieren würde. Reicht es vorne und hinten nicht. Da von Ablegesehen - Griechenland will den Schuldenschnitt erzwingen. Nur darum geht es.
    Großes Mundwerk haben sie vielleicht, mehr aber auch nicht.

  • Also vielleicht bin ich ja im falschen film, aber in den griechischen Medien steht das das Abkommen fix ist man sich geeinigt hat und das es jetzt beim nächsten Europegroup Meeting vorgestellt wird am 21 glaube ich und das wars erstmal mit der fast unendlichen Story um Hellas für ca 6 Monate, weil danach wird das Rentensystem und seine Überlebensfähigkeit nach dem Sommer besprochen, das hat man jetzt erstmal aussen vor gelassen, weil mann sich nicht einigen konnte in der Zeit bis ende Mai

  • Ja, Deutschland hat einen Anteil am Kapital der EZB von ca. 18 % und haftet bei Verlusten mit 28 %. Luxemburg hat einen Anteil am Eigenkapital der EZB von ca. 1,8 % und hat die gleiche Stimmberechtigung wie Deutschland.

    Das ist etwa so als wenn die Arbeitnehmer in einem Betrieb das Sagen hätten und die Eigner das Kapital beizusteuern hätten. Wenn solche Proceduren nicht näher am Sozialismus oder gar dem Kommunismus als dem Kapitalismus sind, dann habe ich die Wirtschaftsformen nicht verstanden.

    Kurz:
    Die EZB ist eher kommunistisch oder sozialistisch als kapitalistisch strukturiert. Bisher hat noch kein kommunistisches System überlebt (zugegeben China könnte mich eines besseren belehren). Aber auch da muss man aus anderen Gründen vorsichtig sein.

    20 % der Weltbevölkerung sind Chinesen, aber sie verfügen nur über 7 % der Trinkwasserreserven. Das macht richtig Druck im Kessel!

  • da die Bundesbank "nicht mehr das Gewicht" wie zu DM-Zeiten hat, wird die Entscheidung leider von Mutti Merkel und dem EU-Gesocks getroffen..

    Da kann der Herr Weidmann machen was er will.

    Die Bundesbank ist ja nicht einmal mehr bei allen Abstimmungen stimmberechtigt weil "rotiert" wird. Nur beim Zahlen sind wir immer mit dabei.

  • Ueber viele Jahre hat einer unserer Mitkommentatoren seine sehr guten Beitraege immer mit "Papperlapapp - Griechenland ist pleite" ueberschrieben. Was wohl aus ihm geworden ist? Warum er wohl nicht mehr schreibt? Jedenfalls hatte er recht!

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